Aus der Gitterbox kommt ein leises, ängstliches Mauzen. Mit großen Augen hat sich das grau-weiße Fellbündel da in der hinterste Ecke verkrochen. Zu fremd ist noch die Umgebung. Erst als Jana Gutbier die vielleicht eineinhalb Jahre alte Katze aus dem Käfig herausholt und streichelt, wird sie ruhiger. Einen Namen hat die Fundkatze noch nicht, nur eine Nummer: 0035. „Das ist am Anfang erst einmal so“, sagt die Auszubildende, die Tierpflegerin werden will.
0035 ist nur eine von fünf Katzen, die an den Festtagen bislang im Tierheim Berlin am Hausvaterweg in Falkenberg eingetroffen sind. Hinzu kamen noch fünf Hunde, zwei Meerschweinchen und ein Kaninchen. Insgesamt 13 Tiere, für die das Weihnachtsfest im Heim endete. Zehn trafen allein an Heiligabend in der Tiersammelstelle ein. „Die Zahl der an Weihnachten ausgesetzten Tiere ist leider wieder gestiegen“, sagte Evamarie König, Sprecherin des Tierschutzvereins Berlin, der das Tierheim am nordöstlichen Stadtrand von Berlin unterhält. Im Vorjahr seien es elf Tiere gewesen, nach 16 im Jahr 2012. Bereits vor den Feiertagen seien viele Tiere von Menschen grausam ihrem Schicksal überlassen worden.
Mehrere Katzen an Müllplätzen ausgesetzt
So seien mehrere Katzen an Müllplätzen ausgesetzt worden. Darunter eine schwarze Katze, die am 19. Dezember in Reinickendorf an einem Müllplatz gefunden und am 22. Dezember ins Tierheim gebracht wurde. Zwei andere Katzen wurden gleichfalls am 19. Dezember entdeckt, auf einem Zettel bat der Besitzer darum, die Tiere zusammen zu vermitteln. Im Neuköllner Ortsteil Buckow fand ein Grundstückseigentümer am 23. Dezember zwei Frettchen, die Unbekannte einfach über den Zaun geworfen hatten.
„Was einen Menschen dazu bringt, ausgerechnet zu Weihnachten sein Tier auszusetzen, ist für mich nicht nachvollziehbar“, sagt Tierheim-Sprecherin König. Sie ärgert sich über einen weiteren Vorfall: So sei ein kleiner brauner Chihuahua gemeinsam mit einem Terrier-Mischling in einem Neuköllner Haus gefunden worden, eingesperrt in einem Keller. Sie wurden von der Polizei befreit und anschließend ins Tierheim gebracht. Als Tierpfleger Franz Lotzko die beiden Hunde am Freitagvormittag zum Sparziergang herausführt, tollen sie freudig bellend im Sonnenlicht umher. „Beide sind noch recht jung und werden das Trauma hoffentlich bald überwinden“, sagt Annemarie König, Sprecherin des Tierschutzvereins.
Panische Schäferhündin befreit
Größere Sorgen bereitet ihr eine Schäferhund-Mischlingshündin, die am ersten Weihnachtstag in Marzahn gefunden wurden – angebunden in einem Hinterhof. Die Hündin war derart ängstlich und panisch, dass der Finder die Polizei rurfen musste, um sie mit vereinten Kräften zu befreien. „In der Tiersammelstelle musste sie erst einmal von einem viel zu engen Halsband befreit werden“, berichtet Evamarie König. Nun werde die Hündin erst einmal gründlich vom Tierarzt untersucht. „Sie wird sicher einige Zeit brauchen, bis sie sich beruhigt und wir sie vermitteln können.“
Der Verein rät generell davon ab, Tiere zu Weihnachten zu verschenken. Oft würden sie nach den Festtagen abgegeben, wenn der Reiz des Neuen verflogen sei. Haustiere werden aber nicht nur an Weihnachten ihrem Schicksal überlassen: Im Tierheim sind aktuell knapp 1700 Hunde, Katzen, Kleintiere, Vögel und Exoten untergebracht. „Das ist für diese Zeit leider wieder ein trauriger Rekord“, sagt Evamarie König. Sie hofft, dass sich in den kommenden Tagen viele Berliner finden, die den Tieren ein neues Zuhause geben wollen.
Geöffnet hat das Heim am Hausvaterwerg 39 in Falkenberg Dienstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 16 Uhr, montags ist Ruhetag. An Silvester und Neujahr werden keine Tiere vermittelt.





