Kongresszentrum

Das Berliner ICC soll erst von 2018 an saniert werden

SPD und CDU einigen sich beim maroden Kongresszentrum auf einen Kompromiss. Die Arbeiten sollen nun erst in drei Jahren beginnen.

Das ICC Berlin von der Aussichtsplattform des Funkturms aus gesehen

Das ICC Berlin von der Aussichtsplattform des Funkturms aus gesehen

Foto: Michael Brunner

Im Streit um die Zukunft des Internationalen Congress Centrums (ICC) zeichnet sich zwischen SPD und CDU ein Kompromiss ab. Ein Teil des maroden Gebäudes soll so schnell wie möglich saniert werden, um wieder für große Kongresse genutzt werden zu können. Insgesamt sollen 10.000 Quadratmeter von Schadstoffen befreit, Energie- und Elektroversorgung erneuert werden. Die Pläne stellten der Regierende Bürgermeister Michael Müller und der Senator für Stadtentwicklung Andreas Geisel (beide SPD) jetzt ihrer Fraktion vor. „Es geht darum, alles das, was sowieso gemacht werden muss, so schnell wie möglich zu erledigen“, sagt der Wirtschaftsexperte der SPD-Fraktion, Jörg Stroedter.

Parallel dazu soll über die Nutzung der restlichen Gebäudeflächen nachgedacht werden. Für die Planung der Sanierung wollen die SPD-Senatoren 3,3 Millionen Euro in den kommenden Doppelhaushalt einstellen, insgesamt 200 Millionen Euro für die Sanierung sollen in den mittelfristigen Investitionsplan aufgenommen werden.

Die CDU sieht sich in ihrer Ansicht bestätigt. „Für uns stand eine Nutzung als Kongressstandort immer im Vordergrund“, sagt CDU-Wirtschaftsexperte Heiko Melzer. „Es ist ein Lösungsansatz, neben der öffentlichen Nutzung als Kongressstandort privaten Investoren eine Möglichkeit zu geben, Zusatznutzungen zu entwickeln.“

Am kommenden Dienstag sollen Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) und Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) ein gemeinsames Papier zur Zukunft des ICC im Senat vorstellen. Die Sanierung soll aber erst im Jahr 2018 beginnen.

Über das ICC wird seit mehr als zehn Jahren gestritten. 1979 als modernes Kongresszentrum eröffnet, gilt dessen Technik inzwischen als veraltet und die Raumaufteilung als ineffizient. Nach 35 Jahren in Betrieb wurde das ICC im April 2014 geschlossen. Seitdem steht es leer.

Kogresse abgesagt

Die Senatspläne sehen vor, die beiden großen Säle I und II des ICC zu sanieren, um dort auf 10.000 Quadratmetern Kongresse veranstalten zu können. „Ziel ist eine Mischnutzung mit einem wesentlichen Teil Kongressnutzung“, heißt es dazu aus der Wirtschaftsverwaltung. „Die übrigen Gebäudeteile sollen dann vermarktet werden. Vorstellbar ist hier beispielsweise ein Hotel anstelle des Parkhauses.“ Der Zugang zu den neu hergerichteten Kongressräumen soll nicht über den bisherigen Haupteingang an der Neuen Kantstraße erfolgen, sondern über die Fußgängerbrücke zwischen ICC und Messegelände am Messedamm.

Aber auch die Entscheidung für die Sanierung des Kongresszentrums hilft zunächst nicht dabei, die Kapazitätsengpässe auf dem Kongressmarkt in Berlin zu beheben. Zwischen 2014 und 2018 mussten Berlins Kongress-Anbieter, darunter als Hauptakteur die landeseigene Messe-Berlin, 32 große Veranstaltungen mit jeweils mehr als 2000 Teilnehmern absagen. Allein 2016 finden acht Kongresse mit mehr als 5000 Besuchern nicht in Berlin statt, weil es keine geeigneten Räume gibt. Das bedeutet, dass pro Veranstaltungstag der Berliner Wirtschaft rund eine Million Euro Einnahmen verloren gehen. Der Geschäftsführer der Berliner Tourismus-Werbegesellschaft „Visit Berlin“, Burkhard Kieker, hatte immer wieder dringend für den Bau eines neuen Kongresszentrums, möglichst bis 2018, appelliert. Um für die Jahre danach Großveranstaltungen akquirieren zu können, brauche man Planungssicherheit. Sonst werde Berlin am Wachstum des Kongressgeschäfts bis 2025 nicht partizipieren können.

Zwar hatten sich SPD und CDU in ihrem Koalitionsvertrag darauf verständigt, 200 Millionen Euro für die Sanierung des ICC bereitzustellen. Zwischen den Koalitionspartnern herrschte aber lange Streit, was konkret geschehen soll. Ein von Wirtschaftssenatorin Yzer in Auftrag gegebenes Gutachten empfahl die Privatisierung mit dem Ziel, ein Einkaufscenter zu errichten. Ein Gegengutachten warnte jedoch davor. Fachleute legten dar, dass die geplanten 40.000 Quadratmeter Verkaufsfläche keinen Sinn machen würden. Auch die Nutzung als Standort für die Zentral- und Landesbibliothek, der Abriss und die komplette Wiederherstellung des Kongresszentrums standen zur Diskussion.

Eine Frage des Denkmalschutzes

SPD und CDU brachten danach wieder die Teilnutzung als Kongressstandort ins Gespräch. Darauf läuft es jetzt in der gemeinsamen Kompromisslinie der Koalitionsfraktionen SPD und CDU hinaus. „Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren“, sagte der SPD-Abgeordnete Stroedter. Die Messe habe es in den vergangenen Jahren versäumt, das Kongressgeschäft zu pflegen und sich stattdessen allein auf den Ausbau des Messegeschäfts konzentriert.

Die Umbaupläne könnten allerdings noch ins Wanken geraten. Der angedachte Abriss des Parkhauses mit anschließendem Neubau eines Hotels könnte in Gefahr geraten, wenn das ICC, wie von Stadtentwicklungssenator Geisel geplant, unter Denkmalschutz gestellt wird. „Die Frage des Denkmalschutzes ist von zentraler Bedeutung“, sagte der Sprecher der Wirtschaftsverwaltung, Alexander Dennebaum. „Hierzu erwarten wir die Äußerung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.“

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