Dragan heißt der Junge im Schnee. Er kam am 7. Oktober 2014 im Zoo Eberswalde zur Welt. Ab dem Frühling soll er ein eigenes Gehege bekommen. Seine Eltern sind die beiden Tiger Eva und Festus. Dragan ist ein Amurtiger, auch Sibirischer Tiger genannt (Panthera tigris altaica). In freier Natur ist der Sibirische Tiger in den vergangenen 80 Jahren beinahe ausgerottet worden.

Seit mehr als 30 Jahren ziehen Mitarbeiter im Eberswalder Zoo Sibirische Tiger auf. „Ein Amurtiger ist das Symboltier aller vor dem Aussterben bedrohten Tierarten“, so Zoodirektor Bernd Hensch.

Sibirische Tiger sind die größten lebenden Katzen und die bedrohtesten. Noch vor etwa 80 Jahren gab es weltweit 100.000 frei lebende Sibirische Tiger. Bis heute wurden 97 Prozent ausgerottet.

Milchbrei und Fleischhappen

Dragan hat von seiner Mutter zu wenig Milch bekommen. „Er wirkte unzufrieden und fror. Deshalb entschied ich in der vierten Woche, das Tigerjunge aus dem Muttergehege zu nehmen“, so der Zoodirektor. Doch es war schwierig, das Junge an die Flasche zu gewöhnen. Tierpflegerin Leona Klöppel hat verschiedene Milchsorten probiert. „Mit dem Finger über den Flaschensauger hat es dann geklappt“, so der Zoodirektor. Mittlerweile futtert Dragan Milchbrei und kleine Fleischhappen.

Noch lebt Dragan auf dem Wirtschaftshof des Eberswalder Zoos. Normalerweise bleiben die Jungen bis zu zwei Jahren bei ihrer Mutter. Doch wegend er Handaufzucht ist „der Mensch der Partner für desnKleinen. Regelmäßig bekommt er seinen Auslauf an der Leine. Aber spätestens im Frühjahr kommt er in die alte Anlage der sibirischen Tiger“, so Bernd Hensch.

Öffentliche Fütterung mit Alisha im Tierpark Friedrichsfelde

Ebenfalls ein Sibirischer Tiger ist die Berlinerin Alisha. Sie kam erst am Dezember 2014 zur Welt und ist zwei Monate jünger als Dragan – sie lebt auch noch hinter den Kulissen im Tierpark Friedrichsfelde. Mit ihr ist immerhin schon Sichtkontakt möglich. Seit dem vergangenen Wochenende ist die Kleine täglich zwischen 12 und 13 Uhr im Alfred-Brehm-Haus bei der Fütterung zu sehen.

Der Tierpark in Berlin hat eine lange Tradition in der Erhaltungszucht von Sibirischen Tigern. Bereits 1969 gab es die erste Geburt im Tierpark Berlin. Alisha ist das 130. geborene Jungtier bei dieser kritisch bedrohten Tigerunterart. Der Tierpark Berlin unterstützt auch den Schutz von freilebenden Tigern in Indonesien. Aktuell hilft der Tierpark Berlin in der Provinz Jambi auf Sumatra eine Rescue-Station für verletzte wilde Sumatra-Tiger aufzubauen.

Im Tierpark Berlin leben acht Tiger in drei Unterarten: zwei Hinterindische Tiger, drei Sumatra-Tiger und mit dem Jungtier drei Amurtiger.

Tiger-Zensus im Februar: 2000 Forscher schwärmen aus

Eine logistische Großaktion auf Spuren der Amurtiger beginnt jetzt im Februar. Wie der WWF ankündigt, schwärmen auf einen Schlag 2000 Biologen, Wildhüter und Umweltschützer in die Wälder aus, um Tiger zu zählen. Die Gebietsfläche beträgt 150.000 Quadratkilometern.

Eine solch großflächige Zählung, auch Zensus genannt, findet alle zehn Jahre statt. Bei der letzten konnten rund 450 Tiere nachgewiesen werden. Der WWF beteiligt sich daran finanziell und konzeptionell.

Durch eine gleichzeitige, flächendeckende Zählung soll verhindert werden, dass Sichtungen und Spuren-Nachweise ein- und desselben Tigers mehreren Exemplaren zugerechnet werden. Damit nähert man sich mit der größtmöglichen Genauigkeit der tatsächlichen Zahl an. Das Ergebnis ist für den WWF entscheidend, um zu beurteilen, wie gut seine jahrelangen Schutzbemühungen für die seltenen Tiger funktionieren.