BVG

Die unglaubliche Posse um die Berliner Buslinie 106

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Lorenz Vossen

Der Bezirk Mitte wollte den Verlauf der Linie 106 ändern. Die BVG auch. Geklappt hat es nicht. Die Geschichte eines Missverständnisses.

Zu Beginn fanden alle Beteiligten die Idee prima. Im Februar 2014 beschloss die Bezirksverordnetenversammlung von Mitte, sich für eine veränderte Strecke der Buslinie 106 einzusetzen. Mit Umweg durch die Klopstockstraße inklusive neuer Haltestelle am S-Bahnhof Tiergarten. Zur besseren Anbindung des Hansaviertels. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wurden informiert, prüfte Varianten, verglichen Kosten und Nutzen – und befanden das Vorhaben für gut. Auch der Senat gab sein Okay. Alles okay?

Nein. Eineinhalb Jahre später fährt der Bus 106 immer noch nicht durch die Klopstockstraße. Und wird es auf absehbare Zeit wohl auch nicht mehr. Was ist passiert?

Als die BVG im Winter 2014/2015 konkrete Planungen startete, fiel den Verantwortlichen auf: Die Klopstockstraße ist zu schmal. Mindestens 6,50 Meter wären nötig, gegeben waren nur sechs bis 6,30 Meter. Zudem stellte sich heraus: Der Asphalt war sanierungsbedürftig und ein Teil der Straße einem Privatunternehmen als „Sondernutzungsfläche“ für ein Bauwerk zur Verfügung gestellt worden. Die Verkehrsbetriebe hatten derlei Hindernisse nicht erwartet. Ansonsten sei ein entsprechender Beschluss des Bezirks doch „absurd“.

Gegenseitige Schuldzuweisung

In Mitte sehen sie das erwartungsgemäß anders. Die BVG, so Bezirksstadtrat Carsten Spallek (CDU), habe schlicht nicht ausreichend geprüft. Beziehunsgweise das Straßen- und Grünflächenamt nicht involviert. So sei man davon ausgegangen, dass die BVG die Straßenbreite anderweitig ermittelt habe. „Wir sind keine Experten für Verkehrsplanung und es ist auch nicht unsere Buslinie“, bekräftigt Spallek. „Wir haben uns an das Standardverfahren gehalten.“

Gleiches sagt die BVG über ihr Vorgehen. Ihr stärkstes Argument: Wenn der Bezirk die Straße für „Sondernutzungsflächen“ sperre, sei das Interesse für die neue Buslinie wohl eher gering. Außerdem seien bis 2004 Busse der Linie 123 durch die Klopstockstraße gefahren – ohne Probleme. Doch in der Zwischenzeit hat sich die verkehrliche Situation vor Ort geändert. Das muss auch die BVG zugeben.

Lösungsvorschläge gibt es dennoch. Indes: Den Bürgersteig zu verkleinern oder die Parkspur wegzunehmen kommt für den Bezirk nicht in Frage. Eine Verbreiterung der Straße auch nicht – dann müssten nämlich Bäume sterben. Und überhaupt: Geld für Maßnahmen dieser Art ist im Haushalt von Mitte nicht vorgesehen. Die BVG betont, dass sie für Lösungen offen sei. Warum nicht den Parkstreifen anpassen? Stadtrat Spallek ist mit dem Thema vorerst durch: „Ich gehe davon aus, dass alle etwas daraus gelernt haben. Das nächste Mal fragen wir rechtzeitig bei der BVG nach.“

Zwei Institutionen in Berlin kommunizieren nicht ausreichen miteinander. Das ist nicht neu. Dass keiner Schuld gewesen sein will, auch nicht. Das Ergebnis ist bekannt. Die Leidtragenden auch.

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