Interne Kontrolle

Prüfer kritisieren fehlende Akten bei Flüchtlingsbehörde

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Lageso-Chef Franz Allert. Bei einer Überprüfung wurde festgestellt, dass Akten unvollständig sind. Nun soll es zu einer „vertieften Prüfung“ kommen.

Foto: Matthias Balk / dpa

Die interne Kontrolle des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) hat in ihrem Bericht zur Überprüfung der Vorwürfe gegen Behördenchef Franz Allert Mängel festgestellt.

Die Akten erscheinen „in den Verwaltungsvorgängen nach dem ersten Eindruck mangelhaft“, heißt es im Abschlussbericht der Kontrolleure, wie die Gesundheitsverwaltung am Freitag mitteilte. „Ordnungsgemäße Auswahlverfahren oder Ausschreibungen haben vor Entscheidung für einen Anbieter nach Aktenlage nicht stattgefunden.“ Daher schlägt die Innenrevision eine „vertiefte Prüfung“ vor. Aus den unvollständigen Akten sei Allert aber kein Fehlverhalten nachzuweisen.

Verdacht auf Vetternwirtschaft

Nach einer anonymen Anzeige hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Lageso-Chef Allert aufgenommen. Er steht im Verdacht, bei der Vergabe von Flüchtlingsunterkünften bestimmte Firmen bevorzugt zu haben, darunter ein Unternehmen seines Patenkindes.

Allert weist die Vorwürfe zurück. Weder habe er Firmen bevorteilt, noch rechtswidrig Vergabeentscheidungen beeinflusst. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sieht deshalb keinen Anlass, an der Arbeit des Behördenchefs zu zweifeln. Zusätzlich zu den bereits laufenden Ermittlungen sollen unabhängige Wirtschaftsprüfer die Vorwürfe untersuchen.

Allert ist der Taufpate des Geschäftsführers der Firma Gierso Boardinghaus, Tobias Dohmen. Die Firma betreibt in Berlin fünf Unterkünfte für Flüchtlingsheime. Die Aufträge dafür erhielt das Unternehmen vom Lageso – jener Behörde, die von Dohmens Taufpate, Franz Allert, geleitet wird.

In diesem Jahr hat der Flüchtlingsstrom nach Berlin stark zugenommen, sodass auch der Bedarf an Unterkünften stark gestiegen ist. Allein in diesem Jahr werden 12.000 neue Asylbewerber in der Stadt erwartet, sechsmal mehr als vor vier Jahren.