Pachtvertrag

Berliner Waldbühne wird ein Fall fürs Parlament

Der Pachtvertrag mit CTS Eventim hat bereits für gerichtliche Auseinandersetzung gesorgt. Nachdem juristische Bedenken abgewiesen wurden, gibt es nun aber ein parlamentarisches Nachspiel.

Foto: Paul Zinken / dpa

Der Pachtvertrag für die Waldbühne, den die Senatssportverwaltung mit dem Bremer Unternehmen CTS Eventim abgeschlossen hat, bekommt ein parlamentarisches Nachspiel. Ramona Pop, Fraktionschefin der Grünen im Abgeordnetenhaus, hat etliche Fragen zu diesem Vertrag. Und darauf möchte sie Antworten vom zuständigen Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU).

Das Berliner Kammergericht hatte am 22. Januar dieses Jahres entschieden, dass der Betrieb der Waldbühne nicht ausgeschrieben werden muss. Dem Urteil war ein monatelanger Rechtsstreit vorausgegangen. In dem setzte sich schließlich die Senatssportverwaltung durch, sie durfte nun einen neuen Pachtvertrag mit CTS Eventim abschließen. Die Firma ist bereits seit 2009 Pächterin der Waldbühne, der erste Vertrag lief aber Ende vergangenen Jahres aus. Henkel wollte die Zusammenarbeit fortsetzen. Eine Ausschreibung erachteten die Juristen seines Hauses für nicht notwendig. Dagegen gingen die Mitbewerber Deutsche Entertainment AG (Deag) und Concert Concept juristisch vor. Vorstandsvorsitzender der Deag ist der Berliner Veranstalter Peter Schwenkow.

Wie Ende vergangenen Monats bekannt wurde, hat der neue Waldbühnenvertrag eine erheblich längere Laufzeit. Nach Angaben der Sportverwaltung läuft er über fünf Jahre mit einer Option für weitere fünf Jahre. Demnach ist CTS Eventim bis Ende 2024 Pächter der Waldbühne. Ramona Pop fragt sich nun, warum der Senat einen so langfristigen Vertrag eingeht. „Ist das Land Berlin damit in einer guten Position?“, äußerte sie gegenüber der Berliner Morgenpost. Geklärt werden müsse auch, welches Kündigungsrecht der Vertrag für beide Seiten vorsehe und ob es über die Option hinaus weitere Verlängerungsmöglichkeiten gebe. Zuletzt spielte beim Vertrag für die Modemesse Bread & Butter auf dem alten Flughafen Tempelhof das Kündigungsrecht eine politische Rolle.

Sorge um Traditionskonzerte

Die Grünen-Fraktionschefin will zudem wissen, ob Traditionsveranstaltungen, die den Berlinern am Herzen lägen, vertraglich abgesichert seien. Sie denkt in dem Zusammenhang an das Saisonabschlusskonzert der Berliner Philharmoniker und an das Taschenlampenkonzert. Beide Events finden alljährlich statt und sind stets ausverkauft. Sie werden aber von der Deag veranstaltet und nicht von einer Konzertagentur, die zu CTS Eventim gehört. Es müsse gesichert sein, dass der Charakter der Waldbühne gewahrt bleibe, sagte Pop. Sie möchte, dass den Abgeordneten der Pachtvertrag offengelegt werde. Ob sie ihre Fragen im Rahmen einer schriftlichen oder einer mündlichen Anfrage während der Plenarsitzung an den Senat richtet, sei noch nicht entschieden.

Waldbühnen-Pächterin CTS Eventim und ihr Chef Klaus-Peter Schulenberg gerieten in den vergangenen Wochen bundesweit in die Schlagzeilen. Auslöser waren Ermittlungen des Bundeskartellamtes, ob das Unternehmen seine Marktmacht missbraucht. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt zudem, ob im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2006 ein DFB-Manager bestochen wurde. Und Verbraucherschützer gingen wegen überhöhter Gebühren für ein AC/DC-Konzert gegen die Firma vor.

CTS Eventim ist nach eigenen Angaben Europas größter Vertrieb für Konzertkarten, nach Schätzungen werden mindestens 80 Prozent der Tickets in Deutschland über die Bremer verkauft. Zudem gehören mehrere Konzertveranstalter zu Schulenbergs Imperium oder haben langfristige Verträge mit ihm geschlossen. Und schließlich brachte er mit Pachtverträgen oder dem Kauf von Betreiberfirmen Bühnen unter seine Kontrolle, in Berlin auch das Tempodrom. Diese Dominanz beschäftigte das Kartellamt schon mehrfach. Auslöser des neuen Verfahrens seien Informationen aus Fusionsprüfungen in der Vergangenheit gewesen, teilte die Behörde mit. Es werde die kartellrechtliche Zulässigkeit verschiedener Geschäftspraktiken von CTS geprüft.

„Alle Fragen beantwortet“

Das Unternehmen sei überzeugt, die rechtlichen Rahmenbedingungen in jeder Hinsicht eingehalten zu haben, erklärte Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg. „Unlautere Methoden wenden wir nicht an.“ Die Behörde habe Fragen zum Markt des Ticketvertriebs für Veranstaltungen und zur Marktposition des Unternehmens gestellt. CTS habe sämtliche Fragen vollständig und fristgerecht beantwortet. Stefan Sukale, Sprecher der Innen- und Sportverwaltung, wollte die Ermittlungen des Kartellamts nicht kommentieren. Aus Kreisen der Innenverwaltung verlautete, die Verpachtung der Freiluftarena habe nichts zu tun mit Vorwürfen, die den Ticketvertrieb beträfen. Ramona Pop interessiert sich allerdings schon dafür, warum der Senat mit solchen „Multis“ zusammenarbeitet.