Berliner Zoo

Großer Andrang bei Riekes erstem öffentlichen Auftritt

Das Orang-Utan-Baby aus dem Berliner Zoo hat sich heute den Berlinern vorgestellt. Vor der Futterküche drängten sich die Besucher, um einen Blick auf Rieke zu werfen.

Zahlreiche Besucher haben am Sonnabend die erste Gelegenheit genutzt, Orang-Utan-Mädchen Rieke bei der Mittagsfütterung im Berliner Zoo live zu sehen.

Um 13.22 Uhr ging dann ein großes „Ahhh“ und „Ohhh“ durch das Menschenaffenhaus, als Pfleger Julian These mit dem Affenbaby erschien. Weit mehr als hundert Besucher, darunter viele Eltern mit kleinen Kindern, drängelten sich vor der Glaswand der Futterküche des Affenhauses.

In den Armen von These ging Rieke, die von ihrer Mutter nach der Geburt verstoßen worden war, ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Nuckeln an der Trinkflasche. Wie von nun an jeden Mittag bekam Rieke ihr Milchfläschchen, wurde gewickelt und gewogen. Je nach Tagesrhythmus des Orang-Utans kann die Uhrzeit etwas variieren, heißt es. Denn Rieke werde für ihren öffentlichen Auftritt nicht extra aufgeweckt.

Das Affenmädchen wird mit Ersatzmilch großgezogen, weil ihre Mutter Djasinga sie nach der Geburt im Januar nicht annahm. Rieke wiegt inzwischen 2290 Gramm bei etwa 40 Zentimetern Größe.

Die wenigsten Zuschauer bekamen das Äffchen jedoch zunächst zu sehen, denn Fotografen und Fernsehteams hatten längst die besten Plätze bezogen. „Es war wahnsinnig voll und mancher Besucher hat wohl gar nichts sehen können vor der kleinen Scheibe“, sagte Zoosprecherin Christiane Reiss.

Die elfjährige Davina aus Charlottenburg machte aus der Not einen Tugend, sie stieg auf den Eisautomaten gegenüber, um von dort aus Rieke zu sehen. Ihr Urteil: „Die ist so süüüüß!“

Auch in den kommenden Tagen haben die Berliner die Chance, Rieke beim Trinken zuzuschauen. Showtime ist jeweils zwischen 13 bis 15 Uhr.

Ein Spielgefährte wartet schon

Einige Wochen lang werden die Berliner nun täglich miterleben können, wie Rieke sich entwickelt, wie sie trinkt, was für Fratzen sie zieht, wie viel sie zunimmt und wie sie mit ihren Pflegeeltern umgeht. Doch die Besucher müssen sich beeilen. Sobald es möglich ist, will der Zoo Rieke abgeben. Das könnte schon in zwei bis drei Monaten sein. Sie soll in das englische Affenschutzcenter „Monkey World“ gebracht werden.

Dort wartet bereits ein Spielgefährte auf sie: der fünf Monate alte Bulu Mata. Der Sumatra-Orang-Utan wurde am 4. September 2014 im Zoo Budapest geboren. Kurz nach der Geburt starb seine Mutter, sodass Bula Mata mit der Hand aufgezogen werden musste. Wie Rieke, deren Mutter allerdings lebt, sie aber nach der Geburt nicht angenommen hat.

Die „Monkey World“ im Südwesten Englands gilt als offizielle Aufzuchtstation für verwaiste oder von ihren Müttern abgelehnte Affen. Die Tiere werden dort von erfahrenen Pflegern betreut. Außerdem gibt es sogenannte Ammen, Tiere, die darauf trainiert sind, die Babys wie eine Mutter am Körper zu tragen, sie aber abzugeben, wenn sie gefüttert werden müssen.

„Wir alle hier werden Rieke sehr vermissen“, sagte Pfleger Christian Aust. Der Abschied wird schwerfallen. Doch es sei die beste Lösung. „Sie wird ein artgerechtes Leben unter Artgenossen führen können.“ Das sei das Wichtigste. In der Orang-Utan-Gruppe des Berliner Zoos, in der auch ihre Eltern leben, hätte Rieke indes kaum eine Überlebenschance.

„Es gibt dort zurzeit kein weibliches Tier, das die Aufgabe von Riekes Mutter übernehmen, sie tragen und vor ihren Artgenossen beschützen könnte“, sagte Aust der Berliner Morgenpost. Vor allem die Affenmännchen würden sehr ruppig mit Jungtieren umgehen. „Monkey World“ sei für Rieke deshalb die bessere Heimat. „Dort wird es ihr gut gehen“, davon ist Christian Aust überzeugt.