Geschäft

Liebe auf den zweiten Blick

Im Papeterie- und Geschenkartikelladen in Pankow findet sich Hübsches, das zugleich nützlich ist . Ein Blick in die „Zweite Liebe“.

Stolz präsentiert die Inhaberin Tina Hustedt das Sortimemt ihres Schreib-und Geschenkwarenladens "ZWEITE LIEBE" in Pankow

Stolz präsentiert die Inhaberin Tina Hustedt das Sortimemt ihres Schreib-und Geschenkwarenladens "ZWEITE LIEBE" in Pankow

Foto: Joerg Krauthoefer

Fast könnte man in diesem Geschäft glauben, die Pankower liefen neuen Moden und Entwicklungen weniger unbeirrt hinterher als die Menschen anderswo. Briefpapier gibt es hier, und zwar gleich eine ganze Menge. Fotoalben, in die man – ganz altertümlich – Papierbilder einklebt, stehen in einem eigenen Regal. „Das läuft auch“, sagt Tina Hustedt, „erstaunlicher Weise.“ Bei ihren letzten Worten muss sie selbst ein wenig lachen.

Vielleicht hat Hustedt einfach ein Händchen dafür, mit ihrem Geschäft Gleichgesinnte anzusprechen. Sie selbst schreibt trotz SMS und E-Mail noch immer gerne per Hand ein paar Zeilen an liebe Freunde. „Und Fotos mache ich zwar digital, aber dann klebe ich trotzdem noch die Papierbilder ins Album ein.“

Natürlich sind es auch nicht irgendwelche Alben oder irgendein schlichtes Standard-Papier, das die frühere Eventmanagerin seit der Gründung ihres Papeterie- und Geschenkartikelladens „Zweite Liebe“ an der Florastraße anbietet.

Nichts, was einfach nur den Zweck erfüllt

Überhaupt ist jedes einzelne Teil in dem übsichtlich geordneten Geschäft sorgfältig ausgewählt. Oberstes Kriterium für Tina Hustedt: „Ich verkaufe nur, was mir selbst auch gefällt.“ Damit scheint sie auch den Geschmack der Kunden im Florakiez zu treffen, wo viele junge Familien wohnen. Entgegen kam Hustedt, dass es bereits ausreichend praktisch orientierte Büro- und Schreibwarenläden in der näheren Umgebung gab, als sie 2003 einen alten Wunsch verwirklichte und sich als Geschäftsfrau selbstständig machte.

Der Ladenraum in der beliebten Einkaufsstraße nur wenige Meter vom S-Bahnhof Pankow entfernt hatte leergestanden, und womit sie ihn bestücken wollte, wusste Tina Hustedt längst: „Ich hatte schon lange vorher immer auf besonders hübsche Produkte geachtet. Wenn es nur nach den Produkten ginge, könnte ich ohne Probleme fünf Läden füllen.“

Mit den Papeteriewaren, die sie anbietet, können Schüler zwar nicht unbedingt die Materiallisten ihrer Lehrer in den umliegenden Schulen abarbeiten. Denn das Vollsortiment an Heften, Stiften und sonstigem Schreibmaterial findet sich bei Tina Hustedt nicht. Dafür gibt es bei der Zweiten Liebe nichts, was einfach nur seinen Zweck erfüllt, ohne zugleich auch noch besonders geformt, schön verziert, überraschend gestaltet zu sein. Ideal unter anderem für all jene, die für ein Einschulungskind noch schnell vor dem 5. September ein Geschenk suchen.

Ein eigener Raum für Einschulungskinder

Für diesen Zweck hat Tina Hustedt einen extra Tisch im hinteren Raum dekoriert. Zwischen einer kleinen Auswahl an Kinderbüchern oder Holzspielzeug, Geschenkpapieren und Tage- oder Gedenkbüchlein zum Selbstgestalten für jedermann – von der Geburt bis zum Ruhestand – stehen da Schultüten, verziert mit bunten Borten und Stoffbezug, die nach dem ersten Schultag nicht ausrangiert werden müssen: „Das Inlay aus Pappe kann man herausnehmen, und wenn man den Stoff füllt, hat man dann ein Kissen“, sagt Tina Hustedt.

Den Schriftzug „Schulkind“ gibt es als Bügelbild fürs T-Shirt. Grün mit Schriftlinien wie auf einer Schiefertafel gestaltet ein Hamburger Geschwisterpaar hinter dem Label Krima & Isa seine Präsente für die Schultüte, vom Bleistift über den Radiergummi bis zur Tasse. Schön wollig gefilzte Stiftemäppchen aus Nepal haben die Gestalt eines Autos, das hölzerne Lineal kann als Mikrofon spielerisch zweckentfremdet werden.

Dass ihre Produkte nicht als dekorativer Krimskrams auf irgendeinem Regalbrett landen, ist Hustedt mindestens so wichtig wie das Design. „Ich achte darauf, dass es bei mir nichts gibt, was hinterher nur herumsteht. Alles muss man auch nutzen können“, sagt die 35-Jährige. Wichtig ist das auch, weil die Geschenkartikel neben der Papeterie eine immer größere Rolle spielen.

Hustedt: „Die sind viel nachgefragt, diesen Bereich will ich eher noch ausbauen.“ Zwar sind auch all die bunten Masking Tapes oder die zahlreichen bunten Schachteln und Boxen zum Aufbewahren von Kleinkram, die Stempel und hübschen Notizbüchlein als Mitbringsel geeignet.

Recycelt, bio, handgefertigt

Daneben gibt es aber auch ein buntes Sortiment an Einzelstücken: Schmuck einer Juwelierin aus Prenzlauer Berg oder Lammwolldecken aus Litauen, holzgeschnitzte sogenannte „Topfwächter“ zum unter den Deckel klemmen, Eierbecher oder Seifen in Form des Berliner Fernsehturms.

Manches ist gleich doppelt nützlich, wie die leinenen Geschirrtücher mit aufgedruckten Tierfiguren, die sich mit Nadel und Faden und etwas Füllmaterial auch zu einem Kissen umfunktionieren lassen.

Bei all ihren Waren verfolgt Hustedt immer zurück, woher sie kommen und wer sie hergestellt hat. Faire Produktionsbedingungen und Nachhaltigkeit entscheiden mit darüber, ob ein Artikel bei ihr gelistet wird oder nicht. So wie die Kerzen, die aus einem Ort in ihrer Schleswig-Holsteinischen Heimat stammen. „In der Kerzenfarm habe ich als Kind schon selbst Kerzen gezogen.“

Vieles, wenn auch nicht alles, hat ein Öko-Label. Vieles, wie die Bilderrahmen, die aus ausrangierten Bauteilen in sozialen Projekten recycelt wurden, erlebt hier sozusagen ein zweites Leben. „Daher kommt auch der Name des Geschäftes, Zweite Liebe: Hinter den Produkten steht immer noch ein zweiter Aspekt, eine zweite Geschichte“, sagt Tina Hustedt.

Zweite Liebe Florastraße 59, Pankow, Mo.–Fr. 11–19 Uhr, Sbd. 11–16 Uhr,
Tel. 53 66 37 39, www.zweiteliebe.net