Bildung

Berlins Universitäten bilden zu wenig Grundschullehrer aus

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Florentine Anders
Studenten im Hörsaal

Studenten im Hörsaal

Foto: Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Berliner Hochschulen weisen Tausende Bewerber für das Grundschullehramt ab. Der Senat fordert mehr Studienplätze.

Berlin.  Obwohl Grundschullehrer in Berlin dringend gesucht werden, haben die Berliner Universitäten zum Wintersemester 2015/16 insgesamt 3000 Bewerber für das Grundschullehramt abgelehnt. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der hochschulpolitischen Sprecherin der Grünen, Anja Schillhaneck, hervor. Demnach wurden die Interessenten weggeschickt, weil es nicht genügend Studienplätze gab.

Nur 282 Studienplätze für Grundschulen gab es zum Wintersemester an der Freien Universität und an der Humboldt-Universität. Demgegenüber standen 1241 Studienplätze für das Lehramt an Sekundarschulen und Gymnasien. „Die Situation ist dramatischer, als wir vermutet hatten“, sagte Schillhaneck.

Viele Schulen sind auf Quereinsteiger angewiesen

Allein in diesem Schuljahr wurden in Berlin 300 Quereinsteiger eingestellt, die meisten davon an Grundschulen. Zwar sind die Hochschulen verpflichtet, mehr als 1000 Lehrer auszubilden, in den Hochschulverträgen ist aber nicht festgehalten, für welche Schulart das gilt. „Die Zahlen der Studienplätze für angehende Grundschullehrer reichen aus unserer Sicht nicht aus“, sagte Steffen Krach (SPD), Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Bildung, der Berliner Morgenpost.

Es müsse darüber nachgedacht werden, ob in den Hochschulverträgen künftig nicht nur die Gesamtzahl der Lehramtsabsolventen festgelegt wird, sondern auch die Schularten, so Krach. Doch auch schon vor Abschluss der neuen Hochschulverträge, die erst ab 2018 gelten, müsse kurzfristig reagiert werden. Dafür müssten den Hochschulen die nötigen finanziellen Mittel bereitgestellt werden, sagte Krach.

Größter Einstellungsbedarf bei Grundschulen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert die viel zu geringe Zahl für Grundschullehrkräfte im Vergleich zu den Plätzen für Integrierte Sekundarschulen und Gymnasien. „Die Berliner Grundschulen haben auf absehbare Zeit den größten Einstellungsbedarf“, sagte der GEW-Vorsitzende Tom Erdmann. Die Zahlen der Bewerber würden zeigen, dass der Mangel an Grundschulen nicht am fehlenden Interesse liege.

Die Humboldt-Universität verweist darauf, dass zum Wintersemester die Kapazität der Bachelor-Studienplätze für angehende Grundschullehrer bereits verdoppelt worden sei. „Angesichts der Nöte in den Schulen hoffen wir, möglichst bald in der Lage zu sein, die Zahl der Plätze erneut drastisch zu steigern. Dazu bedarf es aber in der Tat der Unterstützung durch die Senatsverwaltung“, sagte Michael Kämper-van den Boogaart, Vizepräsident der Humboldt-Universität, der Berliner Morgenpost.