Kommentar

Brückensanierung in Berlin - Neue Ideen sind gefragt

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Thomas Fülling
Täglich bis zu 30.000 Autos rollen über die Bösebrücke

Täglich bis zu 30.000 Autos rollen über die Bösebrücke

Foto: Reto Klar

83 Brücken stehen auf der Liste des Senats, die saniert werden müssen. Da kommt noch einiges auf die Berliner zu, sagt Thomas Fülling.

Ab Montag wird eine weitere Verkehrsader in der Stadt zum Engpass. Aufgrund von Bauarbeiten können Autos nur noch in einer Richtung über die Bösebrücke fahren. Täglich bis zu 30.000 Autos rollen über eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Prenzlauer Berg und Wedding, die beim Mauerfall 1989 unter dem Namen „Bornholmer Brücke“ weltbekannt wurde.

Keine Frage, die vor rund 100 Jahren als erste genietete Stahlbrücke Berlins eröffnete Überführung muss dringend saniert werden. Wie so viele andere Brücken in der Stadt auch, ist sie dem Autoverkehr kaum noch gewachsen. Vor allem immer schwerer werdende Lkw setzen den Bauwerken schwer zu. Dennoch stößt das Projekt auch auf Kritik. Einerseits wegen der langen Bauzeit von zwei Jahren. Zum anderen, weil der Senat während der Sperrung einen Großteil des Verkehrs durch dicht bebaute Wohngebiete leitet.

Die Anwohner befürchten einen massiven Anstieg der Lärm- und Schadstoffbelastung. Zudem leben dort viele Familien, die sich ernsthaft Sorgen machen, ob ihre Kinder noch sicher zur Kita, zur Schule und zum Spielplatz kommen. Trotz der Proteste hat der Senat sein Umleitungskonzept im Kern nicht geändert, sondern nur geringfügig nachgebessert.

Aktuell 83 Brücken stehen auf der Liste des Senats, die dringend saniert werden. Da kommt also noch einiges auf die Berliner zu. Damit es nicht zum Kollaps in der Stadt kommt, müssen neue Konzepte her. Um Sperrzeiten zu verkürzen, sollten die Firmen öfter als bisher im Schichtbetrieb und auch an Wochenenden bauen dürfen. Auch eine Vollsperrung statt einer ewig langen halbseitigen Sperrung ist ein probates Mittel, um Bautätigkeit zu beschleunigen.

Das ist technologisch nicht überall machbar, wird aber in Berlin noch viel zu selten praktiziert. Bisher gar nicht hat der Senat darüber nachgedacht, mit Anreizen den Autoverkehr in Baugebieten generell zu verringern. Warum kein preisgünstiges BVG-Abo für Fahrer, die sich bereit erklären, für eine bestimmte Zeit ihr Auto stehen zu lassen. Im Fall der Bösebrücke hätte sich eine solche Aktion angeboten, denn die Straßenbahn wird bis auf eine kurze Unterbrechung durchgängig weiterfahren.