Berliner Perlen

Auf den Hund gekommen

Anahita Nejad will Mensch und Tier mit schönen Dingen umgeben. In ihrem Laden „Feinspitz“in Mitte verkauft sie schickes Zubehör

Schicke Dinge für den Hund: Anahita Nejad in ihrem Laden „Feinspitz“ mit ihren Hundedamen Edda, Luise und Lucy

Schicke Dinge für den Hund: Anahita Nejad in ihrem Laden „Feinspitz“ mit ihren Hundedamen Edda, Luise und Lucy

Foto: Christian Kielmann

„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“ Ein weises Wort von Loriot. Der Kult um den besten Freund des Menschen ist längst im Alltag angekommen. Glitzerstein-Halsbänder, Fellwestchen, Edelfutter, nichts, was es inzwischen nicht gibt. Soll der Vierbeiner fotografiert werden? Kein Problem, in der Hauptstadt haben sich längst Fotografen darauf spezialisiert. Ein Wassernapf im Restaurant? Ebenfalls vielfach erhältlich. Für Anahita Nejad im Grunde eine positive Entwicklung. Doch manches war der Besitzerin der Mops-Damen Louise und Edda doch zu viel.

„Ein Hund ist ein Hund“, sagt sie. Vermenschlichung und ein Leben als Anziehpuppe, das geht für die 41-Jährige zu weit. Hund und Mensch mit schönen Dingen zu umgeben hingegen nicht. Doch was sie sich vorstellte, fand sie nicht. Dass daraus die Eröffnung eines eigenen Ladens wurde, war nicht absehbar.

Von der Hotelfachfrau zur Hundespezialistin

16 Jahre hatte Anahita Nejad als Hotelfachfrau gearbeitet. Mit Spaß, aber sie hatte Lust auf etwa Neues. „Eigentlich wollte ich in der Friedrichstraße ein Café übernehmen. Als ich meinem Steuerberater die Zahlen vorlegte, riet er mir massiv davon ab und sagte, das sei doch auch nicht, was ich wirklich wolle“, erinnert sie sich an das entscheidende Gespräch.

Vielmehr riet er ihr dazu, den Wunsch nach der Selbstständigkeit mit ihrer Liebe zu Hunden zu verbinden. „Früher hatte ich Katzen, mit 30 bin ich sprichwörtlich auf den Hund gekommen“, sagt die stolze Hundehalterin, die in wenigen Wochen die Idee in die Realität umsetzte. Das ist jetzt sechs Jahre her.

Von Anfang an hatte sie eine klare Vision: „Bloß kein Kitsch und kein Bling Bling.“ Die Räumlichkeiten waren schnell gefunden. Eine Galeristin an der Sophien­straße in Mitte suchte einen Nachmieter. Weil Nejad ein überzeugendes Konzept vorweisen konnte, bekam sie den Zuschlag. 40 Quadratmeter, die sie in eine „Schöner Wohnen“-Kulisse umwandelte.

Die Fläche des Ladens hat sich nahezu verdoppelt

Im vergangenen Jahr musste sie umziehen, weil das Haus verkauft wurde. Seit September befindet sich das „Feinspitz“-Domizil an der Auguststraße. Mit 80 Quadratmetern ist der Laden nun doppelt so groß. Ein Wassernapf vor dem Schaufenster, eine Fußmatte mit Hundemotiv und innen immer mindestens vier Zwei- und Vierbeiner: Anahita, Louise, Edda und seit einiger Zeit auch noch Chihuahua-Dame Lucy. Die Mops-Damen sind mit zwölf und elf Jahren inzwischen hoch betagt. Lucy hingegen ist mit fünf Jahren noch jung.

Die Kunden widmen den Hunden mindestens so viel Zeit wie dem edlen Warenangebot, das, ob einer Deckenhöhe von rund vier Metern, teils in sehr hohen Regalen lagert. Dass sich die Vierbeiner der Kunden pudelwohl fühlen liegt auf der Hand. „Das Meiste wurde von Louise und Edda getestet, bevor ich es in mein Programm aufgenommen habe“, sagt die gebürtige Iranerin Anahita Nejad.

Barf-Food, Frischfleisch und Dosenfutter

Ausgebaut hat sie den Futterbereich. Dazu gehört auch ein Dosenhundefutter aus der Familie der Verteidigungsministerin. „Katharina von der Leyen stellt bestes Bio-Futter her“, erklärt sie. Beim Trockenfutter hat Nejad ein Produkt aus Schweden gewählt, weil sie dort die beste Qualität gefunden hat.

Ausnahme ist die Ware im Kühlschrank: „Ich biete Barf-Food an“, sagt Nejad. Barf ist eine artgerechte Ernährung mit viel rohem Fleisch, ergänzt durch Gemüse und Obst. Weil im Gegensatz zu vielen Fertigfutter-Industrieprodukten keine Konservierungsmittel, Zucker, Getreide oder andere Produkte, die nicht auf den Speiseplan von Hunden gehören, vorhanden sind, sollen auch lebensmittelbedingte Allergien und Krankheiten ausgeschlossen werden.

Einmal in der Woche kommt eine Heilpraktikerin

Aber: Frischfleisch riecht. Daher bietet Anahita Nejad die Ware nur eingeschweißt an. Für das Wohlbefinden ihrer vierbeinigen Kunden bietet Nejad einen weiteren Service an: Einmal die Woche ist eine Heilpraktikerin vor Ort.

Auch wenn sich bei „Feinspitz“ alles um den Hund dreht, ist nicht alles für den Vierbeiner. Die Weinflaschenverschlüsse etwa. Das Motiv, klar, ein Hund, aber auch hier jenseits des Kitsches. Kochlöffel, Geschirrhandtücher oder Ringschalen haben ebenfalls ästhetische tierische Dekors.

Neben der Kasse ticken schwarze Hundesilhouetten: Originelle „Wackeluhren“, die dem Betrachter ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern. Das passiert auch bei den Tuschzeichnungen des Berliner Künstlers Jürgen Oppermann-Vosteen.

Handgefertigte Näpfe aus England, Kissen aus Frankreich

Funktionalität und gutes Design vereinen sich auch bei den Hundeleinen, die in Leipzig hergestellt werden. „Zum Verstellen sind keine Haken nötig, das funktioniert einfach nur übers Ziehen“, stellt Nejad das patentierte Verfahren vor.

Viele Produkte findet sie auf Messen. „Viel Schönes wie hochwertige, handgefertigte Näpfe oder Federmappen mit Hundemotiven kommt aus England“, so die umtriebige Geschäftsfrau. Tragetaschen, Kissen und Betten bezieht sie ob des eleganten Designs aus Frankreich.

Aber auch einheimische Produkte gehören zum Sortiment, so etwa hellblaue Näpfe einer Berliner Behindertenwerkstatt oder Hundedecken aus Brandenburg. „Ein Apotheker und ein ehemaligen Konditor haben sich unabhängig voneinander der Herstellung von Hundebetten verschrieben“, stellt Anahita Nejad Produkte mit ungewöhnlichem Hintergrund vor, die dadurch bestens zum „Feinspitz“ passen.

Feinspitz Der Hundeladen Auguststr. 62, Mitte, Tel. 27 58 13 71, Mo.-Fr. 12-19, Sbd. 12-16 Uhr, www.feinspitzderhundeladen.com