Deutsche Bahn

Weniger Gewalt in Berlins Zügen, dafür mehr Graffiti

Gewalt und Kriminalität bleiben an vielen Bahnhöfen ein Problem. Doch es wird besser: Die Bahn registrierte weniger Körperverletzungen und Fälle von Metalldiebstahl. Vandalismus nimmt dagegen zu.

Foto: dpa/Paul Zinken / pa

Berlin zieht Touristen aus aller Welt an, und die kommen offenbar nicht nur wegen der Sehenswürdigkeiten. „Berlin hat einen Ruf als internationale Graffiti-Metropole“, sagt Gerd Neubeck. Der ehemalige Vizepräsident der Berliner Polizei ist seit einigen Jahren Sicherheitschef der Deutschen Bahn (DB), er wird es wohl wissen. Schließlich gehören die Züge seines Unternehmens zu den bevorzugten Objekten der Sprayer.

Wie aus dem aktuellen Sicherheitsbericht der Bahn hervorgeht, ist die Zahl der Graffiti-Straften im vergangenen Jahr um 50 Prozent auf rund 1700 Fälle gestiegen. Bundesweit stiegen die Fallzahlen nur um 25 Prozent, in Brandenburg wurden sogar ein Rückgang um ein Fünftel verzeichnet.

Als einen Grund nennt der Staatskonzern neben dem Graffiti-Tourismus die jüngsten Streiks der Lokführer. Wegen des damit verbundenen Chaos im Betriebsablauf „waren die Züge oft nicht an geschützten Orten abgestellt“, erklärt Neubeck. So habe es nach dem ersten Streik gerade mal zehn Minuten gedauert, bis der erste Zug vollgeschmiert war.

Insgesamt registrierte die Bahn während der Streiktage doppelt so viele Vorfälle wie gewöhnlich, auch die ungewöhnlich milde Witterung des vergangenen Jahres war offenbar ein Ansporn für die Sprayer. Die Graffiti-Schäden belaufen sich laut Bahn auf einen mittleren einstelligen Millionenbetrag. Dazu kämen Strafzahlungen, wenn etwa Züge bei der Bahn-Tochter Berliner S-Bahn ausfielen. „Sie können nicht immer im täglichen Ablauf gereinigt werden“, so Neubeck.

Deutlich mehr Fahrkartenautoamten geknackt

Graffiti ist nicht das einzige Problem der Bahn. Während Vandalismus-Straftaten bundesweit abnahmen, stiegen deren Zahl in Berlin um ein Fünftel. Für die 700 Fälle von beschädigten Sitzen und zerkratzen Scheiben sind laut Bahn vor allem betrunkene Fahrgäste verantwortlich, oft im Rahmen von Fußballspielen. „Wir verspüren eine zunehmende Respektlosigkeit gegenüber fremdem Eigentum“, klagt Neubeck.

Das gilt auch für die Fahrkartenautomaten, 26 von ihnen wurden 2014 aufgebrochen – mehr als doppelt so viele. Die Höhe der Beute liegt dabei deutlich unter den 30.000 Euro, die deren Reparatur kostet. Für die Automatenknacker wird es in Zukunft aber schwerer. Die Bahn will die Geräte noch öfter leeren, außerdem werden die Geldkassetten schrittweise mit Farbpatronen geschützt. Sie platzen bei Aufbruch auf und machen die Geldscheine wertlos.

Nicht überall ist Berlin im negativen Sinn Spitze. Die Zahl der Übergriffe auf Bahn-Mitarbeiter ging leicht zurück, bundesweit stieg sie hingegen um ein Viertel. Die Bahn agiert inzwischen mit Hausverboten.

Künstliche DNA gegen Diebstahl

Auch die Metalldiebstähle sind weniger geworden, rund 30 Prozent. Sie sorgen immer wieder für Ausfälle und Verspätungen und kosten die Bahn viel Geld. „Hier liegen inzwischen DB-Sicherheitskräfte in Zivil auf der Lauer“, sagt Neubeck. Zudem sind die Metallteile mit einer sogenannten künstlichen DNA versehen, die bei der Überführung der Täter hilft.

Mehr Sicherheit genießt auch das wichtigste Gut: der Fahrgast. In Berlin und Brandenburg registrierte die Polizei sechs Prozent weniger Fälle von Körperverletzung, 2400 insgesamt. Wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) setzt die Bahn verstärkt auf den Einsatz von Überwachungskameras, bundesweit sollen bis Ende des Jahrs 700 weitere an 100 Bahnhöfen installiert werden. In Berlin gehört dazu das Ostkreuz, weitere Bahnhöfe sind derzeit in Abstimmung.

Kameras spielen auch für die S-Bahn eine Rolle, sie dienen aber in erster Linie den Lokführern, die sich selbst das Abfahrtsignal geben müssen. An rund 20 Bahnhöfen gibt es das System schon, 84 sollen es insgesamt werden. Diese Kameras können aber auch zur Aufklärung von Straftaten genutzt werden. Allerdings haben sie nur einen kleinen Bereich der Bahnsteige „im Blick“.

Noch keine Kameras in den Fahrzeugen

Die Kameras ersetzten die Aufsichten auf den Bahnhöfen, Politik und Fahrgastvertreter kritisieren das. Von „Geisterbahnhöfen“ war bereits die Rede. Die S-Bahn vertraut lieber auf 120 „mobile Mitarbeiter“, die etwa an Umsteigeknoten oder bei Bauarbeiten zum Einsatz kommen. Das Unternehmen ist überzeugt: Das schafft mehr Qualität.

Kameras in den Fahrzeugen – wie bei der BVG – gibt es bei der S-Bahn noch nicht. Eine Nachrüstung ist dem Land Berlin zu teuer, erst die neuen Züge werden mit Überwachungstechnik ausgestattet sein. Sie rollen aber frühestens in fünf Jahren.