Schulstart in Berlin

Volle Klassenzimmer, wenige Lehrer, neue Herausforderungen

Drei Wochen ist das Schuljahr alt. Es ist mit alten Probleme gestartet. Nun kommen Herausforderungen durch Flüchtlingskinder hinzu.

Willkommensklasse in Berrlin: Flüchtlingskinder müssen laut GEW teilweise wochenlang warten, bis sie zur Schule gehen dürten

Willkommensklasse in Berrlin: Flüchtlingskinder müssen laut GEW teilweise wochenlang warten, bis sie zur Schule gehen dürten

Foto: Britta Pedersen / dpa

Die ersten Tests sind geschrieben, die ersten Ausflüge gemacht - und die ersten Unterrichtsstunden ausgefallen. Seit drei Wochen gehen mehr als 422. 000 Berliner Kinder und Jugendliche wieder zur Schule. Problemlos sei der Start nach den Sommerferien nicht gewesen, kritisieren Lehrer und Eltern. „Wir haben die Probleme aus dem letzten Schuljahr mit ins neue genommen“, sagt Landeselternsprecher Norman Heise. Hier hakt es nach Meinung von Landeselternausschuss und Lehrergewerkschaft GEW besonders:

FEHLENDE KLASSENZIMMER

Die Schülerzahlen sind im Vergleich zum vergangenen Jahr um fast 5500 gestiegen. Deswegen sind Klassenzimmer knapp. „Die Schulen platzen aus allen Nähten“, sagt Heise. Viele erste Klassen seien „bis zur Oberkante“ voll gemacht worden, weil man nicht mehr Räume habe. GEW-Sprecher Manuel Honisch berichtet, einige Schulen hätten Freizeiträume für die Ganztagsbetreuung aufgeben müssen. Die Landesregierung will in diesem Jahr in zehn Schulen sogenannte modulare Ergänzungsbauten - im Prinzip Container - bauen. 17 weitere Schulen sind 2016 dran.

SANIERUNGSSTAU

Dass Klassenzimmer knapp werden, hat auch mit dem hohen Sanierungsbedarf in den Hauptstadt-Schulen zu tun. Berlin will mehr als 100 Millionen Euro zusätzlich in die Schulsanierung stecken. Wie viel eigentlich investiert werden müsste, lasse sich aber noch nicht beziffern, sagt Heise.

LEHRERMANGEL

Zum neuen Schuljahr haben auch rund 1500 neue Lehrer in Berlin mit der Arbeit begonnen. Damit sei der Bedarf gedeckt, sagt die Bildungsverwaltung. Eltern und Gewerkschaft sehen das anders. „Es fehlen wieder Lehrer an einigen Schulen“, sagt Heise. Der theoretische Bedarf, mit dem die Verwaltung rechne, sei eben nicht der reale. Krankheitsfälle beispielsweise könnten kaum kompensiert werden. Honisch berichtet, allein an den 52 Schulen im Bezirk Mitte fehlten 13 bis 19 Lehrer. Nach Beginn des Schuljahres fänden die Schulen aber niemanden mehr. „Der Markt ist völlig leer gefegt.“

FLÜCHTLINGE

Immer mehr Menschen kommen nach Berlin. Dass Schulen ihre Sporthallen aufgeben müssten, um Flüchtlinge unterzubringen, könne auf Dauer keine Lösung sein, betont Heise. Derzeit leben 5259 offiziell registrierte Flüchtlingskinder und Jugendliche in Berlin. Mehr als 2800 von ihnen sind schulpflichtig. Wenn sie noch kein Deutsch sprechen, lernen sie in Willkommensklassen. Oft müssten Flüchtlingskinder aber wochenlang warten, bis sie zur Schule gehen dürften, kritisiert die GEW.