Grunewaldstraße 87

Eigentümer lässt das Schöneberger Horrorhaus räumen

Der Besitzer hat ein von Roma bewohntes Haus an der Grunewaldstraße räumen lassen. Die Familien haben sich obdachlos gemeldet.

Das sogenannte Horrorhaus an der Grunewaldstraße 87 in Schöneberg kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, soll der Eigentümer das Gebäude am Dienstag geräumt haben. Die dort untergebrachten Roma-Familien mussten das Haus verrlassen. Wie Sibyll Klotz (Grüne), Sozialstadträtin des Bezirks Tempelhof-Schöneberg am Mittwoch auf Nachfrage bestätigte, hätten sich nach der Räumung 15 Roma-Familien bei der sozialen Wohnhilfe des Bezirks obdachlos gemeldet.

Das Haus hatte in den vergangenen Monaten für Aufsehen gesorgt, weil die langjährigen Mieter unter Lärm, Müll und unhygienischen Zuständen litten, die von den Roma-Familien verursacht worden sein sollen. Zugleich soll der Hauseigentümer die Roma-Wanderarbeiter aus Rumänien selbst in das Haus geholt haben, um die Alt-Mieter zu vergraulen. Außerdem soll der Immobilienbesitzer ihnen überhöhte Mieten abverlangt haben.

Zum Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt

Im Laufe der vergangenen Monate hatte sich das Haus zudem zum Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt. Wie die Polizei mitteilte, wurden seit Oktober 2014 rund 180 Polizeieinsätze in dem Haus durchgeführt. Zusätzlich seien weitere 57 Vergehen im Umfeld des Wohnhauses festgestellt worden, bei denen Bewohner des Hauses als Tatverdächtige erfasst worden seien. Die Gründe der Polizeieinsätze waren nach Auskunft eines Polizeisprechers überwiegend Sachbeschädigungen, versuchte Wohnungseinbrüche, Brandstiftung, Körperverletzungen, Häusliche Gewalt, Ladendiebstähle, Hausfriedensbruch und Fahrraddiebstähle.

„Dem Eigentümer ist die Situation, die er willentlich herbeigeführt hat, offenbar entglitten“, so Sozialstadträtin Klotz. Jetzt versuche der Besitzer offenbar, die Roma-Familien wieder loszuwerden und die Kosten auf den Staat abzuwälzen. Von den 15 Familien konnten nach Aussage der Stadträtin sieben Ansprüche beim Jobcenter nachweisen. Diesen Familien sei eine Unterbringung zugewiesen worden, die in der Regel meist in Pensionen oder Hostels erfolge. Zwei dieser Familien hätten die Zuweisung jedoch nicht genutzt und hätten sich auch nicht mehr gemeldet.

Hilfe vom Regierenden Bürgermeister

Mieter, Anwohner und die Mitarbeiter einer benachbarten Kita des „Horrorhauses“ haben unterdessen einen offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister, Michael Müller (SPD) geschrieben. Darin bitten sie „inständig darum, uns bei der Wiederherstellung des Friedens in unserem Kiez zu unterstützen“. Bezirk und Polizei so die Unterzeichner der Bittschrift, seien offensichtlich an ihre Grenzen gestoßen.

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