KulturMacher

Aus der Kita auf die Bühne

Kinder aus aller Welt singen Lieder aus aller Welt: Seit 2007 leitet die MusikpädagoginElena Marx den Chor „Wir Kinder vom Kleistpark“.

Proben für das nächste große Konzert in der Urania: Elena Marx und „Wir Kinder vom Kleistpark"

Proben für das nächste große Konzert in der Urania: Elena Marx und „Wir Kinder vom Kleistpark"

Foto: Joerg Krauthoefer

Manchmal passiert so etwas ja einfach. Da wird aus einer kleinen Idee, so am Rande gesagt, fast im Spaß eigentlich, etwa ganz Großes. Elena Marx kennt das. Ihr ist so etwas passiert. Sie lächelt, freut sich immer noch, wenn sie sich daran erinnert, wie aus dem „Nimm doch einfach mal auf, was ihr da macht!“ ihres Freundes, die CDs von „Wir Kinder vom Kleistpark“ wurden, die sich gleich von Anfang an wie geschnitten Brot verkauften.

Anders und weniger plakativ kann man es wirklich nicht sagen. „Die waren ratzfatz weg!“ An diesem Wochenende geben die „Kinder vom Kleistpark“ wieder ihr beliebtes Advents-Konzert in der Urania. Elena Marx ist die Gründerin und Vorsitzende des Vereins und des Ensembles.

In der Aula der Scharmützelsee-Grundschule in Schöneberg ist es voll. Rund 50 oder 60 Kinder, dazu einige Erwachsene, Elena Marx mittendrin. Es ist eine der letzten Proben vor dem großen Konzert, das am 28. und 29. November um 16 Uhr im Humboldtsaal in der Urania stattfindet.

Elena Marx ist freie Mitarbeiterin der Leo Kestenberg Musikschule, gibt aber sowohl in der Kita am Kleistpark als auch in der Scharmützelsee-Grundschule Musikunterricht. Denn die Kita und die Grundschule kooperieren mit der Musikschule. „Ich bin in den ersten bis sechsten Klassen mit dabei – manche Kinder kenne ich so inzwischen seit neun oder zehn Jahren, weil ich sie schon in der Kita musikalisch begleitet habe“, sagt Elena Marx.

Auch Tanzen gehört zum Konzept

Wenn die Kinder die Kita verlassen, geht die Musikerziehung in der Grundschule weiter. „In der Regelmäßigkeit dieser Treffen passierte so viel“, sagt Elena Marx. „Alle Kinder, die ich lange betreut habe, sind sehr bewegungsfreudig.“ Kein Wunder: Ist doch mit Elena Marx Musik und Tanzen in der Kita und der Schule ein fester Teil des Tagesablaufes. In der Kita gibt es einmal wöchentlich ein Musikangebot, dazu einen morgendlicher Musikkreis. In den Klassen eins bis sechs der Grundschule ist Elena Marx beim hausinternen Musikzweig Teil des Unterrichts.

Die Mutter dreier Töchter lebt mit Musik. Die 43-Jährige ist gebürtige Berlinerin, studierte an der damaligen Universität der Künste (UdK) Schulmusik mit den Fächern Klavier, Gesang, Sprecherziehung, Cello und Tanzleitung. 1997 wechselte Elena Marx zur Diplommusikerziehung und schloss ihr Studium im Jahr 2000 in den Fächern Klavier und Elementare Musikerziehung ab. 2006 startete sie noch ein berufsbegleitendes Tanzpädagogikstudium an der Akademie Remscheid und hat seitdem Lehraufträge an der UdK Berlin im Bereich Instrumentalpädagogik.

Manche Kinder kennt sie seit fast zehn Jahren

Das war ungefähr auch die Zeit, in der Elena Marx an die Kita kam. Manche Kinder kennt sie so inzwischen seit fast zehn Jahren. Und versucht ihnen allen das Gleiche mit auf den Weg zu geben: „Es soll Spaß machen!“, sagt Elena Marx. „Natürlich sollen die Kinder bei mir immer auch etwas lernen, aber immer auf eine bewegte Weise und Lernen über Bewegung ist immer besser. Und leichter.“

Natürlich unterscheidet sich die Arbeit, die sie mit den ganz Kleinen macht von der an der Schule. Das bringt das Alter der kleinen Künstler mit sich. Dennoch ist dem pädagogischen Ansatz eines gemein: „Ich mache einen spielerischen Musikunterricht, der trotzdem immer weiß, wohin er führen soll.“

Wohin es führte, als Elena Marx ihre „Kinder vom Kleistpark“ ins Leben rief, dass hatte sie so nicht erwartet. Die Musikerin merkte, wie viel die Kinder lernten, wie groß ihr Spaß war und auch sie war immer mit Feuereifer dabei. Natürlich erzählte sie zu Hause davon, schwärmte vor ihrem Freund von ihrer Arbeit.

Und der, Jens Tröndle, ein Musikproduzent, sagte eines Tages: „Nehmt euch doch einmal auf bei dem, was ihr da macht!“ Elena Marx war skeptisch: „Mein Freund kommt eher aus der Popmusik, ich aus der Klassik...“ Ob das was wird? Gemacht hat Elena Marx es trotzdem. Die erste CD „Wir Kinder vom Kleistpark“ kam in einer Auflage von 500 Stück heraus und erschien im Februar 2007.

Die CDs fanden einen reißenden Absatz

Elena Marx, immer noch skeptisch, obwohl sie ja wusste, wie gut das ist, was sie und die Kinder da machen, ging in Buchläden im Umfeld der Kita und Grundschule. „Ja, wir hören uns die mal an“, hörte sie als Antwort. Sicher auch mit ein wenig Skepsis. Alles unnötig – wie gesagt: Die CDs fanden einen reißenden Absatz. 2008 kam die zweite CD auf den Markt: „Wir Kinder vom Kleistpark machen Musik“ – inzwischen gibt es fünf CDs, alle erschienen beim Label „fünfton“. Auf allen trifft Kinderlied auf Weltmusik, Klassik auf Pop, die Kinder aus aller Herren Länder singen Lieder aus aller Welt.

„Kindern ist vollkommen egal, in welcher Sprache sie singen – sie singen einfach“, sagt Elena Marx. Deswegen ist für sie auch eine der Lehren aus ihrer Arbeit mit den Kindern: „Integration ist hörbar.“ Oder, wie es auf der Homepage der „Kinder vom Kleistpark“ heißt: „Das Zusammenwirken der Kinder und Erwachsenen vieler Nationen macht Mut und zeigt ein weiteres Mal, dass Musik verbindet, sprachliche Vielfalt Spaß macht und bereichert und ein kulturelles Miteinander von frühen Kindesbeinen an stattfinden kann.“

Inzwischen gibt es auch eine feste Band, Profimusiker, die die Kinder musikalisch auf den CDs und bei den Konzerten begleiten. „Anfangs haben das Eltern gemacht, die ein Instrument spielen konnten“, sagt Elena Marx und lächelt, wenn sie sich an die aufregende Anfangszeit erinnert. Und dann kam ja auch das erste Konzert.

2009 im Jugendtheater „Die Weisse Rose“ am Wartburgplatz in Schöneberg. Da gab es 250 Plätze – und natürlich war Elena Marx wieder unsicher: Ob der Saal wohl voll wird? Sie strahlt, als sie erzählt: „Als ich dann zu unserem Konzert etwas früher dorthin kam, da standen da tatsächlich Menschen vor der Tür, die Schilder hielten. Darauf stand: Suche Karten!“.

Auf der Suche nach einem Sponsor für den Verein

Es wurden gleich drei Konzerte hintereinander, die die Kinder vom Kleistpark gaben. Und ab dann gab es immer regelmäßig Konzerte. Ungefähr 50 Kinder singen und tanzen pro Konzert. Bei dem Konzert „Advent, Advent“ jetzt am Wochenende stehen rund 80 Kinder auf der Bühne in der Urania. Es sind die Konzerte, über die sich der Verein trägt. Denn 2014 machte Elena Marx aus dem Projekt „Wir Kinder vom Kleistpark“ einen Verein. „Um dem Ganzen einen Rahmen zu geben“, sagt Elena Marx.

Der Verein trägt sich allein über die Konzerte. Das ist manchmal nicht leicht. Deswegen hat Elena Marx einen Traum: „Ich wünsche mir so sehr einen Sponsor, damit unser Fortbestand gesichert ist. Ich wünsche mir technisches Equipment und die Chance, gut und angemessen bezahlen zu können, damit unsere Musiker auch sagen, sie können den Job bei uns gut und gerne annehmen.“

Wer weiß: Vielleicht hat ja gerade jetzt jemand das Gefühl, dass „Wir Kinder zum Kleistpark“ eine gute Idee ist – Elena Marx macht aus guten, kleinen Ideen schnell etwas Besonderes.