Ehemaliger Flughafen

Tempelhof wartet auf die Flüchtlinge

Der Hangar am einstigen Flughafen Tempelhof ist eingerichtet - die ersten Flüchtlinge sollen am Sonntagabend dort untergebracht werden.

Bundeswehrsoldaten am Sonnabend beim Aufbau der Zelte im Hangar

Bundeswehrsoldaten am Sonnabend beim Aufbau der Zelte im Hangar

Foto: Gregor Fischer / dpa

In Windeseile hat die Stadt eine Notunterkunft im Hangar 1 des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof errichtet. In der Nacht zum Montag sollten die erste Flüchtlinge in die neue Notunterkunft einziehen. Am Mittag seien zwei Busse in Bayern mit je 57 Menschen abgefahren, teilte die Sprecherin der Sozialverwaltung, Regina Kneiding, am Sonntagabend mit. Nach 22.00 Uhr würden diese in Berlin erwartet. „Nach unseren Erfahrungen kommt es immer wieder zu Verzögerungen, so dass der genaue Zeitpunkt schwer vorhersagbar ist“, so die Sprecherin. Ursprünglich hatte die Sozialverwaltung schon am Wochenende mit ersten Asylbewerbern auf dem Gelände des früheren Flughafens gerechnet. In der Nacht sollten drei weitere Busse in Richtung Berlin starten, mit insgesamt 150 Menschen.

Die Kritik am Umgang Berlins mit den Flüchtlingen riss unterdessen nicht ab. Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sagte in der „Bild am Sonntag“, er schäme sich für den Umgang des Landes Berlin mit Flüchtlingen. „Ohne die vielen freiwilligen Helfer wäre das Desaster in Berlin unendlich.“ Auch Caritas-Direktorin Ulrike Kostka bemängelte, dass viele Probleme vor allem vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) viel zu spät behoben und auf den Schultern der vielen Ehrenamtlichen ausgesessen werden.

Die angespannte Wartesituation für Flüchtlinge vor dem Lageso habe sich seit Eröffnung der Registrierstelle in der Bundesallee zwar verbessert, sagte Kostka der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist positiv.“ Doch es seien noch nicht alle Probleme gelöst. „Probleme gibt es vor allem nachts, wenn noch Flüchtlinge vor dem Lageso ankommen. Es müsste nachts mehr Personal vor Ort sein, ein bis zwei Mitarbeiter des Lageso, die die Menschen ansprechen und persönlich in Unterkünfte vermitteln“, forderte die Direktorin. Die zweite zu lösende Aufgabe sei eine gute medizinische Versorgung der Flüchtlinge. „Das ist mir ein großes Anliegen: Wir brauchen einen medizinischen Koordinierungsstab.“

Sanitäranlagen vor Ort noch nicht vollständig

Angesichts des weiter großen Flüchtlingsandrangs richtete Berlin bereits am Samstag 500 Schlafplätze her. Die Sanitäranlagen vor Ort sind noch nicht vollständig: In dem Gebäude gebe es Toiletten und am Montag sollten auch Toilettencontainer aufgestellt werden - allerdings fehlten vorerst Duschcontainer. Deshalb stünden übergangsweise die Duschen des nahe gelegenen Columbia-Bades zur Verfügung.

Die Betten sollen indes nicht dauerhaft im Hangar 1 stehen bleiben: Zwar gebe es dort eine Heizung, das Dach sei allerdings nicht ganz dicht, sagte Kneiding. Geplant ist deshalb, sobald wie möglich in den Hangar 3 umzuziehen. Dieser müsse allerdings erst freigeräumt werden. Auf mittlere Sicht könnten in dem ehemaligen Flughafen bis zu 1000 Schlafplätze entstehen.

Jedoch sei das keine Dauerlösung, sagte Kneiding. Es würden andere geeignete Immobilien für die Flüchtlinge gesucht. Alle 90 Unterkünfte seien derzeit voll belegt.

Zelte sollen für mehr Privatsphäre sorgen

Am Sonntagmorgen erreichten 158 geflüchtete Menschen mit einem Sonderzug Berlin. Sie wurden laut Senatsverwaltung in die Notunterkunft im Olympiapark gebracht. In zwei Bussen seien weitere 100 Menschen angekommen, jedoch seien nur 20 in Berlin geblieben. Die anderen reisten auf eigene Faust weiter.

In der Nacht zum Samstag erreichten 150 Menschen in Bussen die Hauptstadt, am Vormittag reisten mindestens 113 mit einem Sonderzug an. Darüber hinaus kämen täglich viele Flüchtlinge und Asylbewerber selbstständig nach Berlin, teilte die Sozialverwaltung mit. So seien in der Nacht zu Samstag 130 Menschen unangekündigt in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Motardstraße angekommen.

In der Flughafenhalle hatten Mitarbeiter von Bundeswehr, und Feuerwehr am Samstag unter Hochdruck die rund 70 Zelte wieder aufgebaut, die davor auf dem Gelände der Kaserne in Spandau aufgestellt waren. Die Zelte trennen die dort montierten Betten voneinander ab und sollen für mehr Privatsphäre sorgen. Betreiber der neuen Notunterkunft ist laut Senatsverwaltung die Tamaja GmbH.