Kommentar

Endlich handelt Berlin im Kampf gegen „Gotteskrieger“

Im Kampf gegen islamistische „Gotteskrieger“ will Berlin koordinierter vorgehen und so junge Menschen gegen Einflüsterungen salafistischer Scharfmacher immunisieren. Endlich, schreibt Ulrich Kraetzer.

Der „Islamische Staat“ (IS) hat vor wenigen Tagen die neueste Ausgabe seiner Internetpostille „Dabiq“ veröffentlicht. Ideologische Traktate sollen Sympathisanten auf Linie bringen, perfekt ausgeleuchtete Fotos von „Gotteskriegern“ die Kampfmoral stärken. Die Dschihadistenromantik ist grotesk – doch sie funktioniert. Mehr als 680 junge Männer und Frauen aus Deutschland sind dem Ruf von Terrorgruppen wie dem IS seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien gefolgt. 90 stammen aus Berlin.

Die Polizei ist mit der Überwachung der zurückgekehrten Dschihadisten – Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) hat sie „tickende Zeitbomben“ genannt – völlig überfordert. Das hat der Präsident des Bundeskriminalamtes vor wenigen Tagen offen zugegeben.

Länder wie Nordrhein-Westfalen und Hessen haben deswegen längst Programme aufgelegt, um junge Menschen gegen die Einflüsterungen salafistischer Scharfmacher zu immunisieren. Nun will auch Berlin den Flickenteppich aus Projekten, die sich von Fördertopf zu Fördertopf hangeln müssen, in einem auf Dauer angelegten Landesprogramm koordinieren. Endlich! Denn die Hauptstadt ist schon seit Jahren eine Hochburg der Dschihadisten. Die verantwortlichen Politiker haben das Problem aber viel zu lange ignoriert. Zuletzt haben sich die Senatoren sogar in einem unwürdigen Hin und Her entlang der Parteigrenzen darüber gestritten, wer die Federführung für das Programm übernehmen soll. Dabei ging wertvolle Zeit verloren.

Die Spitzen der Koalition müssen nun dafür sorgen, dass das Programm auskömmlich finanziert wird, und dass es so bald wie möglich starten kann. Der Vorsprung der Dschihadisten im Kampf um die Köpfe junger Menschen, die auf Sinnsuche sind und ihr Heil in radikalen Ideen suchen, ist ohnehin schon groß. Wie eine Trophäe präsentieren die Schlächter des IS in ihrem Internetmagazin ein Foto zweier deutscher Konvertiten, die sich ihnen angeschlossen haben. Diese haben sich vor wenigen Tagen als Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt.