Kommentar

Auch die Gymnasien müssen auf das Leben vorbereiten

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Regina Köhler

Foto: Markus Schreiber / AP

Es ist eine vordringliche Aufgabe der Schule, die Schüler so gut wie möglich auf die Berufswelt vorzubereiten. Auch die Gymnasien müssen dieses Ziel verfolgen, kommentiert Regina Köhler.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Berliner Oberschülern kürzlich ans Herz gelegt, einen guten Schulabschluss zu machen. „Ihr werdet gebraucht, jeder einzelne von Euch“, hat sie gesagt. Und das stimmt. Deutschland wird immer älter. In etlichen Branchen gibt es schon jetzt nicht mehr genügend Fachkräfte. Es ist deshalb eine vordringliche Aufgabe der Schule, die Schüler so gut wie möglich auf die Berufswelt vorzubereiten und jedem einzelnen dabei zu helfen, die Ausbildung zu finden, die zu ihm passt.

Dieser Aufgabe müssen sich aber nicht nur die Sekundarschulen stellen, deren Schüler den mittleren Schulabschluss machen und danach meist eine Berufsausbildung anstreben, sondern auch die Gymnasien. Doch gerade diese Schulen haben nach wie vor fast ausschließlich die Universitäten im Blick, wenn es um die Zukunft ihrer Absolventen geht.

Auf eine mögliche Berufsausbildung werden die Schüler weder vorbereitet noch werden ihnen wichtige Informationen an die Hand gegeben, die ihnen helfen könnten, sich auf dem Ausbildungsmarkt zurecht zu finden und sich erfolgreich zu bewerben.

Hier muss sich dringend etwas ändern. Auch an den Gymnasien muss die Berufsausbildung wertgeschätzt werden. Schließlich ersparen wir uns viele Studienabbrecher, wenn Abiturienten nicht mehr nur deshalb studieren, weil sie nicht wissen, was sie sonst machen sollen. Und was noch wichtiger ist: Schüler, die ihren Weg gefunden haben, können gleich richtig durchstarten, die Niederlage des Scheiterns bleibt ihnen erspart.

Für alle Schulen gilt überdies, dass die Schüler mehr darüber lernen sollten, wie sie sich im späteren Leben zurechtfinden können. Das fängt mit der Steuererklärung an und hört mit der Berufswahl nicht auf. Die Forderung der Köpenicker Schülerin, ein Unterrichtsfach Lebensvorbereitung einzuführen, geht deshalb in die richtige Richtung. Wenn die Bildungsverwaltung in diesen Tagen einen neuen Rahmenlehrplan für die Berliner Schulen schreibt, sollte unbedingt darüber nachgedacht werden, so ein Fach zu etablieren oder zumindest Unterrichtseinheiten zur praktischen Lebensführung in jeder Klassenstufe zu verankern. Wir können es uns nicht leisten, auch nur einen jungen Menschen zu verlieren.