Urteil

Mitte will Körperwelten-Museum umgehend schließen

Nach dem Körperwelten-Urteil will Mittes Bezirksbürgermeister nun schnell handeln. Doch die Schließung könnte sich noch hinziehen.

Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts soll das Menschen Museum am Alexanderplatz geschlossen werden

Nach einem Urteil des Oberverwaltungsgerichts soll das Menschen Museum am Alexanderplatz geschlossen werden

Foto: dpa Picture-Alliance / Klaus-Dietmar Gabbert / picture alliance / dpa

Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts will Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) das Körperwelten-Museum am Fernsehturm so schnell wie möglich schließen lassen. „Wir werden in der nächsten Woche prüfen, wie wir vorgehen“, sagt Hanke. Er sei froh, „dass die voyeuristische Kommerzialisierung des Todes unter dem Deckmantel einer Populärwissenschaftlichkeit mit dem Ziel der Gewinnmaximierung hoffentlich nun auch juristisch unterbunden werden kann“.

Das Oberverwaltungsgericht (OVG) hatte am Donnerstag entschieden, dass die Plastinate von Gunther von Hagens als Leichen eingestuft werden und deshalb unter das Bestattungsgesetz fallen. Aus diesem Grund dürfen sie nicht ausgestellt werden. Das Gericht revidierte damit das Urteil aus erster Instanz. Der Bezirk hatte vor einem Jahr gegen die Körperwelten-Ausstellung mit Verweis auf das Bestattungsgesetz geklagt. Die Klage war vom Verwaltungsgericht mit der Begründung abgewiesen worden, Plastinate seien anatomische Präparate, die seit jeher öffentlich gezeigt werden.

Wie schnell das Museum geschlossen werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zunächst müsse die Urteilsbegründung zugestellt werden, so Ulrich Marenbach, Sprecher beim OVG. Im Anschluss gebe es eine Frist von einem Monat, in der gegen das Urteil vorgegangen werden kann. Da das Gericht keine Revision zugelassen hat, können die Kuratoren der Ausstellung Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig einlegen. Auch diese müsste erst noch geprüft werden.

Mindestens bis Jahresende

„Die Ausstellung bleibt mindestens noch bis Jahresende und wahrscheinlich auch noch darüber hinaus geöffnet“, sagt Marenbach. Kuratorin Angelina Whalley rechnet damit, dass das weitere juristische Procedere noch mindestens ein Jahr dauert. Sie wird zunächst die Urteilsbegründung abwarten. „Wir wollen natürlich, dass das Museum bestehen bleibt“, sagt Whalley.

Am Tag nach der Urteilsverkündung äußert sich der Bischof der evangelischen Landeskirche zufrieden über die Entscheidung. „Wir sind froh, dass das Gericht der Argumentation des Bezirks gefolgt ist, die auch die Evangelische Kirche seit Jahren vertritt“, sagt Markus Dröge. Die Würde eines Menschen gehe über den Tod hinaus. Eine Leiche sei keine Sache, die für kommerzielle Zwecke vermarktet werden könne. Auch Cornelia Seibeld, kirchenpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion begrüßt das Urteil. Sie freue sich, dass das Gericht die Menschenwürde höher bewerte als die Sensationslust, sagt sie. Die Körperwelten-Ausstellung sei weder Kunst noch Wissenschaft.

Körperspender entsetzt

Der Berliner Holm Gärtner hat sich am Institut für Plastination in Heidelberg bereits als Körperspender registrieren lassen und ist „entsetzt“ über das Urteil. „Ich möchte selbst entscheiden können, was mit meinem Körper nach dem Tod passiert“, sagt der ehemalige Schauspieler. Er habe seinen plastinierten Körper schon im Menschen-Museum am Fernsehturm gesehen. „Langsam fühle ich mich in meiner geplanten Totenruhe am Alexanderplatz gestört“, sagt Gärtner. Er kann sich nicht vorstellen, dass die Ausstellung geschlossen wird. Vielmehr sieht er das Bestattungswesen infrage gestellt.