Bilanz der Bundespolizei

Graffiti-Touristen erobern Berlin - 344 Sprayer festgenommen

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Andreas Gandzior

Foto: dpa/Jens Kalaene / pa/ZB

Immer häufiger stammen tatverdächtige Sprayer aus dem Ausland. Mittlerweile gilt Berlin als regelrechter „Hotspot“ für Sprayer, die sich in der deutschen Hauptstadt verewigen wollen.

Berlin ist bei Graffiti-Touristen offenbar beliebt: Im vergangenen Jahr wurden 344 tatverdächtige Sprayer von der Bundespolizei festgenommen, 29 von ihnen stammten aus dem Ausland. Experten gehen aber von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus.

Nach Angaben der Bundespolizei sei Berlin ein regelrechter europäischer „Hotspot“ für Sprayer, die sich in der deutschen Hauptstadt verewigen wollen. Mit dabei seien etwa junge Reisende aus Spanien, Polen, aus der Schweiz oder aus Skandinavien.

Dabei schmierten die Sprayer nicht nur kurze Schriftzüge an Bahnen und Wände, sondern sprühten ganze Bilder. Insgesamt stellte die Bundespolizei im ersten Quartal des Jahres 829 Fälle von Sachbeschädigungen durch Graffiti fest – elf Prozent weniger als 2014. Wegen des Bahnstreiks dürften die Delikte aber wieder steigen, so die Erfahrungen der Vergangenheit. Der ruhende Bahnverkehr würde mehr Gelegenheiten bieten und sei auch für die Sprayer dadurch deutlich risikoarmer, hieß es. Genaue Zahlen liegen aber noch nicht vor.

Bundespolizei stellt 3415 Sachbeschädigungen fest

Nach Angaben eines Sprechers der zuständigen Bundespolizei wurden im vergangenen Jahr insgesamt 3415 Fälle festgestellt. 2013 waren es 3338 Sachbeschädigungen. Die Bundespolizei erfasste diese Sachbeschädigungen jedoch in Berlin und in Brandenburg. Der Sprecher der Behörde betonte gegenüber der Berliner Morgenpost, dass ein Großteil der Taten in Berlin an Zügen und Bahnanlagen geschehen seien. „Die meisten Delikte haben die Beamten der Inspektionen am Ost- und am Hauptbahnhof festgestellte“, sagte der Sprecher.

Im vergangenen Jahr wurden beim Landeskriminalamt (LKA) insgesamt 1593 Strafanzeigen wegen des Verdachts der Sachbeschädigung durch Graffiti bearbeitet. 2013 waren es 1332. Damit wurden 261 mehr Graffiti-Straftaten angezeigt, als noch 2013. In 991 Fällen konnten durch die örtlichen Direktionen und durch die Arbeit des LKA Tatverdächtige ermittelt werden. Das geht aus einer Antwort des Senats hervor. Der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Peter Trapp, hatte zum Thema „Graffiti in Berlin“ eine entsprechende schriftliche Anfrage gestellt.

Ermittelt hat das LKA 596 Tatverdächtige. Die Festnahmen nach Direktionen teilt sich wie folgt auf: 94 in Direktion 1, 47 in Direktion 2, 45 in Direktion 3, 53 in Direktion 4, 73 in Direktion 5, 83 in Direktion 6. Gemäß dieser Zahlen hat das LKA eine Aufklärungsquote von 62,5 Prozent. Bei den einzelnen Direktionen liegen die Aufklärungsquoten zwischen 5,8 und 7,9 Prozent. Sechs Tatverdächtige konnten 2014 auf frischer Tat ertappt werden.Nach Expertenschätzungen verursachen Sprayer jährlich einen Schaden von mehr als 35 Millionen Euro in Berlin.