Kommentar

Warum Berlin mehr Tempo für die Zukunft aufnehmen muss

Berlin benötigt für mehr Wachstum Gründer- und Innovationszentren. Doch die Umsetzung von Projekten verläuft schleppend.

Sie gehören zu den kostbarsten Schätzen Berlins: jene Orte, an denen junge Gründer und Hochschulabsolventen einen Platz, Kontakte und Infrastruktur finden, um gemeinsam mit in der Nähe tätigen Wissenschaftlern ihre Ideen zu marktfähigen Produkten und ihre Drei-Personen-Buden zu veritablen Firmen zu entwickeln.

Insofern war der Donnerstag ein guter Tag, weil das Charlottenburger Innovations-Centrum (Chic) an der Bismarkstraße eröffnet hat. Seit Jahren hatte die benachbarte Technische Universität um ein Gründerzentrum gekämpft.

Nun gibt es zumindest für einen Teil der dort entstehenden Ideen einen Ort, wo sie reifen können. Nur wenn solche Prozesse schnell vonstattengehen, wird es Berlin gelingen, den wirtschaftlichen Rückstand zum Bundesgebiet aufzuholen und zu der ökonomischen Stärke zu finden, die einer Hauptstadt gut anstünde.

Realisierung benötigt zu viel Zeit

Über all der Freude darf man jedoch nicht vergessen, dass auch das Chic von den ersten Plänen bis zur Realisierung deutlich länger brauchte als erwartet, auch wenn dort schon 50 Technologieunternehmen arbeiten. Berlin fehlt nach wie vor Dynamik, wenn es darum geht, echte Zukunftsorte zu schaffen. Dabei ist der wegen der verzögerten Flughafeneröffnung am BER auf Eis liegende Technologiepark am Flughafen Tegel ein Sonderfall. Aber auch der Bedarf an Platz für Ausgründungen rund um TU und Universität der Künste ist mit dem Chic noch nicht wirklich gedeckt.

An der Freien Universität im Süden wird es noch lange dauern, bis aus dem ehemaligen US-Hospital ein Technologiezentrum für die dortigen jungen Unternehmen wird. Und am Flughafen Tempelhof warten die interessierten Investoren inzwischen schon neun Monate, dass das Land Berlin eine Ausschreibung auf den Weg bringt, um einen Teil der zum Platz der Luftbrücke gelegenen Gebäude in ein Zentrum für die digitale Wirtschaft zu verwandeln.

In Berlin werden Büros allmählich knapp. Wenn in der Folge die Mieten zu stark steigen, kann das für junge, klamme Firmen problematisch werden. Wir müssen jetzt das günstige Zeitfenster nutzen und jungen, innovativen Unternehmen Räume anbieten, solange Investoren kommen.