Nahverkehr in Berlin

Fahrer aus Süddeutschland helfen im Herbst bei der BVG aus

Weil rund 80 Straßenbahnfahrer fehlen, will die BVG ihr Angebot ausdünnen. Nun kommt kurzfristig Unterstützung aus Mainz und Augsburg.

Bei ihrer Suche nach Fahrern für die Straßenbahn bekommen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) jetzt Unterstützung aus dem Süden Deutschlands. Laut einer jetzt geschlossenen Vereinbarung werden bis zu elf Mitarbeiter der Mainzer Verkehrsgesellschaft Straßenbahn in Berlin fahren. Weitere sechs Fahrer sollen zeitweise von Augsburg nach Berlin wechseln, bestätigte ein BVG-Sprecher. Ihr Einsatz soll im September beginnen.

80 Fahrer fehlen

Wie berichtet, fehlen der BVG aktuell rund 80 Fahrer für ihren Straßenbahnbetrieb. Bereits zu Ferienbeginn hat das landeseigene Verkehrsunternehmen daraufhin auf zwei Linien den Betrieb am Wochenende eingestellt. Nach Ferienende dünnt die BVG ihr Angebot noch weiter aus. Auf mehreren Metro-Tramlinien, die den Berliner Osten mit dem Stadtzentrum verbinden, fahren ab 31. August die Bahnen seltener.

Mehr Ausbildungsplätze

Zugleich erhöht die BVG die Zahl ihrer Fahrer-Ausbildungsplätze von derzeit 15 auf 24 pro Kurs. Noch in diesem Jahr sollen 63 Fahranwärter ihre Ausbildung beginnen beziehungsweise abschließen. Allerdings würden Nachwuchskräfte auch immer wieder abspringen, weil ihnen die Einsatzanforderungen, geprägt durch Schichtbetrieb und zahlreiche Wochenendeinsätze, zu hoch sind.

Zugverkehr ausgedünnt

Wie die BVG mitteilte, entfallen ab den 31. August auf der Linie M6 (Hackescher Markt - Hellersdorf) die Verstärkerfahrten zwischen den Haltestellen S-Bahnhof Marzahn und Landsberger Allee/Petersburger Straße. Auch auf der M8 (Hauptbahnhof - Ahrensfelde) lassen die landeseigenen Verkehrsbetriebe die Zusatzfahrten ausfallen. Auf der M5 (Hauptbahnhof - Hohenschönhausen) sollen die Verstärker nach 22 Uhr nicht mehr fahren. Als Ausgleich will die BVG auf diesen Linien öfter die lange Flexity-Bahnen einsetzten, die mehr Platz bieten.

Als Ausgleich fahren größere Fahrzeuge

Für die Linien M4 (Hackescher Markt - Falkenberg) und M10 (Hauptbahnhof - Warschauer Straße) kündigt die BVG „Taktanpassungen“ an. So soll auf der M10 die Züge im Abstand von sechs statt aller fünf Minuten fahren. Laut BVG-Straßenbahnchef Klaus-Dietrich Matschke werden die Angebotskürzungen auch in 2016 noch gelten.

Fahrgastverband spricht von „einer akuten Krise“

Anders als Matschke spricht der Berliner Fahrgastverband Igeb von „einer akuten Krise“ im Straßenbahnbereich der BVG. Anstatt das Angebot auf stark nachgefragten Metro-Tramlinien auszudünnen, sollte die BVG besser den Straßenbahnbetrieb auf einer kompletten Linie wie zum Beispiel der M12 einstellen. Dies würde die Personallage deutlich stärker entspannen. „Auf dieser Linie könnten dann Busse den Verkehr übernehmen“, empfiehlt Igeb-Sprecher Jens Wieseke.

Unterschiedliche Bewertung der Ursachen

Über die Ursache der aktuellen Probleme gibt es unterschiedliche Ansichten. Die Gewerkschaft Verdi macht eine verfehlte Personalpolitik für die Engpässe verantwortlich. So sie etwa die Krankenquote in der Planung viel zu niedrig angesetzt worden. Laut BVG haben jedoch gerade bei der Straßenbahn deutlich mehr Mitarbeiter als erwartet die Rente mit 63 in Anspruch genommen.