Zuwachs im Zoo

Berlin bekommt zwei neue Pandabären

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Annette Kuhn
Andreas Knieriem zeigt schon mal, wo die angekündigten Pandabären im Zoo leben sollen

Andreas Knieriem zeigt schon mal, wo die angekündigten Pandabären im Zoo leben sollen

Foto: Olaf Wagner

Pandas gibt es in Berlin nur noch ausgestopft. Das soll sich bald ändern. Die Bundeskanzlerin überrascht dazu mit Neuigkeiten.

Prominenter geht es fast nicht: Gleich hinter dem großen Brunnen, vis-à-vis vom Elefantentor soll ihr neues Zuhause sein. Aber es ist ja auch eine kleine Sensation, die am Donnerstag verkündet wurde: Der Zoo soll wieder zwei Pandabären bekommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte am Rande ihres Besuchs in China an, dass über ein neues Bären-Pärchen für den Berliner Zoo verhandelt werde. „Das ist ein besonderes Stück China, das viele Menschen in Deutschland erfreuen wird“, sagte sie am Donnerstag. Solche Leihgaben gelten als Kostbarkeit und besondere Wertschätzung in den Beziehungen. Im aktuellen Fall soll sich damit auch die Stimmung in der deutschen Bevölkerung gegenüber China verbessern – und das Land nicht nur mit Menschenrechtsverletzungen verbunden werden.

Eine neue Panda-Anlage soll an einem prominenten Standort entstehen

Mehr als diese Verlautbarung gibt es bisher nicht. Trotzdem hat Zoodirektor Andreas Knieriem, gleich nachdem er aus den Medien erfahren hatte, dass sein Haus offenbar bärenstarken Zuwachs bekommt, schon mal eingeladen an den Platz des zukünftigen Zuhauses der Pandas. Das muss erst noch gebaut werden, denn die alte Anlage sei zu klein und nicht mehr geeignet, sagte Knieriem. Aber er hat schon einen Plan.

Früher stand auf der Fläche mal der chinesische Musikpavillon, der aber 1944 zerstört wurde. Nun soll er wieder aufgebaut werden und - ohne Musik - als Besucherbereich dienen, dahinter wird dann die Anlage für die Tiere entstehen. Ihre Nachbarn sind links die Davidshirsche, rechts die Muntjaks, beide stammen ebenfalls aus China.

Insgesamt soll das Areal ein paar tausend Quadratmeter groß werden. Wie teuer das Vorhaben wird, kann Knieriem noch nicht beziffern, nur so viel: „Einige Millionen wird es schon kosten.“ Der Bau könne innerhalb eines Jahres fertiggestellt sein.

Die Pandas sollen ähnlich große Begeisterung auslösen wie Knut

Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) wartet noch auf eine offizielle Bestätigung. Müller habe erst Mitte Oktober der Kanzlerin die Bitte um Unterstützung in der Pandafrage mit auf den Weg nach China gegeben, sagte Senatssprecherin Daniela Augenstein der Berliner Morgenpost. Nun freue er sich, dass die Berliner Initiative so schnell aufgegriffen wurde. „Ich hoffe, dass die Pandabären nun tatsächlich kommen und dass die Berliner sie so begeistert aufnehmen werden wie sie zuvor Eisbär Knut und die beiden früheren Pandabären aufgenommen haben“.

Pandabären sind sehr wichtig für Berlin, sagte Andreas Knieriem, darum setzt er sich schon seit Jahren dafür ein, dass der Zoo wieder ein Panda-Bärchen bekommt. „Noch nie habe ich so lange für zwei Tierchen gearbeitet“, gab er zu. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Zoologischen Gartens, Frank Bruckmann, ergänzte: „Pandabären sind einzigartige Botschafter des Artenschutzes“. Der Große Panda gilt als stark gefährdet, die letzten ihrer Art, etwa 1864 Tiere, leben in China. In Berlin sei das Paar aber gut aufgehoben, so Knieriem, der Zoo verfüge über viel Erfahrung mit Pandabären.

Vor 35 Jahren begann Berlins Pandabären-Geschichte

Berlins Pandabären-Geschichte begann vor 35 Jahren. 1980 landeten Bao Bao und Tien Tien in West-Berlin. Sie waren ein Staatsgeschenk des damaligen chinesischen Staatschefs an Bundeskanzler Helmut Schmidt, der sie wiederum dem Berliner Zoo stiftete. Die Pandas waren zwar nicht die ersten, die es in Berlin zu sehen gab – das war 1939 der Panda „Happy“, der als lebendes Ausstellungsstück durch Europa reiste und dabei 63 Tage lang Zwischenstopp im Antilopenhaus des Berliner Zoos machte. Bao Bao und Tien Tien waren dann die ersten Dauergäste.

Die beiden wurden zum Publikumsmagneten und brachten ein sattes Umsatzplus, nur eine Hoffnung erfüllte sich nicht: Der Nachwuchs blieb aus. Noch bevor das Männchen, Bao Bao, geschlechtsreif wurde, war das Weibchen, Tien Tien, einer Magen-Darm-Infektion erlegen. Schätzchen, so die Übersetzung von Bao Bao, blieb lange allein, weil für ihn kein Weibchen aufzutreiben war.

Diepgen begleitete Berlins letzte Pandabärin persönlich von China nach Berlin

Erst 1995 bekam der Berliner Zoo als Leihgabe der chinesischen Regierung Yan Yan, die Schöne. Der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen hatte die Bärin persönlich auf ihrer Reise begleitet. Aber Nachwuchs gab es noch immer nicht. Wie auch, bald wurde festgestellt, dass Yan Yan unfruchtbar war. Und gut verstanden haben sich die Tiere wohl auch nicht: Die Schöne soll dem Schätzchen mal ein halbes Ohr abgebissen haben. Im März 2007 starb Yan Yan nach einer Darmverstopfung und Bao Bao war wieder allein. Für eine Partnerin war er nun ohnehin zu alt. Mit Bao Baos Tod am 22. August 2012 endete dann die Panda-Geschichte Berlins. Vorerst.

Nun also wird das zweite Kapitel aufgeschlagen. Und Knieriem ist zuversichtlich, dass es diesmal auch mit dem Nachwuchs klappt: Die Voraussetzungen seien dafür besser, die Tiere würden heute so ausgesucht, dass sie besser zusammenpassen. Richtige Berliner werden aber weder das angekündigte Pärchen noch die erhofften Panda-Babys: Die Pandas bleiben chinesisches Eigentum und werden irgendwann in ihre Heimat zurückkehren. Aber das ist weit weg, jetzt sollen sie erst einmal wirklich hier ankommen.