Gunther von Hagens

Körperwelten vor dem Aus: "Jede Tagesschau ist brutaler"

Ein Gericht hat das "Menschen Museum" in Berlin verboten. Darf man plastinierte Leichen ausstellen? So läuft die Diskussion im Netz.

Das „Menschen Museum“ am Berliner Fernsehturm sollte das Lebenswerk Gunther von Hagens' werden. Zahlreichen Kritikern zum Trotz entschied die Justiz stets zugunsten des Leichen-Präparators. Bis jetzt. Doch nun droht dem „Menschen Museum“ das Aus. Die Schau mit präparierten Leichen von Körperspendern benötige eine Genehmigung, entschied das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg.

Nach Auffassung des Gerichts gelten für die Ausstellungsstücke die Vorschriften des Berliner Bestattungsgesetzes. Demnach fallen diese „auch nach ihrer Herstellung unter den Begriff der Leiche“. Die Richter entschieden damit in diesem Punkt grundlegend anders als ihre Kollegen in vorherigen Prozessen.

Nach Auffassung der OVG-Richter handelt es sich bei dem Museum nicht um ein wissenschaftliches Institut, wo vergleichbare Objekte ausgestellt werden dürfen. Darum benötigt von Hagens nun eine Genehmigung für seine Schau. Ob er diese bekommt, ist aber fraglich. Einen entsprechenden Antrag, der vorsichtshalber gestellt wurde, hat das Bezirksamt Mitte abgelehnt.

Berlins Bezirk Mitte versucht seit rund einem Jahr vehement, das Museum zu stoppen. Vor Gericht unterlag der Bezirk bisher aber mehrfach, so dass das Museum im Februar eröffnen konnte. Seitdem haben rund 160.000 Menschen die Schau im Gebäude des Fernsehturms am Alexanderplatz besucht, wie eine Sprecherin sagte. Nach ihren Angaben hat das nicht rechtskräftige Urteil zunächst keine Konsequenzen für den Ausstellungsbetrieb. Über die aktuelle Entscheidung sei man enttäuscht, sagte sie. Weitere Schritte würden nun geprüft.

Auf Facebook sorgte das Urteil des Gerichts für kontroverse Diskussionen. Viele Morgenpost-Leser sehen das Urteil kritisch.

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Soll das "Menschenmuseum" weiter geöffnet bleiben? Und so kommentieren unsere Facebook-User das Urteil. Eine Auswahl:

Mika K.: "Hui, Welt-Entscheidung! Danke, Gericht. Endlich brauche ich nicht mehr selbst zu entscheiden, ob ich mir das anschauen will."

Evi W.: "Verstehe die ganze Aufregung nicht! Nur wer freiwillig will, stimmt der Sache vor dem Tod zu. Da sind Bestattungsinstitute wesentlich profitgieriger! Und in der Ausstellung fand ich sehr interessant zu sehen, wie der Mensch von innen aussieht und funktioniert."

Anette P.: "Das hätte ich in Berlin nicht erwartet. Das ist alles so ästhetisch und man kann soviel lernen.Und toll, dass andere entscheiden, was man sehen darf! Die Aktion bringt Berlin für mich das erste Mal in Misskredit."

Ronny B.: "Schwachsinn, jede Tagesschau ist brutaler. Armes Deutschland. Die Gerichte sollten sich um Wichtigeres kümmern."

Silvia G.: "Solange niemand gezwungen wird, die Exponate zu betrachten fällt diese Handlung unter die Rubrik kleinbürgerliche Intoleranz!"

Carola D.: "Immer wieder nett, wie Vater Staat weiß, was gut oder schlecht für seine Bürger ist. Danke, ich kann selbst auf mich aufpassen. "Berliner Bestattungsgesetz" - einfach nur lächerlich."

Ulli B.: "Gunther von Hagens hatte damals in seiner Körperweltenausstellung und auch in seinem Plastinarium in Guben einige sehr provozierende Präparate. Mich hat es manchmal auch genervt, dass er seine wirklich guten und sehenswerten und lehrreichen Präparate teilweise so in Szene gesetzt hat, dass auf einmal "zwei Menschen sich um das zwischen ihnen liegende Organpaket streiten". Was sollte das, die damalige Sensationsgeilheit nervte mich auch, aber dennoch waren seine Präparate und was man sehen konnte unbestritten großartig. Im Menschen Museum am Alex fehlt diese Sensation aber völlig. Wirklich alles ist wissenschaftlich aufbereitet und wird gut erklärt. Selbst Aspekte wie Stress und Ernährung werden behandelt. Nichts ist mehr vom damaligen sinnlosen In-Szene-Setzen übrig und deshalb finde ich dieses Urteil nun vollig unberechtigt. Damit hätten sie damals argumentieren können aber jetzt trifft es nicht mehr zu."

Peter F.: "Gott sei Dank. Es gibt gläserne Menschen zu medizinischen Studien, bei denen man jede Einzelheit im Inneren des Menschen sehen kann, dazu braucht man keine imprägnierte Leichen zur Schau zu stellen."

Carsten M.: "Absolute Top-Entscheidung. Diese Ausstellung gehört landesweit verboten!"

Simone F.: "Yeah, nichts gegen Medizin und Forschung, doch wer Anatomie studieren möchte, kann auch Vorlesungen besuchen."

Ralf S.: "SUPER! Gehört da nicht hin. Friedhöfe sind woanders - gerne auch neu - aber nicht auf dem Alex!"

Helene K.: "... und das ist auch gut so! Leichenschau unterm Fernsehturm... Schauerlicher Gedanke!!! Dafür gibt es ja ein Museum in der Chariteé."

Martin M.: "Endlich ist die Leichenfledderei verboten."

Cornelia C.: "Super, das wurde auch Zeit."

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