Standesämter

Keine Trauungen mehr am Sonnabend in Berlin-Mitte

Den Berliner Bezirken fehlt es nicht nur in den Bürgerämtern an Personal. Auch wer heiraten will, muss sich rechtzeitig anmelden.

Zum Heiraten gehört bei vielen Paaren auch eine richtige Hochzeitstorte mit Figuren aus Marzipan

Zum Heiraten gehört bei vielen Paaren auch eine richtige Hochzeitstorte mit Figuren aus Marzipan

Foto: Jens Kalaene / dpa

Der Personalmangel in der Berliner Verwaltung macht sich nun auch in den Standesämtern bemerkbar. Berliner, die im kommenden Jahr an einem Sonnabend heiraten wollen – dieser Tag ist für Hochzeiten besonders beliebt – müssen sich sputen. Es gibt längst nicht mehr so viele Termine wie in den Jahren zuvor. In Mitte sind 2016 sogar sämtliche Sonnabend-Termine gestrichen worden.

Personalmangel in Mitte besonders dramatisch

Der zuständige Stadtrat für Bürgerdienste, Stephan Dassel (Grüne), sagte der Berliner Morgenpost, dass sie nicht mehr genug Personal hätten, um dieses Angebot aufrecht zu erhalten. Bisher sind in Mitte an jedem zweiten Sonnabend Trauungen durchgeführt worden. Damit ist es in Zukunft vorbei. Dassel erklärte das so: „Unsere Standesbeamten haben sonnabends fünf Trauungen durchgeführt, das ist ein halber Arbeitstag. Laut Gesetz haben sie dafür in der Woche einen ganzen Tag frei bekommen.“ An einem Wochentag würde ein Standesbeamter aber acht Trauungen machen können.

Angesichts der zunehmenden Trauungen habe man sich deshalb entschieden, die Sonnabendtermine zu streichen. Der Bezirk Mitte habe in den vergangenen Jahren zehn Prozent Personal einsparen müssen. Das mache sich nun an allen Ecken und Enden bemerkbar, so Dassel.

Reinickendorf hat Angebote reduziert

Auch andere Bezirke haben große Personalnot und die Sonnabend-Termine deshalb zwar nicht ganz gestrichen, aber deutlich reduziert. Ein Beispiel ist Reinickendorf. Die Leiterin des dortigen Standesamtes, Ariane Schimansky, sagte der Berliner Morgenpost, dass der Bezirk aus personellen Gründe entschieden habe, 2016 nur noch an sechs Sonnabenden Trauungen anzubieten. Vor nicht allzu langer Zeit waren es noch 20 Sonnabende im Jahr. Von April bis September sei nun jeweils ein Sonnabend im Monat festgelegt worden, so Schimansky. Zu finden sind diese Termine auf der Internetseite des Standesamtes.

Schimansky bedauerte zudem, dass es wegen des Personalmangels gegenwärtig vier Wochen dauern würde, bis Kunden eine Geburtsurkunde oder eine Sterbeurkunde bekämen. „Das sollte innerhalb einer Woche möglich sein“, sagte sie.

Wer heiraten will, muss sich sechs Monate vorher melden

So unterschiedliche die Lage in den Bezirken auch ist, für alle gilt, dass Paare sich den von ihnen gewünschten Hochzeitstermin frühst möglich sechs Monate im Voraus sichern können, da die Anmeldung der Eheschließung nur sechs Monate gilt. Wer also am 9. August 2016 heiraten möchte, der kann sich am 9. Februar dafür beim Standesamt anmelden, keinen Tag früher.

Wann man sich allerdings beim Standesamt melden muss, um den frühst möglichen Anmeldetermin zu bekommen, das wiederum ist in den einzelnen Bezirken sehr verschieden.

In Reinickendorf etwa müssen sich Paare den ersten möglichen Anmeldetermin drei Monate im Voraus sichern, wenn sie an einem Sonnabend heiraten wollen. Das heißt, dass sie auf jeden Fall neun Monate vor dem geplanten Hochzeitstermin beim Standesamt anrufen müssen.

Paare, die im Bezirk wohnen, haben Vorrang

In Tempelhof-Schöneberg sollten sich Heiratswillige sieben Monate vorher beim Standesamt melden, vor allem dann, wenn sie sich an einem Sonnabend das Ja-Wort geben wollen. Der Leiter des Standesamtes, Gordon Holland, sagte der Berliner Morgenpost, dass man im kommenden Jahr 22 Samstage anbieten könne. „An jedem dieser Tage sind 18 Trauungen möglich. Allerdings nur an einem Ort, dem Rathaus Schöneberg.“ Wer sich zuerst melde, habe die größten Chancen, seinen Wunschtermin zu bekommen. Paare, die im Bezirk Tempelhof-Schöneberg wohnen, würden bevorzugt behandelt. Alle anderen kämen auf eine Warteliste, sagte Holland.

Auch in Marzahn-Hellersdorf bleibt der Sonnabend ein Tag zum Heiraten. Laut Sprecher des Bezirksamtes, Frank Petersen, stehen im kommenden Jahr an 17 Sonnabenden insgesamt 130 Termine zur Verfügung. „Wir trauen im Rathaus, in den Gärten der Welt und im Gutshaus Mahlsdorf jeweils acht Paare und in der Bockwindmühle je fünf Paare pro Sonnabend“, sagte Petersen.

Heiratswillige setzen sich schon früh am Morgen vor das Rathaus

Es sei aber mit einem gewissen Ansturm auf die Termine zu rechnen, da diese auch von Heiratswilligen aus anderen Bezirken genutzt werden können. „Die Termine werden daher nur persönlich, also weder telefonisch noch per Mail, und immer nur genau sechs Monate vor dem Termin zu den Öffnungszeiten des Standesamts vergeben.“ Falle dieser Tag auf einen Freitag, Feiertag oder das Wochenende, sei der nächste Öffnungstag der Vergabetag.

Anette Riebow, Leiterin des Standesamtes Marzahn-Hellersdorf, sagtet, dass viele Paare schon Stunden vor der Öffnung des Rathauses kämen, um ihren Wunschtermin zu ergattern.

Charlottenburg-Wilmersdorf ist Spitzenreiter

Am besten sieht es noch in Charlottenburg-Wilmersdorf aus. Die Leiterin des dortigen Standesamtes, Sylvia Brenke, sagte der Berliner Morgenpost: „Für 2016 haben wir uns aufgrund der großen Nachfrage wieder für eine Öffnung an 33 Samstagen geeinigt, verteilt auf unsere beiden Standorte (Villa Kogge, Rathaus Schmargendorf).“ Es würden dann je nach Standort pro Samstag acht bzw. zehn Eheschließungen stattfinden können.

In Steglitz-Zehlendorf sind für 2016 immerhin zwölf Sonnabend-Termine vorgesehen, einer in jedem Monat. Uwe Wöhlert, er ist Leiter des Standesamtes, sagte, dass die Termine nur telefonisch vergeben werden. „An jedem der zwölf Sonnabende werden wir jeweils zwölf Trauungen durchführen.“

So sieht es in weiteren Bezirken aus

Pankow: Wie auf der Website des Standesamtes veröffentlicht, finden 2016 an 13 Terminen (fünfmal in Pankow, viermal in Prenzlauer Berg, viermal in Weißensee) Trauungen statt. Die Anmeldung erfolgt wie ausgewiesen sechs Monate vorher. Eine Warteliste gibt es nicht, wer zuerst kommt hat Glück. Pro Sonnabend finden etwa fünf bis sechs Trauungen statt.

Neukölln: Im kommenden Jahr bietet das Standesamt des Bezirks 13 Sonnabende für Trauungen an. Neun davon in den Räumen an der Blaschkowallee und vier in der Britzer Mühle.