Lehrermangel Berlin

Lehrermangel in Berlin - Pro Woche fehlen 2000 Stunden

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Regina Köhler
Berlin fehlt es an Lehreren - Dadurch fallen 2000 Stunden wöchentlich aus

Berlin fehlt es an Lehreren - Dadurch fallen 2000 Stunden wöchentlich aus

Foto: Marijan Murat / dpa

Noch immer sind Lehrerstellen an Berliner Schulen unbesetzt. Tausende Unterrichtsstunden fallen dadurch pro Woche aus.

Berlin.  Kurz vor dem Beginn der Herbstferien sind an den Berliner Schulen noch immer nicht alle Lehrerstellen besetzt. Florian Bublys vom Verein „Bildet Berlin“, dem Lehrer, Schüler und Eltern angehören, sagte der Berliner Morgenpost, dass noch 70 Lehrer fehlen. „Wenn man davon ausgeht, dass ein Lehrer 27 Stunden pro Woche unterrichtet, fallen rund 2000 Unterrichtsstunden pro Woche aus“, so Bublys. Auch Norman Heise, Vorsitzender des Landeselternausschusses, sagte, dass Eltern immer wieder über Unterrichtsausfall klagen.

Beate Stoffers, Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) räumte ein, dass im September die Einstellungsverfahren für rund 50 Stellen noch nicht abgeschlossen waren. Gleichzeitig habe man 95 Lehrer für neue Willkommensklassen einstellen müssen. Bildungssenatorin Scheeres sagte dazu: „Die Einrichtung von immer mehr Klassen für Kinder ohne Deutschkenntnisse ist eine immense Herausforderung für die Berliner Schulen.“ In den vergangenen fünf Wochen hätten weitere 100 solcher Klassen eingerichtet werden müssen.

Flüchtlingskinder an Regelschulen

Seit Schuljahresbeginn Ende August hat sich die Zahl der schulpflichtigen Flüchtlingskinder laut Bildungsverwaltung um 800 erhöht. Gegenwärtig lernen 5727 Kinder und Jugendliche in 535 Willkommensklassen. Sie werden von 493 Lehrern unterrichtet.

Laut Scheeres sind die 3000 Flüchtlingskinder, die 2014 in den Willkommensklassen unterrichtet wurden, inzwischen in die Regelschulen integriert worden. Dennoch sehe sie noch Kapazitäten in den Berliner Schulen, so die Senatorin. Es sei richtig, die Flüchtlingskinder an den regulären Schulen zu unterrichten und nicht abgesondert in den Unterkünften.

Zwar verneinte Scheeres, dass für die vielen Willkommensklassen Lehrkräfte aus dem Regelbetrieb abgezogen worden seien. Aus ihrer Verwaltung heißt es aber dazu, dass der Einsatz in den Willkommensklassen sowohl mit bereits an der Schule vorhandenen Lehrkräften als auch mit neu dafür eingestellten erfolgen könne. Sofern an der Schule geeignete Lehrkräfte mit Kenntnissen in Deutsch als Zweitsprache vorhanden seien, könnten diese in den Willkommensklassen eingesetzt werden.

Scheeres verhandelt derzeit im Senat über zusätzliche Mittel, auch um weitere Schulräume zu errichten: „Ich denke, wir brauchen die Ergänzungsbauten schneller als bisher geplant“, sagte die SPD-Politikerin.

Mangel an Fachkräften

Lothar Semmel von der Vereinigung der Berliner Schulleiter, bestätigte, dass die Bildungsverwaltung sich anstrenge, um die Schulen mit Lehrkräften zu versorgen. So könnten die Schulen das ganze Jahr über Einstellungen vornehmen. Im Hinblick darauf, dass es im kommenden Sommer noch schwerer sein werde, Lehrer zu finden, weil dann auch Länder wie Bayern wieder selbst einstellen würden, sei das ein Fortschritt. Allerdings gebe es derzeit kaum noch verfügbare Fachkräfte.

Bildet Berlin hat bereits 13.000 Unterschriften für ein Volksbegehren gegen Unterrichtsausfall gesammelt. Bis Ende November müssen 20.000 Unterschriften zusammenkommen, damit sich das Abgeordnetenhaus mit dem Thema beschäftigt. Bei dem Volksbegehren geht es um die Forderung nach einer 110 prozentigen Ausstattung der Schulen mit Lehrern.

Die Bildungsexpertin der Grünen, Stefanie Remlinger, kritisierte, dass ausgebildete Grundschullehrer fehlen. „An Grundschulen unterrichten jetzt viele Quereinsteiger und Studienräte, das verschleiert den wahren Bedarf.“ Grundschullehrer müssten auch wie Oberschullehrer bezahlt werden, um den Beruf attraktiver zu machen, forderte sie.