Arbeitsmarkt

Berlin will mehr junge Flüchtlinge in Ausbildung vermitteln

Hunderte Lehrstellen in Berlin sind unbesetzt, eine Chance für junge Flüchtlinge . Doch die Anforderungen in der Praxis sind groß

Für eine Ausbildung müssen Flüchtlinge seit mindestens drei Monaten in Deutschland sein

Für eine Ausbildung müssen Flüchtlinge seit mindestens drei Monaten in Deutschland sein

Foto: Friedhelm Loh Group / dpa

In der Werkhalle der Berliner Wasserbetriebe (BWB) stehen junge Menschen und feilen und schrauben. Rund 230 Auszubildende sind hier derzeit beschäftigt – bald sollen sie Verstärkung erhalten. Am Mittwochmorgen unterzeichnet die BWB eine Kooperationsvereinbarung mit dem Träger des Integrationsprojekts Arrivo. Der Vertrag bescheinigt, dass sich sechs Flüchtlinge ab Januar 2016 als Azubis empfehlen dürfen.

In Berlin sind Hunderte Lehrstellen unbesetzt, und für Flüchtlinge sind diese leichter zu ergattern als ein regulärer Job. Denn nach drei Monaten Aufenthalt dürfen sie laut Gesetz eine Berufsausbildung beginnen – auch wenn sie nur geduldet sind. Doch die große Frage lautet, wie mehr Flüchtlinge schnell in den Ausbildungsmarkt integriert werden können. Sechs Menschen sind nur ein Bruchteil derer, die für eine Ausbildung infrage kommen. Und eine zentrale Anlaufstelle für die Vermittlung gibt es in Berlin nicht.

„Die meisten werden über Privatpersonen vermittelt“, sagt Anton Schünemann von Arrivo. Daneben gibt es Organisationen, die den Kontakt in diverse Branchen herstellen. Arrivo etwa bringt die Flüchtlinge mit den Innungen der Handwerksbetriebe zusammen – als Orientierung. „Sie sollen herausfinden, was am besten zu ihnen passt“, sagt Schünemann. Dann wird nach geeigneten Stellen gesucht.

Gebäudereiniger werden gesucht

Das Land Berlin hat indes ein Modellprojekt mit der Arbeitsagentur gestartet. Ein Team von 15 Beratern vermittelt in zwölf verschiedenen Sprachen. „Wir schaffen etwa 20 Beratungen pro Tag“, sagt ein Sprecher. Bedarf gebe es vor allen in Handwerk, Pflege oder Gastronomie. Oder nach Gebäudereinigern. Von Seiten der Unternehmen seien die Anfragen gestiegen. „Das Nadelöhr ist aber immer die Sprache.“

Die Anforderungen in der Praxis sind hoch, das zeigt auch das Beispiel Wasserbetriebe. Die sechs Kandidaten müssen das Sprachniveau B1 vorweisen können – selbstständiges Sprechen und Verstehen im Alltag. Im Anschluss durchlaufen sie ein Praktikum, dafür bekommen sie 216 Euro im Monat und ein BVG-Ticket.

Einstiegsqualifikation nennt sich diese Phase, in der die BWB feststellen wollen, wie groß Interesse und Eignung der Flüchtlinge sind. Während des Praktikums werden sie von Helfern begleitet, es gibt auch Deutschkurse. Nach acht Monaten wird dann über den weiteren Verbleib im Unternehmen entschieden.