Berliner Perlen

Hier gibt es das Rüstzeug für moderne Duellanten

Patinando ist Berlins einziger Fechtsport-Laden. Dort verkauft Karsten Krafczyk nicht nur Sportausrüstung, sondern bietet auch Workshops an.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Der erste Eindruck ist: Überraschung. Ganz schön viel Raum hier. Und wo sind denn die Warenregale? Wo die Kleiderständer? Patinando, Berlins einziger stationärer Handel für den Fechtsport, kommt ohne Gemengelage aus überbordendem Sortiment, allgegenwärtigen Marketingelementen und Reizüberflutung aus. Am ehesten erinnert der Laden, den Karsten Krafczyk im Mai 2015 an der Schlangenbader Straße in Wilmersdorf eröffnet hat, an einen Showroom.

Die Produktpalette ist eingeschränkt

Wie andere Händler seiner speziellen Sportausstattersparte auch, fungiert Patinando als Vertreter eines ausgewählten Herstellers für Fechtbedarf, der deutschen FWF Fechtwelt aus Baden-Württemberg. Eingeschränkt ist die Breite der Produktpalette im Fechtsport ohnehin: Das Regelwerk ist streng, das Outfit der Fechter schon aus Sicherheitsgründen bis ins Detail festgelegt.

Erst seit Kurzem erlauben die Vorschriften ausnahmsweise auch mal andere als weiße Kleidung. Wie man hieraus ästhetisch Nutzen ziehen kann, hat Krafczyk beim Design seines Ladens bewiesen. Ganz in Schwarz und Weiß ist das Geschäft gehalten. Von drei Seiten fällt viel Licht herein, auf einer Fototapete an der Stirnwand messen sich zwei übermannsgroße Degenfechter mit entschlossenen Blicken.

Waffen können geliehen werden

Es war für Karsten Krafczyk nicht schwer, die beiden Schauspieler für die Fotoposen zu gewinnen. Denn er versorgt nicht nur Sportler mit dem nötigen Zubehör für ihr Hobby. Seit Jahren ist der gebürtige Leipziger, der als Jugendlicher selbst begonnen hatte zu fechten, auch als Bühnenfechter aktiv. Filme wie „Die drei Musketiere“ oder „Der Mann mit der eisernen Maske“ hatten den jungen Krafczyk begeistert.

„Deshalb wollte ich Szenisches Fechten machen. Aber Sportfechten fand ich auch nicht uncool“, sagt er lächelnd. Schwer war der Zugang ohnehin nicht, schließlich leitete sein Vater damals die Fechtsektion eines Leipziger Sportvereins. Später besuchte Karsten Krafczyk die Sportschule, wurde Lehrer für sportliches wie für Theaterfechten.

Kunstvolle Degen-Griffe aus Messing

Seit er vor zwei Jahren nach Berlin kam, schwingt er im Olympischen Sport-Club die Waffe, tritt mit der Fechtcompany in Choreografien auf und organisiert Fechtshows. In einer Nische findet sich auch bei Patinando Rüstzeug für das kämpferische Schauspiel. Schön drapiert liegen da Musketierdegen neben elegantem Rapier, sind die Stichblätter, die als Handschutz dienen, von Verzierungen geprägt und die Griffe kunstvoll aus Messing gewickelt.

Auch wer einen Säbel im historischen Design sucht, wird bei Patinando fündig. Die Ausrüstung fürs Szenische Fechten, aber auch sportliches Equipment kann ausgeliehen werden. „ Theater bestellen bei mir die Waffen, die sie für ein bestimmtes Stück brauchen“, sagt Karsten Krafczyk.

Auch Ersatzteile sind auf Lager

Wer ein Kampfgerät für den Fechtsport kaufen will, wird eher nach einer modernen Waffe greifen. Von Degen über Florette bis Säbel: Von der Stange kaufen Krafczyks Kunden selten. „Die Waffen sind individuell“, sagt der 53-Jährige. Klingen können weicher oder härter sein, französische Griffe sind schlichter als Pistolengriffe, die in der Form der viel jüngeren Schusswaffe ähneln. Glocken als Handschutz gibt es aus Edelstahl, Aluminium oder Titanium.

Je nach persönlichen Vorlieben montiert Krafczyk die Stich- oder Hiebwaffe. Auch Ersatzteile bekommt man bei ihm. Auf Wunsch inspiziert er gebrauchte Waffen. Besonders wichtig ist das beim Theater: „Nach zwei Jahren“, sagt er, „muss an einer Schauspielklinge was gemacht werden, die sind teilweise täglich in Gebrauch.“

Beim Fechten bleibt wenig Raum für Modetrends

Weniger vielfältig als bei den Waffen ist die Auswahl bei der Sportkleidung. Von den bis übers Knie reichenden Strümpfen über Unterziehwesten und Jacken bis zu Handschuhen und Masken: Beim Fechten bleibt wenig Raum für Modetrends. Wie die Oberbekleidung geschnitten, wie der Kragen zum Schutz des Halses gefertigt sein muss, alles ist genau vorgeschrieben.

Trainingsjacken müssen mit 350 Newton Durchstoßfestigkeit nicht so robust sein wie Wettkampfjacken. Da sind 800 Newton Pflicht. Rechtshänder- und Linkshänderjacken unterscheiden sich durch den Sitz des Reißverschlusses. Immerhin: T-Shirts unter der Schutzkleidung verkauft Krafczyk mit seinem Logo – einem Fechter in jenem Ausfallschritt, den der Begriff „Patinando“ bezeichnet.

Respekt für den Gegner

Nicht alles, was Patinando liefern kann, hängt auch im Ladenraum. „Hier sind bewusst nur einige Ausstellungsstücke. Dafür wird aber noch richtig bedient“, sagt Krafczyk. Außerdem kommen zu ihm nicht nur Kaufinteressenten. Unter den energischen Blicken der beiden Fechter auf der Fototapete bietet Krafczyk Workshops an, organisiert Kindergeburtstage, bei denen die Kleinen einfache Schritte und Stoßbewegungen lernen. „Ich ziehe dann meine Trainerjacke an und die Kinder dürfen auf mich einstoßen“, sagt der dreifache Vater.

Am Ende wird ein kleines Turnier ausgetragen. Firmenteams können mit einem Personal-Trainer Kooperation und Konkurrenz, Achtung und Akzeptanz üben. Auch für Familien und Freundesgruppen gibt es Angebote in Krafczyks „Raum für Fechten“. Selbst wer hinterher nicht Feuer gefangen hat für den Sport, werde etwas mitnehmen, sagt der erfahrene Fechtlehrer. Aller Kampfeslust zum Trotz: „Wir Fechter gehen sehr respektvoll miteinander um.“

Patinando Schlangenbader Straße 14, Wilmersdorf, Telefon: 25 58 90 78, Mo., Di., Do., Fr., 10-12, 13-18 Uhr, Mi. 13-18 Uhr, und nach Vereinbarung, im Internet unter: www.patinando.de