Gewalttat in Kaulsdorf

70 Hinweise im Fall der getöteten 18-Jährigen aus Kaulsdorf

Nach dem Tod der 18-Jährigen in Kaulsdorf liegen der Polizei 70 Hinweise vor. Berichte darüber, dass das Mädchen erwürgt wurde, bestätigt die Polizei nicht. Vor Ort nehmen viele Menschen Abschied.

Foto: Steffen Pletl

Die 18-Jährige war am Sonnabendmorgen tot in einem Gebüsch entdeckt worden. Sie starb an Verletzungen am Oberkörper. Möglicherweise war sie auf dem Heimweg von einer Party.. Nach Informationen der Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“ soll die junge Frau erdrosselt worden sein. Dies bestätigten Staatsanwaltschaft und Polizei zunächst nicht. Die Polizei schließt ein Sexusalverbrechen nicht aus und sucht weiter nach Zeugen

In Kaulsdorf haben zahlreiche Menschen am Fundort ihres Leichnams Kerzen und Blumen hinterlassen. Darunter ist auch ein sehr emotionaler Abschiedsbrief der jüngeren Schwester von Hanna K., die in der Nacht zu Sonnabend unter weiterhin ungeklärten Umständen das Opfer eines Gewaltverbrechens geworden ist.

Die Überschrift des Abschiedsbriefs, der in einer Klarsichtfolie steckt, lautet „Wieso?“. Darunter fasst Hannas Schwester ihre Gedanken in folgenden Worten zusammen: „Du warst die beste Schwester der Welt. Ich werde dich immer lieben, du wirst immer in meinem Herzen und meine bessere Hälfte sein. Ich wünschte, ich könnte dich noch einmal in den Arm nehmen und dir sagen, wie lieb ich dich hab. Du hast das nicht verdient. In Liebe, deine Schwester.“

Entsetzen und Fassungslosigkeit

Zahlreiche Passanten blieben auch am Montag in stillem Gedenken am Tatort stehen und trauerten um die 18-jährige Gymnasiastin. Die 67 Jahre alte Renate Zollmann aus Biesdorf sagte: „Ich habe eine Enkelin im selben Alter. Schrecklich, wenn ich daran denke, was jetzt die Familie durchlebt. Was für ein Mensch muss das gewesen sein, der eine derartige Tat begeht. Es muss ein Verrückter sein.“ Marcel Wollenberg, 20, aus Kaulsdorf: „Ich kannte sie nur flüchtig. Das hier bewegt jeden im Ort. So eine schreckliche Tat direkt vor der Haustür ist unfassbar. Ich hoffe, dass der Täter bald gefasst und vor allem auch schnell verurteilt wird.“

Auch die Mitschüler von Hanna am Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium in Lichtenberg reagierten mit Entsetzen und Fassungslosigkeit auf den gewaltsamen Tod der 18-Jährigen. Auf dem Schulgelände an der Franz-Jacob-Straße pflanzten die Abiturklassen am Montag zum Gedenken ihrer Jahrgangskameradin einen Ginkgobaum. Die Baumart hat in der fernöstlichen Mythologie eine Sonderstellung. Chinesen und Japaner verehren den Ginkgo seit Jahrhunderten wegen seiner Lebenskraft und Wunderverheißungen als heilig und erbeten unter ihm die Erfüllung ihrer Wünsche.

Unterdessen steigt die Zahl der Hinweise zwei Tage nach der Tat weiter an. Eine Spur zum Täter habe sich daraus noch nicht ergeben, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag. Inzwischen seien mehr als 70 eingegangen, so die Polizei. Jeder einzelne werde akribisch geprüft.

Foto: Steffen Pletl