BVG-Baustelle in Mitte

„Bärlinde“ ist wieder fit - An der U5 wird wieder gebaut

Nach sechs Monaten Zwangspause beginnt beim Bau der U5 ein neuer Abschnitt. Der Tunnelbohrer „Bärlinde“ hat ein neues Schneidrad bekommen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Was 50 Tonnen Stahl so alles auslösen können. „Wir sind froh, dass es endlich wieder losgeht“, freut sich Jörg Seegers. Nicht weit entfernt baumelt das neue Schneidrad von „Bärlinde“ in der Luft. Ein Spezialkran hievt das Teil in die Baugrube am Marx-Engels-Forum, Zentimeter für Zentimeter. Arbeiter ziehen an den Seilen und bringen es in die richtige Position. Dann wird es an den Tunnelbohrer angeschlossen. Geschafft.

Bei der Projektgesellschaft U5 der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ist jede gute Nachricht derzeit willkommen. Denn die Arbeiten am neuen U-Bahntunnel, der die U5 und die U55 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor verbinden soll, befinden sich inzwischen rund sechs Monate in Verzug. Nach wie vor ist unklar, wie es im Oktober zu dem Erdeinbruch am östlichen Ende der ersten Tunnelröhre kam. Ein Gemisch aus sechs Kubikmeter Wasser, Sand und Erde war in die Abbaukammer von „Bärlinde“ gedrungen. Die Experten rätseln, das Gutachterverfahren ist immer noch nicht abgeschlossen. Statt Ende 2019 wird die neue Linie frühestens Mitte 2020 in Betrieb gehen.

Der Vorfall wurmt die Tunnelbauer immer noch, denn „Bärlinde“ hatte ihr Ziel am Brandenburger Tor ja quasi schon erreicht. „Das ist, als wenn einem Läufer 30 Meter vor dem Ziel die Beine weggezogen werden“, sagt Seegers, der als Geschäftsführer Technik für den Fortschritt des 525-Millionen-Euro-Projekts verantwortlich zeichnet. Immerhin: „Seit zwei Wochen darf in der Abbaukammer wieder gearbeitet werden“, sagt Seegers, „von der Technik ist jetzt alles da, was wir brauchen.“

Teile wurden im Juli angeliefert

So wurde „Bärlinde“ zerlegt und durch den Tunnel zurück zum Startpunkt am Roten Rathaus transportiert. Vor der Installation des Schneidrads wurde bereits der Schildmantel montiert. Die Teile wurden im Juli vom Westhafen in einer aufwendigen Aktion durch die Innenstadt Berlins transportiert. Auch die neue Antriebsmaschine ist da. Hier musste die BVG eine neue bestellen, da die alte wegen des Erdeinbruchs noch feststeckt. „Da mussten wir das Verhältnis von Kosten und Nutzen abwägen“, sagt Seegers. Dass „Bärlinde“ ein neues, 600.000 Euro teures Schneidrad brauchen würde, stand hingegen schon vorher fest. Das alte hat seinen Dienst getan und wird derzeit aus seiner Verankerung „gebrannt“.

Wenn der Tunnelbohrer dann startklar ist, beginnt die BVG nach Ostern mit dem Bau der zweiten Tunnelröhre. Damit es hier nicht zu weiteren Verzögerungen kommt, werden bereits die nötigen Vorkehrungen getroffen. So wird der Grund des Landwehrkanals derzeit mit Sandsäcken, der der Spree mit Betonmatten beschwert. Beide Wasserstraßen muss „Bärlinde“ auf ihrer Reise unterqueren, das Gewicht ist nötig, damit die Flussbetten nicht angehoben werden. Auch bei der Unterquerung des Humboldt-Forums können die Ingenieure auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Dort entsteht das neue Stadtschloss. Die Tunnelbauer müssen sich ob der Baufortschritte an der Oberfläche dem ständig wechselnden Druck anpassen.

Rund acht Meter pro Tag schafft „Bärlinde“ im Durchschnitt. Seegers hofft, dass es auf der 1,6 Kilometer langen Strecke noch schneller vorangehen wird. „Im Bereich des Humboldt-Forums ist der Boden noch eher schwer zu durchdringen, doch danach geht es durch Sand. Dann wird es leichter.“ Fortschritt ist wichtig. Mit dem Pannenflughafen BER wollen sich die Tunnelbauer nicht vergleichen lassen.