70er-Jahre

Senatsverwaltung brachte Jugendliche bei Pädophilen unter

In den 70er-Jahren hat die Senatsjugendverwaltung mindestens drei Jugendliche bei pädophilen Männern untergebracht. Das geschah nicht aus Versehen, sondern war Teil eines erzieherischen Experiments.

Die Berliner Senatsjugendverwaltung hat in den 70er-Jahren im Rahmen eines erzieherischen Experiments mehrere Jugendliche bei pädophilen Männern untergebracht, die zuvor eine Haftstrafe wegen sexuellem Missbrauch abgesessen hatten. Das geht aus einem Gutachten hervor, das 1988 im Auftrag der Senatsverwaltung erstellt worden war, und der Berliner Morgenpost in Auszügen vorliegt.

Darin schreibt der Sexualwissenschaftler Helmut Kentler, wie er die Senatsverwaltung davon überzeugte, Pflegestellen bei pädophilen Männern einzurichten. „Es gelang mir, die zuständige Senatsbeamtin dafür zu gewinnen“, heißt es in dem 156 Seiten umfassenden Gutachten des damaligen Hochschullehrers der Universität Hannover. Und weiter: „So kam es, dass bei den drei Hausmeistern regelrechte Pflegestellen eingerichtet wurden, und ich fand rasch drei Jungen, die bereit waren, hier einzuziehen. Sie waren zwischen 15 und 17 Jahre alt.“

Kentler rechnete offenbar damit, dass es dabei zu sexuellen Übergriffen der Männer auf die Pflegekinder kommen konnte: „Mir war klar, dass die drei Männer vor allem darum so viel für ‚ihre Jungen‘ taten, weil sie mit ihnen ein sexuelles Verhältnis hatten“, schrieb er.

Die Senatsjugendverwaltung unterstützte zudem bis mindestens 1991 Projekte zur „schwulen, lesbischen und pädophilen Emanzipation“.