Berlin

Im Juni kamen mehr als 2800 Flüchtlinge nach Berlin

Neuer Höchststand: Im Juni wurden 2830 Asylbewerber in Berlin registriert, 1000 mehr als im Mai und dreimal so viele wie im Juni 2014.

Flüchtlinge vor der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Berlin

Flüchtlinge vor der Zentralen Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Berlin

Foto: Paul Zinken / dpa

Der Zuzug von Flüchtlingen nach Berlin hat im Juni einen Höchststand erreicht. 2830 neue Asylbewerber wurden registriert, das sind fast 1000 mehr als im Mai und mehr als dreimal so viele wie im Juni 2014. Damals kamen 884 Flüchtlinge in die Hauptstadt. Bei den Herkunftsländern liegt inzwischen Syrien auf dem ersten Platz, gefolgt vom Kosovo, Albanien, Serbien sowie Bosnien und Herzegowina.

Was der Anstieg der Zahlen konkret für die chronisch überlasteten Mitarbeiter des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) bedeutet, zeigt ein Blick auf die Bilanz des Publikumsverkehrs eines einzigen Tages. Am Dienstag, 7. Juli, kamen 192 Flüchtlinge nach Berlin, 69 wurden in andere Bundesländer weitergeschickt.

In der zentralen Aufnahme- und Weisungsstelle hatten am Dienstag 767 Menschen einen Vorsprachetermin, in der zentralen Leistungsstelle weitere 839 Menschen. In beiden Bereichen arbeiten derzeit rund 100 Mitarbeiter, die aber wegen Urlaub, Krankheit oder Fortbildung nie alle an sämtlichen Tagen arbeiten können.

Schätzungen müssen wohl korrigiert werden

Bislang rechnete Berlin mit mindestens 20.000 Asylbewerbern in diesem Jahr. Vermutlich muss auch diese Schätzung korrigiert werden. Derzeit beherbergt das Lageso rund 15.000 Menschen in mehr als 60 Erstaufnahme-, Gemeinschafts- und Notunterkünften. Weitere 10.000 Flüchtlinge leben in Wohnungen und mehr als 1500 in Hostels.

Entlastung bei den Asylbewerberheimen sollen in diesem Jahr vor allem die sechs Containerdörfer für mehr als 2000 Flüchtlinge bringen, die die Senatssozialverwaltung auf landeseigenen Grundstücken errichtet. Bislang sind erst zwei in Betrieb, in Köpenick und Buch (Pankow). Die Containerdörfer in Marzahn und Falkenberg (Lichtenberg) mit insgesamt 680 Plätzen sollen in diesem Monat eröffnet werden, im August sollen die Unterkünfte in Lichterfelde und Zehlendorf mit insgesamt 640 Plätzen in Betrieb gehen.

Defizite im Asylverfahren

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin hat ein Konzept vorgelegt, wie Flüchtlinge schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Dazu hat die IHK die sechs Stationen des Asylverfahrens in Berlin analysiert und kommt zu dem Ergebnis, dass an zahlreichen Stellen Defizite bestehen. Die Kammer beschreibt aber nicht nur den Istzustand, sondern macht zahlreiche Verbesserungsvorschläge. So solle die Dreimonatsfrist, in der Asylbewerber nicht arbeiten dürfen, dazu genutzt werden, ihre berufliche Qualifikation zu erfassen und die Anerkennung von Abschlüssen zu prüfen. Außerdem, so die IHK, sollten die Flüchtlinge in dieser Zeitfinanzierte Sprach- und Integrationskurse besuchen dürfen. Die Kapazitäten in den Integrationskursen müssten ausgeweitet werden, damit die Asylbewerber schon vor Abschluss des Asylverfahrens an solchen Kursen teilnehmen könnten.

Die Kammer fordert zudem eine bessere Abstimmung der am Antragsverfahren und an der Kompetenzprüfung beteiligten Behörden. Einen ersten Schritt dazu soll ein Pilotprojekt des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit liefern.

Ab August sollen in der Berliner BAMF-Außenstelle zwei Berater der Agentur sitzen. Mittelfristig, so die IHK, müssten dort auch Lageso und Ausländerbehörde vertreten sein. Grundsätzlich sollten die Asylverfahren „durch Anpassung von Personalkapazitäten und Prozessen“ im Bundesamt und im Lageso sowie durch einen Datenaustausch beschleunigt werden.