Berliner Immobilieneigentümer sollen gezielt Häuser verwahrlosen lassen, um alte Bewohner zu vertreiben. Bis zu 30 Häuser seien von dieser sogenannten Entmietung betroffen, sagte die Sozialstadträtin des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, Sibyll Klotz (Grüne), dem RBB-Inforadio. Ein Mietshaus in der Grunewaldstraße in Schöneberg ist besonders betroffen, wie die Polizei am Dienstag bestätigte.

Um die 200 Menschen, überwiegend aus Rumänien, sind laut Polizei in der Grunewaldstraße 87 untergebracht. Die Einsätze summierten sich von November 2014 bis Mai 2015 auf rund 200, sagte Sprecher Thomas Neuendorf der Deutschen Presse-Agentur. „Die Grundewaldstraße ist eine ganz ungewöhnliche Situation und ein Schwerpunkt“.

Die erfassten Delikte reichen von Sachbeschädigung über häusliche Gewalt bis zu versuchtem Einbruch. Die Täter konnten oft nicht gefasst werden. Umliegende Geschäfte meldeten immer mehr Ladendiebstähle. Derzeit seien zusätzliche Streifenwagen im Einsatz.

Anwohner klagten über Vandalismus und Vermüllung

Publik wurde der Fall durch einen Bericht des RBB-Inforadios. Langjährige Anwohner klagten über Vandalismus, mangelnde Hygiene und Vermüllung. Das Problem sehen sie demnach bei der Eigentümergemeinschaft, die für die Vermietung zuständig ist. Eine Anwohnerin vermutet, dass manche Wohnungen keine Toiletten haben und Fäkalien deshalb im Hof entsorgt werden.

Die Bewohner aus Südosteuropa sollen zum Teil überteuerte Mieten von zwölf Euro pro Quadratmeter bezahlen, so der RBB. Die Eigentümer wurden mehrfach vergeblich durch das Bezirksamt aufgefordert, die Missstände zu beseitigen. Die Alt-Mieter planen nun, juristisch gegen die Hauseigentümer vorzugehen. Die Stadträtin Klotz nannte die zuständige Wohnungsaufsicht des Bezirks einen „zahnlosen Tiger“, der unterbesetzt und überfordert sei.

dpa