Bildung

Berlin wird jünger – Schülerzahl steigt um 20 Prozent

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Andreas Abel

Laut einer Modellrechnung müssen in Berlin im Schuljahr 2022/3 fast eine halbe Million Schüler unterrichtet werden - zwölf Prozent mehr als derzeit. Die höchste Steigerungsrate gibt es in Pankow.

Berlin wächst – und braucht daher in den kommenden Jahren neue Schulgebäude und mehr Lehrer. Während die Einwohnerzahl laut Bevölkerungsprognose des Senats bis 2030 um mindestens sieben Prozent steigen wird, erhöht sich die Zahl der Sechs- bis 17-Jährigen um etwa 20 Prozent. Nach der Modellrechnung zur Entwicklung der Schülerzahlen müssen in Berlin bereits im Schuljahr 2022/23 rund 468.000 Schüler unterrichtet werden, das sind gut zwölf Prozent mehr als im laufenden Schuljahr. Das geht aus dem Schulentwicklungsplan für die kommenden Jahre hervor, den Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) vorgelegt hat.

Die Entwicklungen würden regional sehr unterschiedlich verlaufen, erklärte Scheeres. Die höchsten Steigerungsraten wiesen die Bezirke Pankow, Lichtenberg und Treptow-Köpenick auf, aber auch einzelne Ortsteile wie Friedrichshain wüchsen überproportional. Der Schulentwicklungsplan zeigt den Raumbedarf nach Schultypen und Bezirken differenziert auf. Zeitpunkt und Intensität des Anstiegs sind unterschiedlich. Den kurzfristigen Bedarf an neuen Klassenräumen will der Senat vor allem mit sogenannten „Modularen Ergänzungsbauten“ abdecken sowie mit Projekten, die aus dem „Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt“ finanziert werden.

Alte Standorte werden reaktiviert

Darüber hinaus, so Scheeres, seien etliche Schulbauprojekte für die Investitionsplanung 2015 bis 2019 der Bezirke angemeldet oder würden bereits umgesetzt. Als Beispiele nannte sie das neue Gymnasium an der Pasteurstraße (Pankow), die Sanierung eines zwischenzeitlich aufgegebenen Schulstandorts an der Wartiner Straße (Lichtenberg) und den Neubau einer Gemeinschaftsschule in Marzahn-Hellersdorf. „Neben der Reaktivierung leer stehender Gebäude setzen wir auch darauf, Flächen aus dem Landeseigentum zu sichern“, sagte die Bildungssenatorin.

Laut Schulentwicklungsplan wird sich bis 2020 der Lehrerbedarf von rund 26.000 Vollzeitstellen auf 28.500 erhöhen. Allerdings wird sich der Lehrerbestand in dieser Zeit durch Pensionierungen und Teilzeitbeschäftigung um mehr als 7500 Stellen reduzieren. Da es auch noch Mehrbedarf durch altersbedingte Stundenermäßigung und die Ablösung von Arbeitszeitkonten gebe, beziffert die Schulverwaltung den Bedarf an Neueinstellungen bis zum Schuljahr 2020/21 auf 12.600 Vollzeitstellen. In den Hochschulverträgen wurde die Zahl der Absolventen von Lehramtsstudiengängen auf 1000 pro Jahr festgelegt. Daher setze die Schulverwaltung weiterhin darauf, Lehrer aus anderen Bundesländern für eine Tätigkeit in Berlin zu gewinnen, sagte Beate Stoffers, die Sprecherin der Schulsenatorin.

Der Schulentwicklungsplan sei eine „zu späte und auch wenig nachhaltige Reaktion auf den Bedarf der wachsenden Stadt“, monierte Regina Kittler, bildungspolitische Sprecherin der Linken.

„Leider vier Jahre zu spät und ohne Qualität“, urteilte Stefanie Remlinger, bildungspolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus zum neuen Schulentwicklungsplan des Senats. Sie forderte die Regierungskoalition auf, „gezielt den Neubau von Schulen voranzutreiben, die ein gutes Lernen ermöglichen und auch folgenden Generationen zur Verfügung stehen“. Die modularen Schulergänzungsbauten nannte sie „Provisorien in Billigbauweise“, die keinen Platz für Mensen, Aufenthalts- und Musikräume sowie Bibliotheken böten. Das wies Beate Stoffers vehement zurück, diese Bauten seien keine Container und hätten eine Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten.