Kriminalität in Berlin

Wieder SEK-Einsatz an der Grunewaldstraße

Die Situation in dem verwahrlosten Wohnhaus an der Grunewaldstraße 87 in Schöneberg eskaliert wieder. Das SEK rückt an.

Spezialeinsatzkräfte (SEK) der Berliner Polizei haben in der Nacht zu Dienstag ein Wohnhaus an der Grunewaldstraße 87 in Schöneberg gestürmt. Das Haus ist seit Monaten in den Schlagzeilen, weil es verwahrlost und Wohnungen überbelegt sind.

„In der Nacht um 3.20 Uhr wurde die Polizei alarmiert. Es soll wieder zu Streitigkeiten unter Nachbarn gekommen sein", sagte eine Polizeisprecherin am Dienstagmorgen. Dabei soll eine Gruppe Mieter vor der Wohnungstür anderer Mieter lautstark Position bezogen und mit Messern und einer Schusswaffe gedroht haben, hieß es.

Wegen der Gefahrensituation haben die Beamten der lokalen Polizeidirektion ihre Kollegen vom SEK um Unterstützung gebeten. Aufgrund mangelnder Personalkapazitäten beim Berliner SEK haben die Berliner Behörden auch um Amtshilfe in Brandenburg gebeten. Daher wurde der Einsatz von Spezialkräften aus Brandenburg unterstützt.

Bewohner leben unter unhaltbaren Umständen

An der Grunewaldstraße leben Altmieter, Flüchtlinge und Familien aus Rumänien unter unhaltbaren Umständen. Sie alle sind Verlierer – bis auf den Vermieter des Wohnhauses, das immer stärker verwahrlost.

Das Haus an der Grunewaldstraße 87 ist bei den Berliner Ermittlern keine unbekannte Adresse. „In dem Haus werden Frauen aus Rumänien und Bulgarien zur Prostitution gezwungen", sagte ein szenekundiger Ermittler der Berliner Morgenpost. „Dort werden sie von ihren Zuhältern geschlagen und gefügig gemacht."

Unter Androhung von Gewalt würden sie dann in einem Haus an der Bülowstraße, ebenfalls in Schöneberg, ihren Freiern zugeführt, hieß es. „Die Prostituierten müssen in Lokalen an der Bülowstraße und der Einemstraße anschaffen", sagte der Ermittler. Auch entlang der Kurfürstenstraße würden die Prostituierten aus Bulgarien und Rumänien unter Zwang Sex gegen Bezahlung anbieten.

Letzter deutscher Zuhälter gab 2011 auf

„Die Zwangsprostitution mit Frauen aus Osteuropa ist in Berlin fest in der Hand einiger weniger polizeibekannter arabischer Großfamilien", sagte der Ermittler dieser Zeitung. „Da laufen alle Fäden in Sachen Zwangsprostitution, Betäubungsmittel und Waffenhandel in Berlin zusammen." Der letzte deutsche Zuhälter hat nach Angaben der Fahnder im Jahr 2011 seinen „Job" an den Nagel gehängt.

„Über dieses Milieu haben wir die Kontrolle längst verloren", sagte der Fahnder.„Wir rennen nicht einmal mehr hinterher, dieses Rennen haben wir verloren."

Da gebe es Namen von arabischen Großfamilien, die immer wieder auftauchen. Nach Angaben des Ermittlers könne es bedingt durch den Tod zweier Männer zu Verteilungs- und Revierkämpfen an der Kurfürstenstraße und den benachbarten Gebieten kommen, so der Beamte. „Da es sich um eine große Familie handelt, vermuten wir die Auseinandersetzungen im internen Kreis.“ Nach Aussagen des Fahnders hat ein Mitglied der Familie in der jüngsten Vergangenheit versucht, einen neuen Straßenstrich aufzubauen und zu etablieren.