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Willkommen in Berlin – wie Flüchtlingskinder Deutsch lernen

Kontakte zwischen Neuankömmlingen und deutschen Schülern sind wegen der Sprachbarrieren am Anfang noch schwierig

Sie werden vertrieben, gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Ob in Syrien, in Afghanistan oder im Irak – die Krisen- und Kriegsgebiete dieser Welt zwingen immer mehr Menschen zur Flucht. Darunter auch Tausende von Kindern, die ohne ausreichende Deutschkenntnisse hier ankommen. Die Berliner Schulen haben so genannten „Willkommensklassen“ eingerichtet, in denen Flüchtlingskinder auf eine reguläre Schulklasse vorbereitet werden. Ein harter Weg.

An den Berliner Schulen gibt es mehr als 300 Willkommensklassen, so auch an der Heinz-Brandt-Schule in Weißensee, wo seit März eine Willkommensklasse existiert. Hier sitzen elf Schüler in einem Klassenraum – Jungen und Mädchen zwischen 12 und 18 Jahren, die pro Tag fünf Unterrichtsstunden haben. Sie kommen aus dem arabisch sprechenden Raum und werden von Anne Faber unterrichtet. Für die Lehrerin ist es eine große Herausforderung, denn die Schüler sind sehr unterschiedlich: Manche müssen erst noch das lateinische Alphabet lernen, andere bewegen sich bereits auf einem hohen Sprachniveau. Anne Faber hatte sich auf die Stelle als Lehrkraft in einer „Willkommensklasse“ beworben und sich sehr über die Zusage gefreut. „Ich bin genau da, wo ich gerade sein möchte“, sagt sie im Interview.

Die Flüchtlinge wurden nach ihrem Alter in die Klasse eingeteilt. Außerdem hat man darauf geachtet, wie weit die Unterkunft von der Schule entfernt ist. „Wünschenswert wäre eine Zuteilung in passende Lerngruppen nach Sprachstandsentwicklung sowie eine hinsichtlich der Muttersprache möglichst gemischte Zusammensetzung der Lerngruppen gewesen, damit die Schüler Deutsch auch als Sprache untereinander pflegen müssen“, sagt die Lehrerin.

Den Unterricht hat Anne Faber mit den persönlichen Angaben begonnen: „Ich bin, ich komme aus ... und so weiter“. Von da an wurden in konzentrischen Kreisen Grammatik und Wortschatz erweitert. Die Verständigung mit den Schülern erfolgt auf Deutsch, mit Gesten und zum Teil mit Hilfe von Wörterbüchern. „Einige Schüler sind auch schon so gut im Deutschen, dass sie, wenn es brennt, übersetzen können.“ Wer gut Deutsch gelernt hat, kann in eine normale Regelklasse wechseln. Das geschieht meistens nach einem Jahr. Der Aufenthalt in einer Willkommensklasse kann aber auch um ein halbes Jahr verlängert werden.

Der Kontakt zwischen den Flüchtlingen und den deutschen Schülern ist freundlich, aber: „Die Lehrer und die deutschen Schüler sind offen und interessiert. Und auch die Willkommensschüler freuen sich über neue Kontakte. Aber es scheitert leider noch oft an der Sprachbarriere. Dennoch sind auf beiden Seiten gute Fundamente gelegt worden“, so Faber, die an ihrer Arbeit erkennbar viel Spaß hat.

Johanna Groß, Klasse BG 14.4, Marcel-Breuer-Schule, Weißensee