2014/2015

Silvester in Berlin - Feuerwehr verdoppelt Kräfte

Mehr als doppelt so viele Feuerwehrleute als sonst werden zum Jahreswechsel im Einsatz sein - an den Feiermeilen, in den Wachen und in der Leitstelle. Unterstützt werden sie von Rettungsdiensten.

Abgerissene Finger, verletzte Hände, verbrannte Körperpartien, schwere Augenverletzungen – trotz aller Warnungen vor illegalen Böllern und dem unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerksraketen werden die Einsatzkräfte der Berliner Feuerwehr in der Silvesternacht nicht zur Ruhe kommen. Doch die Feuerwehr ist gut vorbereitet. Nach Angaben des Landesbranddirektors Wilfried Gräfling hat die Feuerwehr für diese Nacht das Einsatzpersonal verdoppelt. Wie in den Jahren zuvor erwartet sie deutlich mehr als 1500 Einsätze. Im Vorjahr mussten die Einsatzkräfte zur Spitzenzeit zwischen 19 und 6 Uhr früh 1667 Mal ausrücken. Im Vergleich: An normalen Tagen bewältigt die Feuerwehr in 24 Stunden rund 1250 Einsätze.

„Für die Silvesternacht stehen 1298 Haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte bereit, um 346 Einsatzfahrzeuge zu besetzen“, so Gräfling. „Die Personalverstärkung um mehr als das Doppelte ist notwendig, da die meisten Einheiten rund um die Uhr im Einsatz sein werden.“ Unterstützt werde die Berufsfeuerwehr von 548 Freiwilligen Feuerwehrleuten in 56 Freiwilligen Feuerwehren. In der Leitstelle arbeiten dann 45 Mitarbeiter, doppelt so viele wie an normalen Tagen. 60 Telefonleitungen werden in der Zentrale geschaltet sein, heißt es.

Temporäre Feuerwachen an der Partymeile

Auf der Straße des 17. Juni, entlang der Partymeile, werden temporäre Feuerwachen eingerichtet. An zentralen Punkten entlang der Straße des 17. Juni zwischen Brandenburger Tor und Großem Stern sind in der Nacht feste Standorte für Feuerwehrautos und für die Hilfsorganisationen eingerichtet. Das Rote Kreuz wird mit 150 Helfern und Ärzten an mehreren Hilfestellen den Sanitätsdienst übernehmen. Auch das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) ist auf Silvester vorbereitet. „Anstatt zwei, werden vier Operationssäle reserviert, das dazugehörige Personal ist in Bereitschaft“, sagte ein Kliniksprecher der Berliner Morgenpost. „Drei Spezialisten für Hand-, Replantations- und Mikrochirurgie haben Silvester und Neujahr Rufbereitschaft, an anderen Tagen ist sonst einer im Dienst.“

Damit es erst gar nicht zu Unfällen kommt, verweist die Berliner Feuerwehr auf die Sicherheitshinweise. „Nur geprüftes Feuerwerk mit einer Registrierungsnummer und dem CE-Zeichen kaufen und die Gebrauchsanweisung des Feuerwerks lesen“, rät ein Sprecher der Feuerwehr. „Feuerwerk der Klasse II oder der Kategorie F2, wie Raketen, Party-Knaller, Schwärmer und Bengalartikel nur von Erwachsenen ab einem Alter von 18 Jahren und nur im Freien anzünden.“ Feuerwerkskörper sollten zudem immer getrennt von Zündhölzern oder Feuerzeugen aufbewahrt werden.

Feuerwerkskörper sind Gefahrgut

Wie gefährlich Pyrotechnik ist, zeigt auch der Aufwand, den Logistikunternehmen betreiben, die die Ware ausliefern. Denn Feuerwerkskörper gelten als Gefahrgut, ihr Transport unterliegt strengen Regeln. Dafür zugelassene Transporter haben jetzt Hochkonjunktur. Sie müssen die explosive Ware schnell und sicher zu den Läden bringen, die die Feuerwerkskörper in diesem Jahr nur vom 29. bis 31. Januar verkaufen dürfen. Wie viele Tonnen Böller, Leuchtspektakel und Raketen in diesen Tagen durch Berlin gefahren werden, wird nicht erfasst.

Das Unternehmen DB Schenker versorgt allein die 55 Filialen einer großen Supermarktkette im Norden Berlins mit insgesamt 100 Tonnen Pyrotechnik. Das entspricht insgesamt 34 Tonnen Nettoexplosivmasse. Und da die Läden, je nach Lagermöglichkeit, immer nur bestimmte Mengen annehmen dürfen, liefern die Fahrer am 29. und 30. Dezember zum Teil im Zwei-Stunden-Takt nach. Jede Filiale wird in der Regel zweimal am Tag angefahren.

Zehn Lkw sind allein mit Pyrotechnik der Kategorie II unterwegs, der keine anderen Waren beigeladen werden dürfen, 40 weitere Laster transportieren die ungefährlichere Kategorie I, wie Knallfrösche und Knallbonbons, zusammen mit anderen Ladungen.

„Nur ruhig bleiben und keinen Stress machen“

Heiko Herpich ist einer der Fahrer mit der nötigen Zusatzlizenz für den Gefahrguttransport. Er muss wissen, wie man mit der gefährlichen Ware umgeht und bei einem Unfall richtig handeln können. Für seine Fuhre ist der 38-Jährige allein verantwortlich. Herpich muss sich mit seinen Zertifikaten ausweisen, bevor er die Ladung in der Moabiter Lagerhalle abholen darf, dann belädt er seinen Laster und sichert die Kisten mit Eisenstangen.

Am Ende steht ein Sicherheitscheck. Ein Kollege überprüft mit ihm, ob der Wagen als Gefahrguttransporter gekennzeichnet und die Sicherheitsausstattung komplett ist. Dazu gehören zwei Feuerlöscher und eine Notfallkiste, in der sich neben einem Warnschild unter anderem Hand- und Sicherheitsschuhe, eine Schutzbrille und eine Gasmaske befinden. Erst wenn die Checkliste abgezeichnet ist, kann es losgehen. Dann muss Herpich die Ware schnell und unfallfrei an ihr Ziel bringen. Widriges Winterwetter macht dem erfahrenen Kraftfahrer keine Angst: „Man muss nur ruhig bleiben und keinen Stress machen, dann kommt schon alles an.“