Fall Mohamed

Zustände am Lageso - Henkel wehrt sich gegen Kritik

Nach der Ermordung von Mohamed haben die Grünen Kritik an den Zuständen am Berliner Lagesao geäußert. Innensenator Henkel wehrt sich.

Berlins Innensenator Frank Henkel kritisiert die Äußerung der Grünen-Vorsitzenden Jarasch

Berlins Innensenator Frank Henkel kritisiert die Äußerung der Grünen-Vorsitzenden Jarasch

Foto: Britta Pedersen / dpa

Die Nachricht vom Tod des vermissten Flüchtlingsjungen Mohamed hat sich am Donnerstag auf dem Lageso-Gelände an der Turmstraße blitzschnell verbreitet. Bereits am Nachmittag legten Trauernde dort Blumen nieder, um ihre Anteilnahme auszudrücken. Die Initiative „Moabit hilft“, die die Asylbewerber seit Wochen unterstützt, organisierte am frühen Abend eine Mahnwache auf dem Lageso-Gelände. Bis zu 100 Menschen versammelten sich dort zu einer Trauer- und Mahnwache. Sie zündeten Kerzen an oder legten Blumen und Stofftiere ab.

Auch Berliner Politiker zeigten sich angesichts des Tods von Mohamed tief erschüttert. In einer ersten Reaktion teilte die Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) mit: „Der Tod des kleinen Mohamed ist unfassbar. Die Tat ist so unvorstellbar grausam und menschenverachtend. Die Familie ist vor dem Bürgerkrieg geflüchtet, um in Deutschland Schutz zu finden – nun ist ihr Kind hier in Berlin getötet worden.“

Die Berliner Grünen-Vorsitzende Bettina Jarasch sagte: „Wir sind erschüttert über den Tod des kleinen Mohamed und in Gedanken bei seiner Familie. Eine Familie, die nach Deutschland geflohen ist, um hier bessere Perspektiven für ihre Kinder zu haben – und dann wird eins von ihnen ermordet.“ Sie treibe die Sorge um, „dass es die chaotischen Zustände am Lageso waren, die dem Täter eine Entführung so leicht gemacht haben“.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) warnte hingegen davor, das Verbrechen an Mohamed politisch zu instrumentalisieren. Er kritisierte Jaraschs Äußerung, wonach die chaotische Flüchtlingspolitik in Berlin die "eiskalte Tat" begünstigt habe. "Solche entsetzlichen Verbrechen können auch in anderen Kontexten passieren", sagte Henkel. Er mahnte vor zu schnellen Urteilen in laufenden Ermittlungsverfahren. "Vielleicht wartet man die einfach mal ab, bevor man sich zu Wort meldet. Sonst gerät man in Gefahr, Thesen aufzustellen, für die man sich möglicherweise später schämen muss“, so Henkel.

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Christian Hanke (SPD) rief nach dem Tod Mohameds zu noch mehr Wachsamkeit auf. Das unübersichtliche große Gelände am Lageso mit vielen Menschen habe die Entführung erleichtert, sagte Hanke am Freitag im Inforadio des RBB. Er warnte aber davor, das Geschehen zu instrumentalisieren: „Das kann leider überall passieren.“ Die Situation am Lageso sei seitdem viel besser geworden. Es gebe jetzt auch eine Betreuung für besonders Schutzbedürftige wie Frauen, Schwangere oder Familien mit Kindern.