Flüchtlingsjunge

Entsetzen nach Mord an Mohamed

Der entführte Mohamed wird tot im Kofferraum eines Autos entdeckt. Ein Brandenburger gesteht die Tat. Seine Motive sind unklar.

Mahnwache für Mohamed, vor dem Lageso

Mahnwache für Mohamed, vor dem Lageso

Foto: Reto Klar

Berlin.  Der Vermisstenfall Mohamed hat ein tragisches Ende gefunden. Fast einen Monat nach dem Verschwinden des Kindes hat der 32 Jahre alte Silvio Sch. gestanden, den Flüchtlingsjungen getötet zu haben. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Zuvor hatten die Ermittler den Mann südlich von Berlin nahe Jüterbog (Teltow-Fläming) gefasst und die Kinderleiche im Wagen des Verdächtigen gefunden. Das Erscheinungsbild der Leiche deute darauf hin, dass der Tod schon etwas zurückliege, sagte Oberstaatsanwalt Michael von Hagen. Der Körper sei in eine Wanne gelegt worden und in Katzenstreu eingebettet gewesen. Die Obduktion laufe noch, so von Hagen weiter. Nach den Angaben des Tatverdächtigen geht die Polizei aber davon aus, dass es sich bei dem Kind um den Jungen handelt. Unter welchen Umständen der Junge ums Leben kam, blieb zunächst unklar.

Videobilder eines Geschäfts in der Nähe der Sammelstelle für Flüchtlinge in Moabit brachten der Polizei die entscheidende Spur. Den konkreten Hinweis auf den mutmaßlichen Kindsmörder habe die Polizei schließlich von der Mutter des Beschuldigten erhalten. Sie habe sich am Donnerstagvormittag bei der Polizei gemeldet und berichtet, dass ihr Sohn ihr die Tat gestanden habe, sagte der Leiter der Sonderkommission, Winfrid Wenzel. Die Mutter hatte zuerst am Dienstag die neuen Fahndungsfotos gesehen, dann das Gespräch mit ihrem Sohn gesucht und sich anschließend beim Bürgertelefon der Polizei gemeldet. Noch während Brandenburger Polizeibeamte am Donnerstagmorgen die Mutter vernommen haben, sei der Sohn mit einem weißen Dacia vorgefahren und habe erklärt, dass er den Leichnam im Kofferraum habe.

Der 32-Jährige lebt mit seiner Mutter in der brandenburgischen Gemeinde Niedergörsdorf (Teltow-Fläming). Zu den Motiven des Tatverdächtigen machte die Behörden gestern wie auch zu dessen Beruf keine Angaben. „Der 32-Jährige hat sich nach der Festnahme durch die Polizei an seinem Wohnort ruhig, gefasst und kooperativ verhalten“, so Oberstaatsanwalt von Hagen. Der mutmaßliche Täter sei bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten, hieß es weiter.

Kriminaloberrat Winfrid Wenzel, Leiter der Soko, sagte: „Wir haben keine Erkenntnisse darüber, dass er einen Berlinbezug haben könnte. Es gibt keine Meldeanschrift, kein in Berlin angemeldetes Fahrzeug und er ist auch beruflich dort nicht unterwegs gewesen.“ Allerdings schränkte Wenzel ein, dass er über eine gewisse Ortskenntnis am Lageso verfügt haben muss. Es gebe keinerlei Anzeichen für einen pädosexuellen Hintergrund. Auch Verbindungen in die rechtsextreme Szene seien den Ermittlungsbehörden nicht bekannt. Die Polizei geht zudem davon aus, dass der Mann allein gehandelt hat. Zu den andauernden Ermittlungen sagte Michael von Hagen, dass es neben der Meldeadresse des Beschuldigten noch weitere Räume geben soll, die er für Hobbys genutzt hat. Wo, ist derzeit unklar.

Winfrid Wenzel stellte klar, dass es keine Ermittlungen gegen die Familie des toten Jungen gegeben habe und auch keinen Verdacht gegen sie. Rückblickend auf die Fahndung erklärte Polizeisprecher Stefan Redlich, dass die Mutter zu Beginn widersprüchliche Angaben gemacht hatte. Unter anderem, dass sie vor Haus A gewesen sei. Dort gab es aber keine Kameras. Erst am 6. Oktober habe die Frau Angaben gemacht, die dann zu Videoaufnahmen auf dem Lageso-Gelände führten.

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Der vierjährige Mohamed war am 1. Oktober mit seiner Mutter und Geschwistern an der Sammelstelle für Flüchtlinge in Moabit gewesen, als er verschwand. Seine Mutter hatte ihn auf dem unübersichtlichen Gelände an der Turmstraße aus den Augen verloren. Danach hatte die aus Bosnien-Herzegowina stammende Familie den Jungen zuerst auf eigene Faust gesucht, bevor sie die Polizei einschaltete. Die Familie lebt schon seit einiger Zeit in Deutschland. Gut eine Woche nach dem Verschwinden hatte die Polizei erstmalig Fotos gezeigt, die den 32-Jährigen auf dem Areal der Erstaufnahmestelle mit einem Stoffteddy in der Hand und daneben den kleinen Mohamed zeigen.

Die Ermittlungen ergaben, dass der Mann bereits seit dem Spätsommer mehrfach verschiedenen Zeugen dort an der Turmstraße aufgefallen war. Die daraus resultierende Schlussfolgerung, dass der Gesuchte auch in Moabit leben könnte, bestätigte sich jedoch nicht. Kriminaloberrat Wenzel sprach in dem Zusammenhang auch den noch ungeklärten Vermisstenfall „Elias“ aus Potsdam an: „Wir hatten immer einen engen Kontakt und eine gute Zusammenarbeit mit der ,Soko Schlaatz’. Und die Festnahme heute bringe allein aufgrund der räumlichen Nähe zu Potsdam „neue Perspektiven“ für den Fall Elias, sagte er weiter.