BVG

Neuer Doppeldecker hat USB-Anschlüsse, aber weniger Plätze

Der Bus ist 11,40 Meter lang, bietet Platz für 97 Fahrgäste und hat USB-Anschlüsse, mit denen Fahrgäste ihre Handys aufladen können.

Die BVG-Chefin Sigrid Nikutta stellt den neuen Doppeldecker-Bus "Citea DLF" vom niederländischen Hersteller VDL Bus

Die BVG-Chefin Sigrid Nikutta stellt den neuen Doppeldecker-Bus "Citea DLF" vom niederländischen Hersteller VDL Bus

Foto: Wolfgang Kumm / dpa

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) setzen die Suche nach der nächsten Generation für ihre "Großen Gelben" fort. Am Dienstag hat das landeseigene Nahverkehrsunternehmen einen nagelneuen Bus des niederländischen Herstellers VDL präsentiert. Der in Roeselare in Westflandern (Belgien) gebaute Prototyp war gerade erst auf dem BVG-Betriebshof Cicerostraße eingetroffen. "Das ist eine Weltpremiere", kündigte BVG-Chefin Sigrid Nikutta den Bus an, baut doch VDL zwar bereits seit rund 30 Jahren Doppeldecker-Busse, bislang aber noch keinen einzigen für den städtischen Linienverkehr.

Der "Citea DLF 114" ist laut BVG 11,40 Meter lang und verfügt über einen herkömmlichen Sechs-Zylinder-Dieselmotor. Er soll Platz für bis zu 97 Fahrgäste bieten, das sind nur 16 weniger als der zweieinhalb Meter längere Doppeldecker "Lion's City" von MAN, der seit 2004 das Berliner Stadtbild prägt.

Zwei Treppen statt nur einer

Die BVG ist bereits seit Längerem auf der Suche nach einem etwas kleineren und damit wendigeren Doppeldecker, der auch auf Strecken eingesetzt werden kann, die für den "Großen Gelben" aufgrund seiner Größe tabu sind. Schon seit Jahresbeginn erprobt sie deshalb auch einen knapp elf Meter langen Bus vom schwedischen Fahrzeugbauer Scania. Im Unterschied zum Scania hat der VDL-Doppeldecker nun wieder zwei Treppen statt nur einem Aufgang zum Oberdeck. Beide Busse verfügen aber über zeitgemäße Neuerungen wie etwa USB-Anschlüsse zum Aufladen von Handys oder ein Display, das bereits beim Einstieg anzeigt, wie viele Plätze auf dem Oberdeck noch frei sind. Dafür ist unter jedem Sitz ein Sensor angebracht, der auf Druck reagiert. Beide Busse sollen zudem deutlich weniger Kraftstoff verbrauchen als der dreiachsige Doppeldecker von MAN. Was vor allem am Gewicht liegt, während der "Lion's City" ein zulässiges Gesamtgewicht von 26 Tonnen hat, bringen die Zweiachser von Scania und VDL lediglich 18 beziehungsweise 19 Tonnen Gewicht (mit Fahrgästen) auf die Waage.

Dem Vernehmen nach kostet jeder der beiden Prototypen die BVG rund 400.000 Euro, bei einer Serienfertigung würden sich die Stückkosten aber noch deutlich verringern. Eine Entscheidung darüber, welcher Typ künftig in Berlin zum Einsatz kommen soll, will die BVG erst Ende nächsten Jahres treffen. Dann soll auch entschieden werden, wie viele neue Doppeldecker-Busse insgesamt bestellt werden sollen. Bis dahin könnte sogar noch ein weiterer Test-Bus aus England, wo Doppeldecker traditionell stark vertreten sind, hinzukommen. Da in Großbritannien allerdings Linksverkehr besteht, will der Hersteller ein Fahrzeug aus den Linkslenkerland USA nach Berlin schicken. "Da gibt es allerdings noch Probleme mit der Anpassung an die deutschen und die EU-Vorschriften", sagte der Fahrdienstchef der BVG-Busflotte, Carsten Schuster. Dennoch haben die Verkehrsbetriebe weiter Interesse an einem Bus von der Insel. "Wir testen alles, was wir bekommen können", sagte BVG-Chefin Nikutta.

405 Millionen Fahrgäste im Jahr

Die BVG hat insgesamt mehr als 1300 Busse im Einsatz, die täglich auf 151 Linien unterwegs sind. Im Vorjahr beförderten sie rund 405 Millionen Fahrgäste, fast 20 Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Das hat Folgen. Wie berichtet, können die Busfahrer immer öfter Fahrgäste draußen stehen lassen, weil ihr Bus völlig überfüllt ist. Im Vorjahr gab es immerhin 67.700 solcher "100-Prozent-Meldungen", vor allem auf der TXL-Linie (zum Flughafen Tegel) sowie den Metrolinien M49 und M41.

Da der Trend anhält, plant die BVG weitere Kurzzeit-Tests mit Bussen, die über mehr Platz als die bislang eingesetzten Fahrzeuge verfügen. So soll noch in diesem Monat ein 21 Meter langer Gelenkbus aus Hamburg zur Erprobung eintreffen. Die bislang in Berlin eingesetzten Gelenkbusse, etwa vom polnischen Hersteller Solaris oder von Scania, sind nur 18 Meter lang. Geplant ist zudem ein zweiwöchiger Test von einem Bus mit Anhänger, der dafür von der Münchener Verkehrsgesellschaft ausgeliehen wird. Der sogenannte Buszug verfügt über 133 Plätze, rund 30 mehr als ein herkömmlicher Gelenkbus.

Ab Oktober mit Fahrgästen

Nach der Präsentation am Dienstag geht der Doppeldecker von VDL für den letzten Feinschliff vor dem Zulassungsprozess noch einmal zurück an den Hersteller. Dort werden die technischen Systeme endabgestimmt, um einen möglichst zuverlässigen Testbetrieb zu gewährleisten. Auch BVG-spezifische Komponenten wie zum Beispiel Funk- und Fahrgastinformationssysteme werden in den kommenden Wochen noch konfiguriert und auf Herz und Nieren geprüft. Nach den anschließend nötigen internen Tests und Schulungen auf dem BVG-Betriebshof und dem Zulassungsverfahren können die Fahrgäste dann voraussichtlich ab Anfang Oktober 2015 den neuen Bus für sich entdecken. Eingesetzt werden soll er vor allem auf der Express-Linie X34 zwischen Kladow und dem Bahnhof Zoo, auf der schon der Scania-Doppeldecker fährt. BVG-Chefin Nikutta findet das gut: "Die Fahrgäste haben dann den direkten Vergleich."

Die BVG sucht bereits seit Längerem nach einem kleineren Doppeldecker, der auch auf Strecken eingesetzt werden, die für den "Großen Gelben" aufgrund seiner Größe tabu sind. Schon seit einigen Monaten erprobt sie auch einen knapp elf Meter langen Bus von Scania.

Im Unterschied zum Scania hat der VDL-Doppeldecker wieder zwei statt nur eine Treppe zum Oberdeck. Beide Busse verfügen aber über zeitgemäße Neuerungen wie USB-Anschlüsse zum Aufladen von Handys oder ein Display, das bereits beim Einstieg anzeigt, wie viele Plätze auf dem Oberdeck noch frei sind.

Eine Entscheidung, welcher Typ künftig in Berlin zum Einsatz kommen soll, will die BVG erst im kommenden Jahr treffen. Bis dahin sind weitere Kurzzeit-Tests geplant, unter anderem mit einem Bus mit Anhänger, der aus München ausgeliehen wird, und einem 21 Meter langen Gelenkbus aus Hamburg.

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