Bau-Sommer

Bösebrücke zwei Jahre dicht - Verkehr läuft durch Wohngebiet

| Lesedauer: 5 Minuten
Thomas Fülling
Ab Montag können die Autos nur noch in Richtung Westen über die Bösebrücke fahren. Der Straßenbahnverkehr muss erst im kommenden Jahr für sechs bis acht Wochen eingestelt werden

Ab Montag können die Autos nur noch in Richtung Westen über die Bösebrücke fahren. Der Straßenbahnverkehr muss erst im kommenden Jahr für sechs bis acht Wochen eingestelt werden

Foto: Reto Klar

Über die marode Bösebrücke an der Bornholmer Straße rollen täglich rund 30.000 Autos. Nun muss sie für Bauarbeiten gesperrt werden.

Zahllose Sommer-Baustellen sorgen derzeit für viel Frust bei Berlins Autofahrern. Nun müssen sie in ihrer Routen-Planung einen weiteren Engpass in der Innenstadt mit einplanen. Am Montag beginnt die Sanierung der Bösebrücke, die Prenzlauer Berg und Wedding miteinander verbindet.

>> Grafik vergrößern <<

Über das Bauwerk rollen täglich rund 30.000 Autos, viele aus dem Berliner Nordosten unterwegs in Richtung Stadtautobahn. Voraussichtlich ab 15 Uhr wird die Brücke am Montag halbseitig gesperrt – und das gleich für die nächsten zwei Jahre. Sehr zum Ärger vieler Anwohner, denn ein Großteil des Verkehrs wird in dieser Zeit durch die unmittelbar angrenzenden Wohngebiete umgeleitet.

>> Kommentar: Neue Ideen sind gefragt <<

Belastbarkeit nicht mehr gewährleistet

Bereits seit Längerem steht fest, dass die mit der Mauer-Öffnung im November 1989 als „Bornholmer Brücke“ weltberühmt gewordene Überführung über die Bahn-Gleise am S-Bahnhof Bornholmer Straße dringend saniert werden muss. Als die Behörden 2012 die fast 100 Jahre alte genietete Stahlkonstruktion statisch überprüfen ließen, stellte sich heraus, dass die geforderte Belastbarkeit langfristig nicht mehr gewährleistet ist. Die Baumaßnahmen seien „aus Sicherheitsgründen“ unvermeidlich, heißt es auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Lkw-Verkehr setzt der Brücke zu

Vor allem der in den letzten Jahren stetig wachsende Lkw-Verkehr hat dem unter Denkmalschutz stehenden Bauwerk schwer zugesetzt. Die Brücke, 1916 eröffnet als Hindenburgbrücke und seit 1948 nach dem ermordeten Nazi-Gegner Wilhelm Böse benannt, muss nun einerseits verstärkt, andererseits aber auch leichter werden. Um das Gewicht zu vermindern, wird beispielsweise alter Beton unterhalb der Fahrbahn durch sogenannten „Leichtbeton“ ersetzt. Auch das Widerlager der Brücke, die beide Treppen und die Stützwände auf der Ostseite der Brücke werden erneuert. 5,3 Millionen Euro lässt sich der Senat die Grundsanierung der wichtigen Brücke kosten. Begonnen wird mit den Arbeiten auf der südlichen Fahrbahnhälfte. Wenn 2016 die Nordhälfte der Brücke folgt, muss für sechs bis acht Wochen auch der Straßenbahn-Verkehr unterbrochen werden. Die BVG will die Zeit nutzen, um auf der 1995 eröffneten Tram-Strecke in Richtung Virchow-Klinikum die Gleise mit zu erneuern.

Mindestens zwei jahre Bauzeit

Während der gesamten Bauzeit, die der Senat mit „circa zwei Jahren“ angibt, wird der Autoverkehr von West nach Ost umgeleitet. Während den Lkw-Fahrern eine weiträumige Umfahrung über die Schwedenstraße beziehungsweise Prinzenallee, durch die Bad- und die Brunnenstraße bis zur Bernauer und Eberswalder Straße vorgeschrieben wird, können die Pkw-Fahrer einen kürzeren Weg nehmen. Ihre Umleitungsstrecke führt zum Ärger vieler Anwohner durch die angrenzenden Wohngebiete. Nach Senatsangaben passieren zu Spitzenzeiten bis zu 30.000 Autos am Tag die Bösebrücke. Infolge der halbseitigen Sperrung müssen nun rund 10.000 Fahrzeuge täglich über die Jülicher Straße, Behmestraße und Malmöer Straße fahren, fünf Mal so viele Autos, wie bislang durch die eigentlich verkehrsberuhigten Wohngebiete rollen.

Baustart zweimal verschoben

Eigentlich sollte die Sanierung der Bösebrücke schon im Juni beginnen. Doch weil die Verkehrslenkung Berlin die zahlreichen Anordnungen für die Umleitungen nicht rechtzeitig ausstellen konnte, verzögerte sich der Baubeginn. Erst sollte es am 23. Juli losgehen, nun ist der 10. August der Starttermin. Als besonders zeitaufwendig erwies sich die notwendige Umprogrammierung von sieben Ampelanlagen. Auch sind „eine Vielzahl an Hinweisen aus der Bevölkerung und von den betroffenen Gewerbetreibenden“ eingegangen, welche alle geprüft und bewertet werden mussten. Eine nette Umschreibung für die massiven Anwohnerbeschwerden über das Verkehrskonzept des Senats.

Proteste der Anwohner

Erst im Mai hatten rund 150 Anwohner gegen die Umleitung des Pkw-Verkehrs protestiert. „Die Wohnstraßen können das riesige Verkehrsaufkommen unmöglich aufnehmen. Lärm, Abgase und Feinstaub schädigen die Gesundheit aller Anwohner nachhaltig“, sagte Stefan Zimmermann von der Bürgerinitiative Malmöer Straße/Jülicher Straße, die den „Schlafprotest“ damals organisierte. Für Unmut sorgt auch, dass viele Parkplätze an den Straßen wegfallen.

Grundsätzliche Änderungen am Senatskonzept konnte die BI nicht mehr erreichen, doch – wie sie auf ihrer Internetseite vermerkt – einige „kleine Erfolge“. So wird die Tempo-30-Regelung entgegen früherer Planungen räumlich ausgedehnt, zudem soll die Polizei mit verstärkten Radarkontrollen über die Einhaltung des Tempolimits wachen. „Überlegungen zu Konzepten einer langfristigen Reduzierung des Verkehrs oder zu einer besseren Verteilung gibt es nicht“, bedauert die BI. Der Senat hat aber zumindest eine Überprüfung des Verkehrskonzepts in den ersten Wochen nach Inbetriebnahme der Umleitung zugesagt.