Digitalisierung

IHK Berlin will Firmen für digitale Herausforderung rüsten

Ein Viertel der Unternehmen erwirtschaftet einen Großteil des Umsatzes digital. Ein gleich großer Teil hat davor Angst.

In 20 bis 25 Prozent der Untenehmen wird die Digitalisierung als Bedrohung wahrgenommen

In 20 bis 25 Prozent der Untenehmen wird die Digitalisierung als Bedrohung wahrgenommen

Foto: Connie Zhou / picture alliance / AP Photo

Eine Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin diagnostiziert für die Berliner Wirtschaft erheblichen Nachholbedarf bei der Digitalisierung. Fast jedes fünfte größere Unternehmen bezeichnete seine Unternehmenskultur als eher oder deutlich innovationshemmend. IHK-Geschäftsführer Jan Pörksen, der in der Kammer für Existenzgründungen und Unternehmensförderungen zuständig ist, sieht „Risiken für den Wirtschaftsstandort“, wenn es nicht gelingt, die Offline-Firmen für das digitale Zeitalter fit zu machen.

Berlin beim Breitband auf Platz 48

Eine weitere Herausforderung sei, für die nötige Netz-Infrastruktur zu sorgen, so die IHK. Dem aktuellen Breitbandatlas des Bundes zufolge kommt Berlin bei der Netzinfrastruktur deutschlandweit auf Platz 48 von 407 Städten beziehungsweise Landkreisen. Zahlreiche Kreise sind besser als die Hauptstadt ausgestattet. Gesprüft wurde die Versorgung mit allen Technologien. „Ausschlaggebend war hier die Versorgung mit 50Mbit-Technologie“, sagt Projektleiter Dirk Andritzki vom TÜV Rheinland, der die Studie im Auftrag des Verkehrsministeriums geleitet hat. Die IHK kritisierte im Besonderen die niedrige Internet-Bandbreite in der Berliner U-Bahn.

Die IHK versteht ihre Studie als Auftakt einer jährlichen Bestandsaufnahme, „wie die Berliner Wirtschaft in den unterschiedlichen Branchen für die Herausforderungen der Digitalisierung vorbereitet ist und welche Handlungsempfehlungen sich daraus für die Unternehmen und die Politik ableiten“, wie Pörksen im Vorwort schreibt. Somit könnte das Papier auch in dem vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller initiierten Ausschuss Digitale Wirtschaft Thema werden, wo die IHK mit ihrer stellvertretenden Hauptgeschäftsführerin Melanie Bähr vertreten ist.

41 Prozent der Firmen digital entwckelt

41 Prozent der Berliner Unternehmen schätzen ihren Digitalisierungsgrad als weit oder voll entwickelt ein. Bundesweit sind es nur 27 Prozent. Dieser Wert wird in der Industrie am niedrigsten bewertet (26 Prozent), in Dienstleistungsbranchen mit 43 Prozent und in der Digitalwirtschaft mit 69 Prozent am höchsten.

Fast ein Viertel der Berliner Unternehmen erwirtschaftet schon heute mehr als 50 Prozent ihrer Umsätze über digitale Kanäle. Jedoch verfügen auch 25 Prozent der Firmen über keine digitalen Vertriebskanäle wie Webseiten oder Apps und bei 41 Prozent macht der Digitalumsatz weniger als ein Viertel des Gesamtumsatzes aus. Vor allem kleine Unternehmen nutzen das Netz: 29 Prozent der erzielen über 50 Prozent ihrer Umsätze digital. Bei den größeren Firmen sind es nur neun Prozent.

Digitalisierung als Bedrohung wahrgenommen

Neben den vielen digitalen Vorreitern gibt es in Berlin aber auch Unternehmen, für die die Digitalisierung – sowohl im Marketing als auch im Vertrieb – eher Bedrohungen als Chancen mit sich bringt. 20 bis 25 Prozent (je nach Branche) der Berliner Unternehmen fühlen sich schlecht oder sogar sehr schlecht darauf vorbereitet, die Chancen der Digitalisierung für sich zu nutzen.

Auch bei der Kommunikation mit Kunden gewinnt die Digitalisierung an Bedeutung: Jedes zweite Unternehmen kommuniziert mit seinen Kunden vorwiegend über digitale Kanäle. 17 Prozent der Firmen nutzen das wenig oder gar nicht. 70 Prozent rechnen mit einer Zunahme der Kundeninteraktion über mobile Kanäle.

IHK will Austausch mit Gründern fördern

Die Chancen der Digitalisierung werden branchenabhängig gewertet: Die niedrigsten Werte erreicht hier die Gesundheitswirtschaft. Das gilt sowohl für die Frage nach besseren Möglichkeiten der Kundeninteraktion als auch nach der Individualisierung der Angebote. Die IHK liegt interpretiert das mit Anforderungen des Datenschutzes.

„Auch eher traditionelle Unternehmen und Wirtschaftszweige können erheblich von der Digitalisierung profitieren“, betonte Jan Pörksen. „Ein Austausch mit digitalen Start-ups – auch über Branchengrenzen hinweg – kann helfen, neue Perspektiven und digitale Möglichkeiten für das eigene Geschäft zu erkennen.“

An der Studie haben 280 Berliner Unternehmen teilgenommen. Befragt wurden vor allem die Geschäftsführer von Unternehmen mit Hauptsitz in Berlin. Die IHK hatte 5000 der mehr als 70.000 im Handelsregister eingetragenen Firmen zur Teilnahme aufgefordert.