Toter Flüchtlingsjunge

Mohamed getötet - Silvio S. vertraute sich seiner Mutter an

Der mutmaßliche Mörder des Flüchtlingsjungen Mohamed hat die Tat seiner Mutter in Brandenburg gestanden. Sie verständigte die Polizei.

In Kaltenborn wird das Auto abtransportiert, in dem das tote Kind gefunden wurde

In Kaltenborn wird das Auto abtransportiert, in dem das tote Kind gefunden wurde

Foto: Foto: ABIX / ABIX

Nach dem Tod des in Berlin-Moabit entführten vierjährigem Flüchtlingsjungen Mohamed wartet die Berliner Polizei am Freitag auf die Ergebnisse der Obduktion. Sie soll Aufschluss geben, wie und wann der Junge ums Leben gekommen ist. Auch zum Motiv des 32 Jahre alten mutmaßlichen Täters Silvio S. gibt es bisher noch keine Angaben der Behörden. Die Ermittler beschreiben Silvio S. als bislang "polizeilich unauffällig". Sie gehen sie davon aus, dass es sich bei ihm um einen Einzeltäter handelt. >>> Mehr lesen Sie hier.

Silvio S. war am Donnerstagvormittag nach seiner Festnahme im brandenburgischen Kaltenborn zunächst nach Potsdam gebracht und befragt worden. Erst Freitag früh gegen 7 Uhr wurde er nach Berlin in das Gebäude des Landeskriminalamtes an der Keithstraße in Schönberg überführt. Dort wird er nun vernommen. Kurz nach seiner Festnahme hatte Silvio S. gestanden, den aus Bosnien-Herzegowina stammenden Mohamed getötet zu haben. Doch nun soll er die Tat plötzlich leugen. Das erfuhr die Berliner Morgenpost aus Ermittlerkreisen. Silvio S. soll am Freitag einem Haftrichter vorgeführt werden.

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Vier Wochen lang hatte die Berliner Polizei nach Mohamed gesucht. Er war an der Hand eines bis dahin Unbekannten vom überfüllten Gelände des Landeamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin-Moabit verschwunden. Als die Nachricht von der Festnahme des mutmaßlichen Entführers und der Fund einer Kinderleiche bekannt wurde, war klar: Alle Hoffnung war umsonst. Der mit großem polizeilichen Aufwand von Mordkommission, Vermisstenstelle und einer eigens eingerichteten Sonderkommission gesuchte Junge ist einem Verbrechen zum Opfer gefallen.

Mutter von Silvio S. meldete sich bei der Polizei

Am Mittag hatte sich die Mutter von Silvio S. bei der Berliner Polizei gemeldet. Sie hatte ihren Sohn auf den vor zwei Tagen veröffentlichten Videoaufnahmen erkannt und ihren Sohn laut Polizei zunächst mit ihrem Verdacht konfrontiert. Daraufhin hatte ihr Silvio S. die Tat gestanden. Er hatte dann zunächst das Haus verlassen und war dann mit dem Auto, in dem sich die Leiche des Kindes befand, zurückgekehrt. Im Haus seiner Mutter wurde Silvio S. dann von der Polizei festgenommen.

In der kleinen Ortschaft Kaltenborn, die zur Gemeinde Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) gehört, leben gerade einmal knapp 200 Einwohner. Der ehemalige Bauernhof mit einem Nebengelass, wo das Auto mit dem Leichnam des vermissten Kindes entdeckt wurde, befindet sich am Rande des Dorfes. Der weiße Dacia Lodgy, in dessen Kofferraum das tote Kind von der Polizei aufgefunden wurde, stand noch Stunden später zwischen der Straße und dem Klinkergebäude. Am frühen Nachmittag wurde der Familienvan schließlich auf einen Transporter der Polizei geladen und nach Berlin gefahren. Im Inneren befand sich immer noch die Leiche des Kindes - um keine Spuren zu zerstören.

In einer „klinisch reinen“ Halle sollte das Fahrzeug dann von Kriminaltechnikern akribisch untersucht werden. So werde nach Angaben von Ermittlern sichergestellt, dass keine noch so geringe Spur zerstört werde. Dieser Umstand hat auch zur Folge, dass der Leichnam des Jungen wahrscheinlich erst im Laufe der Nacht zu Freitag eingehend von Gerichtsmedizinern untersucht werden kann.

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Tatmotiv unklar - Bürgermeister ruft zu Wachsamkeit auf

Todesursache und Tatmotiv sind noch unklar. Silvio S. soll in Berlin weder eine Wohnanschrift, noch eine Arbeit gehabt haben, sondern lebte im Haus seiner Mutter rund 90 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Er habe jedoch mehrere weitere Räume genutzt - wo, ist allerdings noch unklar. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hatte Silvio S. eine Lehre als Koch abgebrochen und soll zuletzt als Wachmann gearbeitet haben.

Oberstaatsanwalt Michael von Hagen sagte, dass das äußere Erscheinungsbild des Jungen darauf hindeute, dass der Tod schon länger zurückliege. Das tote Kind soll in einer Wanne gelegen haben, die mit Katzenstreu und einer Decke bedeckt war. Über Stunden waren Kriminaltechniker mit der Untersuchung des gesamten Gehöfts samt Garten, Nebengebäude und den Räumen innerhalb des Bauernhofes beschäftigt. Allein die Auswertung der dort gesicherten Spuren dürfte mehrere Tage beanspruchen.

Fahndung verstärkt

Während der seit dem 5. Oktober verstärkten Suche nach Mohamed mussten auch Spuren abgeklärt werden, die schließlich ins Leere führten. Etwa die Information, der vierjährige Junge könne sich bei entfernten Verwandten außerhalb Berlins aufhalten. Dabei hatte die hessische Stadt Gießen eine Rolle gespielt. Zudem führte der Vermisstenfall auch zu zahlreichen Spekulationen. So machten beispielsweise auch Gerüchte die Runde, wonach die Entführung des Jungen nur vorgetäuscht worden sein könnte, um eine drohende Abschiebung der aus Bosnien-Herzegowina geflüchteten Familie zu verhindern.

Erst vor zwei Tagen hatte die Berliner Polizei im Zuge der Fahndung neue hochauflösende Fotos und ein Video von dem gesuchten Entführer des Jungen veröffentlicht. Sie stammten aus einer Überwachungskamera vor einer Gaststätte an der Stromstraße, Ecke Bugenhagenstraße. Die Aufnahmen waren bereits Anfang Oktober entstanden. Erst am 20. Oktober, also Dienstag vergangener Woche, hatte ein Polizeibeamter bei dem Inhaber nach Aufnahmen aus der Überwachungskamera gefragt. Glück­licherweise waren die Bilder noch auf dem Server und nicht gelöscht worden. Das Bistro befindet sich nur etwa 800 Meter vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) an der Turmstraße entfernt, wo der Junge am 1. Oktober verschwunden war. Ebenfalls am Dienstag waren in der Umgebung der Stromstraße Dutzende Beamte von Haus zu Haus gegangen, hatten Anwohner und Passanten befragt und Abzüge der Fotos verteilt.

Mit mim/hhn