Nahverkehr

Mehr Ausfälle und Verspätungen bei der Berliner S-Bahn

Seit Jahren ärgern sich die Fahrgäste der Berliner S-Bahn über unpünktliche Züge. Das Problem ist noch immer nicht gelöst.

Im Monat Juli sind lediglich 92,6 Prozent aller S-Bahn-Züge pünktlich gefahren, mindestens 96 Prozent solten es eigentlich sein

Im Monat Juli sind lediglich 92,6 Prozent aller S-Bahn-Züge pünktlich gefahren, mindestens 96 Prozent solten es eigentlich sein

Foto: Wolfram Steinberg / dpa

Bei der Berliner S-Bahn häufen sich wieder Verspätungen und Zugausfälle. Diese unschöne Erfahrung vieler Fahrgäste hat jetzt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) bestätigt. Danach sind im Monat Juli nur 92,6 Prozent aller S-Bahn-Züge pünktlich gefahren. Die Quote hat sich sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozentpunkte verschlechtert. Als verspätet werden vom Verkehrsverbund dabei nur Fahrten gewertet, die drei Minuten und mehr vom Fahrplan abweichen.

In dem mit Berlin und Brandenburg abgeschlossenen Verkehrsvertrag hat sich die S-Bahn zu einer Pünktlichkeit von mindestens 96 Prozent verpflichtet. Wird diese Vorgabe unterschritten, drohen ihr Strafabzüge. Allein im Vorjahr haben die Länder ihre Zahlungen an das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn um 8,7 Millionen Euro gekürzt. S-Bahn-Chef Peter Buchner versprach wiederholt Besserung. Allerdings machen ihm technische Mängel an den Fahrzeugen, aber auch Störungen etwa bei der Signaltechnik immer wieder einen Strich durch die Rechnung.

Anfang Juli besonders unpünktlich

Laut VBB war die Pünktlichkeit der S-Bahn in der ersten Julidekade, also noch vor Beginn der Schulferien, besonders schlecht. Als Ursache dafür wurden zahlreiche Großstörungen insbesondere in der Bahninfrastruktur ausgemacht. "Besonders beeinträchtigt wurde die Pünktlichkeit am 3. und 7. Juli durch mehrere Störungen der Signaltechnik entlang der Ringlinien", heißt es in der Qualitätsbilanz des VBB für den Regional- und S-Bahn-Verkehr, die einmal im Monat veröffentlicht wird.

Teil der Flotte in der Werkstatt

Auch die Zuverlässigkeit der S-Bahn hat sich weiter verschlechtert. So konnte die S-Bahn im Juli nur 93,8 Prozent der im Fahrplan vorgesehenen Fahrten auch tatsächlich anbieten. Hauptursache für die vielen Ausfälle ist der anhaltende Fahrzeugmangel. Wie berichtet, musste das Unternehmen im Frühjahr fast alle Züge der älteren Baureihe 480 aus dem Verkehr ziehen, weil an den Drehgestellen, an denen die Radachsen befestigt sind, Risse entdeckt worden waren. Die Schäden werden mit erheblichem Aufwand repariert. Aufgrund der Ausfälle kann die S-Bahn derzeit nur etwa 515 Doppelwagen einsetzen. Selbst für das inzwischen ausgedünnte Angebot werden aber 527 Doppelwagen benötigt.

Die S-Bahn sieht die Gründe für die vielen Zugausfälle und Verspätungen nicht allein in der eigenen Verantwortung. "Die Zahl der Notarzteinsätze in den Zügen und auf den Bahnsteigen hat weiter zugenommen", sagte ein Sprecher. Zudem müsste immer öfter der Zugverkehr unterbrochen werden, weil Erwachsene oder Kinder sich in den Gleisanlagen aufhielten. In solchen Fällen wird aus Sicherheitsgründen der Fahrstrom in diesem Bereich abgeschaltet. Wegen des großen Vernetzungsgrades hätten aber bereits kleine Sperrungen weitreichende Folgen für den gesamten Zugverkehr, so der Sprecher.

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