Asyl in Berlin

30 Flüchtlinge im Flughafen Tempelhof untergebracht

Am Sonntag sollten die ersten Flüchtlinge in Tempelhof ankommen. Doch erst am Montagmorgen sind dort 30 Menschen untergebracht worden.

Am späten Sonntagabend sollten die ersten Flüchtlinge in die neue Notunterkunft im Hangar 1 des stillgelegten Flughafens Tempelhof einziehen. Rund 60 Menschen sollten mit einem Bus aus Bayern anreisen. Doch der Sender RBB berichtete, dass in der Nacht zu Montag noch kein Flüchtling in den Zelten im Hangar 1 übernachtet hat. Unbestätigten Aussagen zufolge sollen die Menschen zwar in Berlin angekommen, aber in andere Unterkünfte oder auch ins Krankenhaus gebracht worden sein. Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales antwortete am Montagmorgen auf Anfrage der Berliner Morgenpost, dass " im Moment (...) rund 30 Flüchtlinge in der Notunterkunft Flughafen Tempelhof untergebracht" sind.

Die Sozialverwaltung hatte die Asylsuchenden schon früher erwartet. Zudem waren aus Bayern nach Angaben von Sprecherin Regina Kneiding zwei Busse angekündigt worden. Davon kam dann aber nur einer in Berlin an: Der Fahrer des anderen Fahrzeuges sei versehentlich nach Eisenhüttenstadt in Brandenburg gefahren, hieß es am Abend von der Koordinierungsstelle Flüchtlinge. Die Erstaufnahmestelle dort habe die Menschen aufgenommen.

Außerdem sollten in der Nacht zu Montag drei weitere Busse mit insgesamt rund 150 Menschen von Bayern Richtung Berlin abfahren. Ursprünglich hatte die Sozialverwaltung schon am Wochenende mit ersten Asylbewerbern in Tempelhof gerechnet. Dort hatte der Senat Platz für 500 Menschen geschaffen, mittelfristig sollen in dem Notquartier 1000 untergebracht werden. Helfer von Bundeswehr, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk hatten am Sonnabend 73 Zelte im Hangar 1 aufgebaut. Noch fehlen sanitäre Anlagen, die Flüchtlinge können aber das nahe gelegene Columbiabad nutzen.

Am Sonntagmorgen erreichten nach offiziellen Angaben 158 geflüchtete Menschen Berlin mit einem Sonderzug. Sie wurden in die Notunterkunft im Olympiapark gebracht. In zwei Bussen seien weitere 100 Menschen angekommen, jedoch seien nur 20 in Berlin geblieben. Die anderen reisten auf eigene Faust und unregistriert weiter zu Freunden oder Verwandten in andere Bundesländer.

Joschka Fischer lobt die bayerische Landesregierung

Kritik am Berliner Umgang mit Flüchtlingen kommt vom früheren Außenminister Joschka Fischer (Grüne). „Bayern geht im Übrigen mit den Flüchtlingen hervorragend um. Als Berliner Bürger schäme ich mich dafür, was wir hier erleben. Ohne die vielen freiwilligen Helfer wäre das Desaster in Berlin unendlich“, sagte Fischer der „Bild am Sonntag“. Der 67-Jährige kritisierte auch den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD). „Im Gegensatz zum Regierenden Bürgermeister war der Münchner Oberbürgermeister ständig am Hauptbahnhof, hat sich persönlich um die Flüchtlinge gekümmert“, sagte Fischer.

Auch die Caritas kritisiert, dass Probleme in Berlin zu lange auf den Schultern der Ehrenamtlichen abgeladen worden seien. Bei der medizinischen Versorgung liefen die Fäden seit zwei bis drei Wochen zwar besser zusammen, sagte Caritas-Direktorin Ulrike Kostka am Wochenende. „Doch insgesamt hat die Umorganisation viel zu lange gedauert.“ Jetzt stehe die Grippe- und Erkältungssaison an. Eine vernünftige medizinische Versorgung müsse da auch in den Unterkünften angeboten werden, forderte Kostka. Die Gespräche mit der Charité, die hauptamtliche Ärzte stellen will, seien gut gelaufen. Jetzt müsse ein gemeinsames Konzept mit den ehrenamtlichen Medizinern erarbeitet werden, die sich weiter engagieren wollten. „Wir brauchen eine Erstuntersuchung für jeden Flüchtling und eine Versorgung darüber hinaus.“

Zumindest am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit hat sich die Lage nach Einschätzung der Caritas verbessert. Die Schlangen seien seit Eröffnung der Erstregistrierungsstelle an der Wilmersdorfer Bundesallee kürzer geworden, übersichtlicher organisiert, es gebe beheizte Wartezelte und vor allem sei ein Hörsaal für die Wartenden geöffnet worden, sagte Kostka. Noch seien aber nicht alle Probleme gelöst. „Probleme gibt es vor allem nachts, wenn noch Flüchtlinge vor dem Lageso ankommen“, so Kostka. „Es müsste nachts mehr Personal vor Ort sein, ein bis zwei Mitarbeiter des Lageso, die die Menschen ansprechen und persönlich in Unterkünfte vermitteln“, forderte die Caritas-Direktorin.