Berliner Nahverkehr

Lang, länger, Anhänger - Die neuen BVG-Busse

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Paul Hertzberg

Die BVG testet zwei neue Busse. Sie haben besonders viele Plätze. Ihre Überlänge muss sich aber noch als alltagstauglich erweisen.

Im CapaCity L-Gelenkbus, wie eines der ab jetzt im Test befindlichen Busmodelle des BVG heißt, glänzt und blitzt alles, als sei das Fahrzeug gerade eben aus dem Werk gerollt. Die Fenster sind fleckenfrei, die Polster neu. Die Haltestangen und Griffe riechen nach frischem Plastik. So soll es auch sein. Immerhin ist der Gelenkbus mit seinen vier Achsen und seinen 21 Metern Länge eine Weltneuheit, wie die BVG Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta am Mittwoch betont. „Die BVG sind einer der ersten Verkehrsbetriebe, die diesen Bus im Linienverkehr testen“, sagt sie. „Berlin wird immer größer, daher müssen auch die Busse mitwachsen.“

Gelenkbusse im Einsatz

Bereits Anfang des Jahres hatte man aus diesem Grund eine Reihe neuer Doppeldeckerbusse auf Berlins Straßen geschickt. Diese fassen bis zu 113 Personen. Nun folgt mit dem Gelenkbus des Herstellers Mercedes-Benz ein Modell, dass 124 Fahrgästen Platz bieten kann.

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Noch mehr Passagiere soll aber das zweite Busmodell transportieren können, das ebenfalls in den kommenden Tagen im Linienverkehr getestet werden soll. Dabei handelt es sich um einen von den Firmen MAN und Göppel produzierten Buszug. Dieser besteht aus einer Zugmaschine mit Kapazitäten für 66 Fahrgäste und einem Anhänger, der noch einmal 64 Personen aufnehmen kann. Damit man sich in diesem Anhänger zwar an- aber nicht abgehängt fühlt, sind dort mehrere Videokameras und eine Gegensprechanlage installiert. Mit 23 Metern Länge ist das Anhängergespann sogar noch länger als der parallel getestete Gelenkbus.

Test in Spandau

Die Länge ist es auch, die sich in den kommenden zwölf Tagen als alltagstauglich erweisen muss. Dabei gilt es viel zu beachten. „Wie gehen unsere Fahrer mit den Bussen um, wie passen die in die Berliner Straßen, was halten die Fahrgäste davon?“, zählt Nikutta nur ein paar der Fragen auf, die es zu beantworten gilt, sollen die neuen Modelle sich bewähren. Selbstverständlich können Busse dieser Größenordnung nicht überall in Berlin eingesetzt werden.

Den riesigen Gelenkbus durch enge Kreuzberger Straßen zu quetschen wäre wohl nicht möglich. Deswegen sollen die beiden neuen Busmodelle erst einmal nur in Spandau auf den Linien 135 und 236 getestet werden. Passagiere, die im Berliner Westen in eines der Testfahrzeuge steigen, von der BVG um ihre Meinung gebeten werden. Zusätzlich werden die Fahrer der Busse eine Bewertung abgeben. Bei positiver Resonanz „ist eine Anschaffung solcher Modelle für den Berliner Betrieb durchaus möglich“, so die BVG Vorstandsvorsitzende.

Bei Großveranstaltungen oder im Schienenersatzverkehr

Eingesetzt werden könnten Fahrzeuge dieses Kalibers unter anderem auf Strecken mit einem hohen Passagieraufkommen. „Im Berufsverkehr zum Beispiel“, so Nikutta. Außerdem wären solche Busse von Vorteil, gelte es Fahrgäste bei Großveranstaltungen oder im Schienenersatzverkehr zu befördern. Beispiele für den Nutzen dieser Busse gibt es bereits. Buszüge werden in München schon seit dem Herbst 2013 erfolgreich eingesetzt. Ein Fahrer der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) überführte das jetzt zu testende Modell am Montag nach Berlin, um es dort der BVG zu übergeben.

Achteinhalb Stunden brauchte er von der bayrischen Landeshauptstadt bis zum Spandauer Omnibushof. „Spitzengeschwindigkeit: 79 Kilometer pro Stunde“, sagt der Münchner Busfahrer. „Da ist er abgeriegelt. Wenn man wirklich will“, sagt er und grinst, „b}ringt man ihn bergab aber sicher auf 85 Sachen.“ Für Überlandfahrten sind die neuen Modelle also weniger geeignet.

Positive Erfahrungen in München

Was ihren Nutzen innerhalb von Städten angeht, hat man in München aber nur Gutes zu sagen. „Ausschließlich positive Erfahrungen“ habe man mit dem Buszug gemacht, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung des MVG, Herbert König. „Deswegen sind hier inzwischen auch 22 dieser Fahrzeuge in Betrieb. Potenzial sehen wir für rund 100 Buszüge im MVG-Netz.“ Vor allem Eltern und Senioren schätzten diesen Bustyp, erklärt König. Sowohl Anhänger als auch Zugmaschine bieten wesentlich mehr Platz für Kinderwagen, Rollstühle oder Rollatoren als herkömmliche Modelle. Die Gespanne werden in Bayern ganz gezielt zu Stoßzeiten eingesetzt, das heißt im Berufs- und Schulverkehr. Herrscht weniger Andrang, lassen sich die Anhänger bequem abkoppeln. „Die Anhänger bleiben dann im Depot“, so König. „Dadurch haben sie eine längere Lebensdauer und verbrauchen nicht unnötig Kraftstoff für Überkapazitäten.“