Auslaufgebiete

Hunde sollen im Süden Berlins mehr Platz erhalten

Nach dem Verbot an Schlachtensee und Krummer Lanke fordert die SPD-Fraktion in Steglitz-Zehlendorf ein weiteres Freilaufgebiet für Hunde.

Das Auslaufgebiet am Grunewaldsee ist eine viel genutzte Alternative seit dem Hundeverbot am Schlachtensee und der Krummen Lanke

Das Auslaufgebiet am Grunewaldsee ist eine viel genutzte Alternative seit dem Hundeverbot am Schlachtensee und der Krummen Lanke

Foto: Soenke Tollkuehn

Alte Buchen, Eichen und Kastanien stehen im Zehlendorfer Paul-Mebes-Park, der eher einem kleinen Wäldchen ähnelt als einer Grünanlage. Er erstreckt sich auf einer Fläche von etwa einem Hektar zwischen der viel befahrenen Potsdamer Straße im Norden und der von Stadtvillen gesäumten Königstraße im Süden.

Ein Teil dieses Parks soll künftig abgegrenzt und umzäunt werden. Die SPD-Fraktion im Bezirk Steglitz-Zehlendorf will auf dieser Fläche einen Hundefreilauf einrichten, „um die bestehenden Hundeauslaufgebiete am Schlachtensee und an der Krummen Lanke zu entlasten“, sagt Fraktionschef Norbert Buchta. Der Antrag ist am heutigen Mittwoch auf der Tagesordnung der Sitzung der Bezirksverordneten.

Kosten für den Zaun: 5000 bis 10.000 Euro

Mit dem Hundeverbot an den beiden Seeufern, das seit 15. Mai 2015 gilt, wurde auch das Hundeauslaufgebiet im Grunewald verkleinert. Genutzt wird es nicht nur von Berlinern mit ihren Tieren, sondern auch von Haltern und Auslaufdiensten, die aus dem Umland anreisen. Sie alle müssen seit fünf Monaten die Uferbereiche komplett meiden. Viele sind aus diesem Grund an den Grunewaldsee abgewandert, wo Hunde noch ans Wasser dürfen.

„Der Bedarf an zusätzlichen Freilaufflächen ist da“, begründet die SPD-Fraktion ihren Antrag. Deshalb sei neben der Fläche in dem Zehlendorfer Park noch eine weitere im Ortsteil Steglitz wünschenswert. „Der Paul-Mebes-Park wird heute schon sehr stark von Hundehaltern frequentiert“, sagt Norbert Buchta. Zudem gebe es dort Ecken, die nur wenig von den Spaziergängern genutzt würden. Solch ein Bereich solle mit einem Zaun abgegrenzt werden. Die Kosten für den Zaun lägen zwischen 5000 und 10.000 Euro.

Zum Gassi-Gehen und Austoben in Wohnortnähe bleiben

Mit Freilaufflächen in Parks könnten zudem wohnortnähere Angebote geschaffen werden. Nicht jeder wolle zum Gassi-Gehen bis an den Schlachtensee oder die Krumme Lanke fahren. Da die Hunde aber in der Stadt größtenteils an der Leine geführt werden müssten, hätten die Tiere eine Chance, sich im Park auszutoben. Die Notwendigkeit, weitere Hundefreilaufflächen im Bezirk zu schaffen, sieht auch Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU). Eine artgerechte Haltung der Hunde sei wichtig und Auslauf gehöre dazu. „Allerdings sollte zunächst in den Ausschüssen geprüft werden, ob sich der Park dafür eignet“, sagt Kopp.

Zweifel meldet auch die Fraktion der Grünen an. „Ich befürchte, dass die Einrichtung eines Hundeauslaufs im Paul-Mebes-Park kontraproduktiv ist“, sagt Fraktionschef Uwe Köhne. Der Park sei nicht groß genug, um einen Teil für die Vierbeiner abzugrenzen. Anwohner und Spaziergänger müssten sich dann zu sehr einschränken. Köhne sieht insbesondere die Gefahr, „dass Hundehalter und Ausführdienste extra hinkommen“. In Steglitz oder Mitte würde er weitere Auslaufgebiete befürworten. „Aber gerade in Zehlendorf haben es die Hundehalter nicht weit in den Grunewald“, sagt Köhne.

Dritte Klage gegen Verbot am Schlachtensee

Die Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz begrüßt grundsätzlich die Bestrebungen der SPD-Fraktion. „Hundeauslaufgebiete in innerstädtischen Bereichen werden immer wichtiger, da eine zunehmende Bebauung immer mehr Grünflächen verdrängt“, sagt Eisenhart von Loeper, Vorsitzender im Vorstand der Tierschutzstiftung. Künstlich geschaffene Flächen könnten jedoch kein Ersatz für die freie Nutzung der Natur sein. Eine Verdrängung der Hunde am Schlachtensee könnte zum Beispiel nicht dadurch relativiert oder schöngeredet werden, indem ein eingezäunter Bereich inmitten von Straßen, Häusern und Plätzen geschaffen würde.

Die Stiftung hat mit der Bürgerinitiative Berliner Schnauzen am 15. November 2015 eine Demonstration geplant. Sie wollen vom Brandenburger Tor zur Kirchstraße in Moabit ziehen und eine Klage gegen das Hundeverbot an den Seen beim Verwaltungsgericht abgeben. Zwei Klagen liegen dort bereits vor.

Andere Bezirke haben längst Parkflächen für Hunde freigegeben. So dürfen die Tiere ohne Leine auf ausgewiesenen Flächen auf dem Tempelhofer Feld und in den Volksparks Hasenheide, Friedrichshain, Humboldthain, Rehberge und Wilmersdorf laufen.