Sanierungsbedarf

Verband warnt vor maroden Brücken in Berlin

Berlins Brücken bröckeln, erneut müssen zwei für schwere Laster gesperrt werden. Das Land gibt 2015 acht Millionen Euro für Sanierungen aus. Ob das reicht, daran zweifelt der Bauindustrieverband.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Zwei Brücken, die Westendbrücke und die Ringbahnbrücke in Charlottenburg, sind so marode, dass sie für besonders schwere Transporter gesperrt wurden. Auf die Sperrungen der Brücken hatte der Bauindustrieverband Berlin-Brandenburg aufmerksam gemacht. Der Verband, in dem sich 150 große und mittelständische Bauunternehmen aus Berlin und Brandenburg zusammengeschlossen haben, warnte vor „absehbaren weiteren Beeinträchtigungen“. Der Verfall gehe weiter, sagte Verbandspräsident Marcus Becker. Zwar habe der Senat erkannt, wie dringend die Probleme seien: „Die Notwendigkeit, mehr in die Infrastruktur zu investieren, ist in den Köpfen angekommen. Aber bis sich das auf der Straße bemerkbar macht, dauert es.“

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verwies gegenüber der Berliner Morgenpost, dass der Autoverkehr und der „normale“ Lkw-Verkehr von den Sperrungen nicht beeinträchtigt wird. Bisher sind lediglich „besonders genehmigungsfähige Schwertransporte“ betroffen. Im Januar 2014 war die Freybrücke auf der Heerstraße in Spandau für den Lkw-Verkehr gesperrt worden. Von der Sperrung waren auch mehrere Buslinien betroffen. Inzwischen kann die Havel an der Heerstraße über eine Ersatzbrücke überquert werden, die Freybrücke wird erneuert.

Acht Millionen Euro für Brücken in diesem Jahr

Berlin bemühe sich, die Ausgaben für die Brückensanierung zu erhöhen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Axel Wunschel. „Ob das reicht, ist eine andere Frage.“ Brücken seien besonders aufwendig zu sanieren, erklärte Vizepräsident Wolfgang Frey: In den 60er-Jahren sei viel Spannbeton verbaut worden, „an die tragenden Teile kommt man nicht heran, weil sie von Beton ummantelt sind. Das ist mit Fahrbahnsanierungen überhaupt nicht zu vergleichen.“

Die Senatsstadtentwicklungsverwaltung verwies darauf, dass in diesem Jahr für acht Millionen Euro Brücken in Berlin saniert werden. Zu den Bauwerken, die in diesem Jahr saniert werden sollen, gehören unter anderem die Feuerbachbrücke und die Breitenbachbrücke einschließlich ihrer Rampen. Beide liegen in Steglitz.

Auch in Brandenburg sei die Lage schwierig, so der Bauindustrieverband. Das Land müsse nach den Berechnungen des Verbandes jährlich 90 Millionen Euro in die Verkehrsinfrastruktur investieren, um den jetzigen Status zu erhalten, sagte Verbandspräsident Becker. Nach Informationen des Verbandes sollten aber in diesem Jahr lediglich knapp 30 Mio. Euro in den brandenburgischen Landesstraßenbau investiert werden. Insgesamt bekämen die Baufirmen weniger Aufträge von öffentlichen Auftraggebern. Die Zahl der privaten Aufträge dagegen steige.