Berliner Zoo

Orang-Utan-Baby Rieke trinkt sich fit für England

Das Affenmädchen aus dem Berliner Zoo soll bald ein neues Zuhause bekommen. Doch erst einmal können die Berliner von heute an den Orang-Utan-Nachwuchs bestaunen.

Die Windeln sind winzig – Größe XS, hergestellt für zu früh geborene Babys. Rieke passen sie perfekt. Und sie sind schnell gewechselt. Wie das geht, hat Pfleger Christian Aust Journalisten und Fotografen am Freitag vorgeführt.

Vom heutigen Sonnabend an können auch die Berliner Rieke sehen, Showtime ist täglich zwischen 13 und 15 Uhr. Vor allem Kinder drängten sich vor den Fensterscheiben, um einen Blick auf das Affenmädchen zu erhaschen.

Je nach Tagesrhythmus des Orang-Utans kann die Uhrzeit etwas variieren, heißt es. Denn Rieke werde für ihren öffentlichen Auftritt nicht extra aufgeweckt. In der Futterküche des Affenhauses des Berliner Zoos, von den Besuchern durch eine Glasscheibe getrennt, wog ein Tierpfleger das Baby erst, und windelte, wog und fütterte sie dann.

Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt am Freitag ist Rieke noch ganz schläfrig, als Aust mit ihr in die Futterküche kommt. In ihre grüne Deckel gekuschelt, blinzelt sie nur kurz und will offensichtlich gern weiterschlafen. Stattdessen ist Windelwechseln angesagt. Als Aust sie aus der Decke nimmt, rudert Rieke mit den Armen, es sieht aus, als würde sie winken. Mit geübten Griffen zieht Aust ihr die Windel aus und eine neue an. Seine Tochter sei zwar schon erwachsen, sagt er, das Windelwechseln habe er aber nicht verlernt. Dabei krault er Rieke den Bauch. Das scheint ihr zu gefallen, sie liegt ganz still.

Viel Kraft in den Armen

Dann ist Wiegen dran. Doch Rieke hat keine Lust. Sie krallt sich am Hemd des Pflegers fest, reißt das Mäulchen auf und auch die Augen. „Selbst kleine Affen haben schon viel Kraft in den Händen und Armen“, so Aust. Die benötigen sie, um sich im Fell der Mutter festzuhalten. Wie ein Brustschwimmer liegt Rieke dann auf der weißen Babywaage, die Arme nach vorn ausgestreckt, die Beine angezogen. 2310 Gramm. Damit ist Aust zufrieden. „Affenbabys nehmen nur langsam zu und wachsen auch langsam, das ist wie bei Menschenkindern“, sagt er.

Dann wickelt er Rieke wieder in die Decke und gibt ihr das Fläschchen. Sie trinkt zügig und hält sich dabei mit allen zehn Fingern an der Hand des Pflegers fest. Im Fläschchen ist eine Fertignahrung, wie sie auch Menschenbabys bekommen, wenn die Muttermilch fehlt. Als die Flasche halb leer ist, mag Rieke nicht mehr. Sie dreht den Kopf weg, rudert wieder kräftig mit den Armen. Es sieht aus, als würde sie Aust ins Gesicht fassen wollen. Dann schaut sie ihn an. „Jetzt reicht es mir aber“, scheint sie sagen zu wollen. Aust stellt die Flasche zur Seite. Das kleine Affenmädchen blinzelt, ist satt und zufrieden.

Ein Spielgefährte wartet schon

Einige Wochen lang werden die Berliner nun täglich miterleben können, wie Rieke sich entwickelt, wie sie trinkt, was für Fratzen sie zieht, wie viel sie zunimmt und wie sie mit ihren Pflegeeltern umgeht. Doch die Besucher müssen sich beeilen. Sobald es möglich ist, will der Zoo Rieke abgeben. Das könnte schon in zwei bis drei Monaten sein. Sie soll in das englische Affenschutzcenter „Monkey World“ gebracht werden.

Dort wartet bereits ein Spielgefährte auf sie: der fünf Monate alte Bulu Mata. Der Sumatra-Orang-Utan wurde am 4. September 2014 im Zoo Budapest geboren. Kurz nach der Geburt starb seine Mutter, sodass Bula Mata mit der Hand aufgezogen werden musste. Wie Rieke, deren Mutter allerdings lebt, sie aber nach der Geburt nicht angenommen hat. Pfleger Christian Aust sagt, dass Riekes Geburt für ihre Mutter sehr schwer gewesen sein muss. Sie habe viel Blut verloren. „Die Geburt kann ein Trauma bei ihr ausgelöst haben und der Grund dafür sein, dass sie ihr Kind nicht annehmen konnte.“

Die „Monkey World“ im Südwesten Englands gilt als offizielle Aufzuchtstation für verwaiste oder von ihren Müttern abgelehnte Affen. Die Tiere werden dort von erfahrenen Pflegern betreut. Außerdem gibt es sogenannte Ammen, Tiere, die darauf trainiert sind, die Babys wie eine Mutter am Körper zu tragen, sie aber abzugeben, wenn sie gefüttert werden müssen.

„Monkey World“ für Rieke die bessere Heimat

„Wir alle hier werden Rieke sehr vermissen“, sagt Christian Aust. Der Abschied wird schwerfallen. Doch es sei die beste Lösung. „Sie wird ein artgerechtes Leben unter Artgenossen führen können.“ Das sei das Wichtigste. In der Orang-Utan-Gruppe des Berliner Zoos, in der auch ihre Eltern leben, hätte Rieke indes kaum eine Überlebenschance. „Es gibt dort zurzeit kein weibliches Tier, das die Aufgabe von Riekes Mutter übernehmen, sie tragen und vor ihren Artgenossen beschützen könnte“, sagt Aust der Berliner Morgenpost. Vor allem die Affenmännchen würden sehr ruppig mit Jungtieren umgehen. „Monkey World“ sei für Rieke deshalb die bessere Heimat. „Dort wird es ihr gut gehen“, davon ist Christian Aust überzeugt.