Tempelhof

Lollapalooza-Festival Berlin gestartet - Tempelhof rockt

Zum ersten Mal gastiert das Lollapalooza-Festival in Europa. Fast 50 Bands spielen auf vier Bühnen auf dem Ex-Flughafen Tempelhof.

Lollapalooza erstmals in Europa: Rund 45000 Fans werden bis Sonntag in Tempelhof erwartet

Lollapalooza erstmals in Europa: Rund 45000 Fans werden bis Sonntag in Tempelhof erwartet

Foto: Britta Pedersen / dpa

Das Musikfestival der etwas anderen Art: Nicht feiern bis der Notarzt kommt, sondern Party mit guter Musik, veganen Gerichten und einem großen Bereich für Kinder, so die Idee. Am Wochenende kommt das Open-Air-Spektakel Lollapalooza erstmals für zwei Tage von Nord- und Südamerika nach Europa. Der neue Termin im Berliner Kulturkalender ist ein Erfolg noch bevor an diesem Sonnabend auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof die erste Note erklungen ist. Alle 45.000 regulären Karten sind ausverkauft. Prompt erklärten die Veranstalter: Es wird auch 2016 ein Berliner Lollapalooza geben.

Mehrere Zehntausend Zuschauer kommen seit dem Start des Festivals 1991 zu den Konzerten in den USA, in Chile, Argentinien und Brasilien. Allein in Chicago erlebten im Sommer täglich 100.000 Menschen die Auftritte von Business-Größen wie Paul McCartney.

Die ganz großen Namen

Popularität hat Lollapalooza vor allem dadurch gewonnen, dass es die gesamte Bandbreite moderner Musik in die Metropolen der Welt bringt. Also nicht nur die ganz großen Namen sondern auch Newcomer. Anders als das Berlin Festival, das an gleicher Stelle stattfand, biete Lollapalooza eher „Mainstream-Headliner“, sagt Veranstaltungs-Sprecher Tommy Nick.

In Berlin spielen am Sonnabend und Sonntag etwa die lokalen Reggae-Entertainer „Seeed“ um Sänger Pierre „Peter Fox“ Baigorry und die punkig-rockigen „Beatsteaks“. Für HipHop mit engagierten Texten stehen Macklemore & Ryan Lewis. Die Briten von Muse zelebrieren hymnischen Rock, die Schotten Belle & Sebastian stehen für brillant instrumentierten Indiepop. Insgesamt sind fast 50 Bands angesagt. Über die Teilnehmerliste urteilte das Musik-Magazin Rolling Stone: „Nicht überraschend, aber dennoch hochkarätig.“

Die Pet Shop Boys hoben auf dem Ex-Flughafen ab

Rein räumlich tritt Lollapalooza an die Stelle des Berlin Festivals. Das fand bis 2013 ebenfalls im Herbst auf dem ehemaligen Flughafen statt. Zwar brachte es Musik-Größen wie Blur und die Pet Shop Boys in die Stadt. Aber Zuschauer klagten zuletzt über ein Soundchaos, das durch viele gleichzeitig auftretende Bands entstanden sei.

Seit 2014 ist das Berlin Festival im Treptower Arena Park zuhause. An den diesjährigen drei Veranstaltungstagen im Mai spielten etwa die Clubsound-Schwergewichte Underworld und James Blake. Wie bei der Berlin-Version von Lollapalooza steht dahinter die Hörstmann Unternehmensgruppe. „Das Berlin Festival geht jetzt stärker in eine elektronische Richtung, für die Berlin ja ebenfalls steht“, sagt Tommy Nick.

In Berlin am besten aufgehoben

Nach der Expansion von Lollapalooza gen Chile (2011), Brasilien (2012) und Argentinien (2014) ist nun Europa an der Reihe. Schnell fiel die Wahl auf Berlin. Das Festival stehe laut Nick für kulturelle Vielfalt - wie Berlin. „Die US-Veranstalter hatten das Gefühl, es sei in Berlin am besten aufgehoben“, so Nick.

Denn Lollapalooza will anders sein. Keine reine Rockshow mit Bier, zerknautscht-übernächtigten Fans, die in Campingzelten übernachten und exzessiv Feiern. Vielmehr spielt das Gesamterlebnis eine wichtige Rolle. Etwa Mode. Fashion Blogs sind im Frühling voll mit „Festival-Trends“: Welche Handtasche trägt man, wie kurz soll das geblümte Minikleid sein. Den Zeiten, da Supermodel Kate Moss in Gummistiefeln durch den Schlamm der mehrtägigen britischen Rockfestival-Hölle von Glastonbury stapfte, setzt Lollapalooza den Gedanken eines Musik-Happenings mit Lifestyle-Faktor entgegen. So hat sich das Festival eine große, in Berlin ansässige Internet-Modeplatform als Partner dazugeholt. Unter dem Titel „Fashionpalooza“ werden in Tempelhof nun Designer, Labels und Stile vorgestellt. Von Urban bis Street Style.

Am Rand der Konzerte werden Babys gewickelt

Der Trend zu Nachhaltigkeit und Bio zeigt sich im Angebot der Snacks und Gerichte. Es gibt modernes Streeetfood und vegane Speisen. Ein Rockfest mit Tofu statt Pommes, Salaten statt Currywurst.

Neben Kunst, Straßentheater, Gauklern und einer interaktiven Installation haben die Veranstalter ein Areal eingerichtet, das sie im Berlineer Jargon „Der Grüne Kiez“ nennen. Dort informieren etwa Tierschutzinitiative Peta und Hilfsorganisation Oxfam.

Sehr stolz ist Lollopalooza, ein Begriff aus einer amerikanischen Schwarz-Weiß-Komödie, der „ein dolles Ding“ bedeutet, auf die umfassende Kinderbespaßung. „Kidzapalooza“ bietet am Rand des Rockgeschehens Puppenshow, Spatzenkino und Spielzeug. Für eine gesonderte Baby-Ecke sind Still- und Wickelmöglichkeiten angekündigt. Lärmkopfhörer werden verkauft.

VIP-Behandlung hat ihren Preis

In den USA ist die Konzertreihe mit diesem Konzept ein Riesenerfolg. Die Orientierung auf Mütter und Väter erklärte das dortige „Chicago Magazine“ damit, dass bei der Elterngeneration einfach die Geldbörsen lockerer säßen als bei jungen Besuchern.

Diejenigen, die keines der Festivaltickets bekommen haben - für beide Tage kostete es 119 Euro - können mit etwas Überwindung vielleicht doch dabei sein: Das Platinum Ticket ist noch zu haben. Es gewährt Zugang zur „Lolla Lounge“. Zudem wird garantiert, dass man nirgendwo in der Warteschlange stehen muss. Derlei VIP-Behandlung aber hat ihren Preis: 500 Euro.

>> Weitere Infos zum Lollapalooza Festival in Berlin auf www.lollapaloozade.com <<